Feierabend-Kicker gegen den FC St.Gallen

Fussballfest im Säuliamt: Drittligist Hausen am Albis hat ein grosses Cup-Los gezogen. Die Zürcher Amateur-Kicker empfangen heute Nachmittag in der ersten Hauptrunde dank Fairplay den FC St.Gallen.

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Der FC St.Gallen will sich gegen die Amateure klar durchsetzten. (Bild: Urs Bucher)

Der FC St.Gallen will sich gegen die Amateure klar durchsetzten. (Bild: Urs Bucher)

Für die Cup-Partie auf dem letzte Saison von Köbi Kuhn eingeweihten Sportplatz Jonentäli ist alles bereit, das von den Spielern aufgestellte Festzelt steht. Rund 2000 Zuschauer werden zum ungleichen Duell zwischen den Feierabend-Kickern und den Berufsfussballern aus der Super League erwartet. Am Türlersee wird Trainer Samir Ben Nejma am Samstagnachmittag seine Drittliga-Fussballer besammeln und sie auf den Höhepunkt der Vereinsgeschichte einstimmen.

Die 13 ist die Glückszahl des FC Hausen am Albis. Vor 13 Jahren wurde der Klub gegründet. Eva Locher, die Mutter des 23-jährigen Hausener Stürmers Flurin Locher, war eine der treibenden Kräfte der Vereinsgründung. Im Jahr 2013 stieg der Klub in die 3. Liga auf; seit März 2012 leitet der 48-jährige Samir Ben Nejma die Geschicke der ersten Mannschaft. Der Schweizer mit tunesischen Wurzeln war einst Profi bei Charleroi in Belgiens höchster Liga und stand als Aktiver in der Saison 1994/95 beim FC Thun unter Vertrag. Danach bildete sich der zu 100 Prozent in der Logistik arbeitende Ben Nejma als Kinder-Fussballtrainer weiter und erwarb auch das Trainer-C-Diplom.

Ein "reiner Amateur-Verein"
"Wir sind ein reiner Amateur-Verein mit einem Budget von 130'000 Franken. Zweimal pro Woche trainieren wir. Gemeinschaft und Spass stehen im Vordergrund", erzählt der Trainer in Zürcher Mundart. Er wohnt mit Frau und Tochter im Aeugstertal im Bezirk Affoltern und fährt täglich zur Arbeit in den Kanton St.Gallen nach Oberbüren. In den letzten Tagen durfte er seine Auskünfte zum Cupspiel nur in den Znüni-, Mittags- und Zvieripausen erteilen. "Wir stehen einer übermächtigen Mannschaft gegenüber", ist sich Ben Nejma bewusst. Er verspricht aber, dass sein Team beim Höhepunkt der Klubgeschichte alles geben und vor allem kämpfen wird. "Wir wollen Spass haben, das Spiel geniessen und unseren Teil zu einem Fussballfest beisteuern."

Seine Hobby-Fussballer sind zwischen 17 und 34 Jahre alt und im Berufsleben Elektriker, Zimmerleute, Plattenleger, Drucker, Bauleiter, Studenten, Chemielaboranten oder Bankangestellte. Einer davon ist Mischa Bircher, 19-jährig und Torhüter. Der Elektriker aus Rifferswil weiss nicht recht, was auf ihn zukommt. "Vor Ehrfurcht werden wir nicht erstarren. Wir können nichts verlieren. Ich hoffe nur, dass St.Gallen mir nicht die Bude voll schiesst. Der Spielbeginn ist entscheidend, wir dürfen uns nicht überrennen lassen."

Saibene: "Wir müssen uns deutlich durchsetzen"
Der FC St.Gallen, der zuletzt in Luzern glücklich 1:0 gewonnen hat, wird im Jonentäli mit einigen Veränderungen auflaufen. Trainer Jeff Saibene lässt rotieren. "Wohl haben wir Respekt vor dem Gegner, aber wir müssen uns gegen die Amateure deutlich durchsetzen - egal, wer auf dem Rasen steht. Ein Ausrutscher in Hausen wäre eine Riesenblamage, die wir uns nicht leisten dürfen", so Saibene.

Zwischen Hausen am Albis und dem FC St.Gallen gibt es eine schöne Verbindung. Im Zürcher Verein ist mit Heinz Rütti ein ehemaliger Captain der Espen beschäftigt. Der mittlerweile 67-Jährige ist Technischer Leiter und trainiert die Jüngsten in der Fussballschule.

Fairness belohnt
Den Platz im Schweizer Cup hat der FC Hausen nicht mit Erfolgen im K.o.-Wettbewerb, sondern über die Fairplay-Wertung des Fussballverbands der Region Zürich erhalten. Eigentlich haben sich die Reserven von Wettswil-Bonstetten die Auszeichnung als fairste Equipe aller Zweit- und Drittligisten gesichert. Da sich aber die Erstliga-Mannschaft sportlich für die erste Hauptrunde qualifiziert hat und beim FC Länggasse (3. Liga) in Bern antritt, wurde der Startplatz im Schweizer Cup an den Zweitplatzierten von 72 Mannschaften vergeben.

"Anstand und Fairness sind unsere höchsten Vorgaben", betont Ben Nejma. "Reklamieren und Nachtreten dulde ich nicht. Was der Schiedsrichter pfeift, gilt. Meine Spieler gefährden willkürlich die Gesundheit ihrer Gegner nie. Wenn wir verlieren, so tun wir dies mit Würde und möglichst nach guten spielerischen Leistungen." Sprach's und wendete ein, dass er das Gespräch nun abbrechen müsse. Die Arbeit als Logistiker rief. (si)