1:2-Niederlage in Lugano: FCSG verliert das Spiel in der ersten Hälfte

Der FC St.Gallen lässt zum zweiten Mal in dieser Saison Punkte liegen. Nach einer desolaten ersten Hälfte können sich die Espen zwar steigern, für etwas Zählbares reicht es aber nicht mehr.

Tim Naef
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Die Luganesi waren vor allem in der ersten Halbzeit immer einen Schritt schneller als die St.Galler.

Die Luganesi waren vor allem in der ersten Halbzeit immer einen Schritt schneller als die St.Galler.

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Die Spielwertung

Wäre das Spiel nach 45 Minuten zu Ende gewesen, hätte es eine ungenügende Note gegeben. In der zweiten Hälfte war der FCSG besser, mehr aber auch nicht. Spielnote: 4.

Die Tore

  • 1:0, 16. Minute, Numa Lavanchy: Der Torschütze für die Luganesi wird aus der eigenen Hälfte auf die Reise geschickt. Zigi kann sich nicht entscheiden, ob er aus seinem Tor kommen soll. Lavanchy bringt den Ball schliesslich aus spitzem Winkel am St.Galler Goalie vorbei ins Tor.
  • 2:0, 32. Minute, Reto Ziegler: Nach einem Eckball herrscht Chaos im St.Galler Strafraum. Görtler kann erst noch auf der Linie klären. Der Befreiungskopfball landet jedoch genau bei Reto Ziegler, welcher den Ball gegen die Laufrichtung Zigis ins Tor köpfeln kann. 
  • 2:1, 62. Minute, Victor Ruiz: Nach einem Foul von Fabio Daprelà liegt Guillemenot im Straufraum der Luganesi. Der VAR greift ein, es gibt Penalty für St.Gallen. Im ersten Versuch scheitert Ruiz noch vom Punkt, erhält aber eine zweite Chance, weil sich Noam Baumann zu früh von der Linie wegbewegt. Der zweite Versuch sitzt. Anschlusstreffer für Grünweiss. 

Die Spielanalyse

Die Heimmannschaft aus Lugano erwischt den besseren Start. Immer wieder können sie sich in der Hälfte der St.Galler festsetzen. Wirklich gefährlich wird es in den ersten Minuten jedoch nicht. Dennoch fällt in der 16. Minute dann aber das 1:0 für Lugano. Nach einem langen Ball in die Spitze verschätzt sich FCSG-Goalie Lawrence Zigi, welcher den Ball anschliessend mit einer unglücklichen Abwehraktion ins eigene Tor lenkt.

Im Anschluss scheint es, als könne der FCSG reagieren. Die Espen spielen sich mehrmals gefällig in den gegnerischen Strafraum. Görtler und Stergiou verpassen beide aus aussichtsreicher Position den Ausgleich. Und wie heisst es doch im Fussball so schön: «Wer sie vorne nicht macht, kriegt sie hinten.» So kommt es auch. Nach einem Eckball kann Görtler erst noch auf der Linie klären. Der Ball landet jedoch direkt bei Reto Ziegler, welcher den Ball im St.Galler Tor unterbringen kann.

Reto Ziegler erzielt das 2:0 für das Heimteam.

Reto Ziegler erzielt das 2:0 für das Heimteam.

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Und nur wenig später müsste es eigentlich 3:0 für Lugano stehen. Abubakar kann alleine auf Zigi ziehen. Im letzten Moment bringt aber Diakité seinen Fuss dazwischen. Die Espen scheinen geschockt vom Spielverlauf, bringen keinen Fuss vor den anderen. Die Erleichterung über den Pausenpfiff ist bis auf die Tribüne zu spüren.

Vierfachwechsel zur Pause

So etwas sieht man selten: FCSG-Coach Peter Zeidler wechselt nach 45 Minuten gleich vier Spieler aus. Für Alessio Besio, Isaac Schmidt, Euclides Cabral und Kwadwo Duah ist der Arbeitstag frühzeitig zu Ende. Sie werden von Boris Babic, Jérémy Guillemenot, Fabian Schubert und Basil Stillhart ersetzt. Die Wechsel scheinen gewirkt zu haben: In den ersten Minuten der zweiten Hälfte spielt nur der FCSG. In der 50. Minute liegt schliesslich Guillemenot im Strafraum der Luganesi.

Die Pfeife von Schiedsrichter Urs Schnyder bleibt vorerst stumm, ehe sich der VAR meldet. Klare Sache: Elfmeter für die St.Gallen. Nun wird's kompliziert. Der Lugano Goalie kann den Schuss von Victor Ruiz halten, ist aber gegen den Nachschuss von Lukas Görtler machtlos. Die St.Galler jubeln bereits, als sich der VAR abermals meldet. Weil sich Baumann zu früh von der Linie bewegt hat und der Elfmeter nicht direkt verwandelt wurde, wird der Penalty wiederholt. Im zweiten Anlauf verwandelt Ruiz souverän.

St.Gallen drückt, kann aber nicht mehr ausgleichen

Die St.Galler scheinen wie ausgewechselt. Sie lassen dem Gegner kaum mehr Platz. Immer wieder können sie sich bis in den Strafraum durchkombinieren, verpassen es aber den Ausgleich zu erzielen. Am Schluss fehlt die Zeit, um noch etwas Zählbares aus dem Tessin mit nachhause zu nehmen.

Der Beste

Die Innenverteidigung mit Fazliji und Stillhart in der zweiten Hälfte. Was in den ersten 45 Minuten Vogelwild wirkte, war nach der Pause souverän.

Lawrence Ati Zigi: Note 3,5. Das erste Tor ist haltbar. Danach aber verhindert der Goalie, dass die Niederlage höher ausfällt.
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Leonidas Stergiou: Note 4. Verpasst eine gute Chance auf das 1:1, als er einen Moment zu spät kommt. Solide Leistung.
Basil Stillhart: Note 4. Kommt nach der Pause in die Innenverteidigung. Seine Mentalität tut dem Team gut. Ein Antreiber.
Fabian Schubert: Note 3,5. Setzt nach der Einwechslung mit einem Weitschuss ein Zeichen. Danach kaum mehr gefährlich.
Ousmane Diakité: Note 3,5. Kann nicht an die guten Leistungen der ersten Spiele anknüpfen. Gewinnt zu wenige Zweikämpfe.
Jérémy Guillemenot: Note 4. Holt nach einem starken Vorstoss den Elfmeter heraus.
Victor Ruiz: Note 3,5. Erzielt mittels Penalty das Anschlusstor. Der Spanier findet sonst aber keine Mittel gegen Luganos Abwehr.
Kwadwo Duah: Note 3. St.Gallens bester Torschütze der Vorsaison sieht im Tessin fast keinen Ball.
Euclides Cabral, Note: 3. Lässt dem Gegner oft viel zu viel Platz. Offensiv zu ungestüm.
Lukas Görtler: Note 3,5. Dem Captain unterlaufen ungewohnt viele Fehlzuspiele. Wird immer wieder grob angegangen.
Betim Fazliji: Note 4,5. Er gehört zu den besseren St.Gallern. Läuft den Gegner immer wieder stark ab.
Michael Kempter: Note 3,5. Die Neuverpflichtung lässt sich vor dem 0:1 überraschen. Steigert sich nach der Pause.
Tim Staubli: Note –Sein Einsatz ist zu kurz vor eine Note.
Alessio Besio, Note: 3,5. Der 17-Jährige versucht sich die Bälle selber zu holen, weil er sonst praktisch keine bekommt.
Isaac Schmidt: Note 3,5. Der Romand feiert sein Début für St.Gallen. Sehr wirblig. Aber mit vielen Fehlpässen.
Boris Babic: Note 3. Reibt sich an der Tessiner Defensive auf. Bleibt so ohne Wirkung.

Lawrence Ati Zigi: Note 3,5. Das erste Tor ist haltbar. Danach aber verhindert der Goalie, dass die Niederlage höher ausfällt.

Der Schlechteste

Kwadwo Duah. Der beste Torschütze der St.Galler der vergangenen Spielzeit sieht keinen Ball und wird folgerichtig in der Pause ausgewechselt.

Der Schiedsrichter

Urs Schnyder hatte zwei, drei strittige Szenen zu beurteilen, lag aber meistens richtig. Gute Leistung des Unparteiischen.

Die Fans

Während des Spiels war ein stetiges «Hopp St.Gallen, hopp St.Gallen» im Cornaredo zu hören. Dies obwohl der Gästesektor über 90 Minuten praktisch leer blieb. Grund dafür ist eine Protestaktion der FCSG-Anhänger. Sie werfen der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD) und anderen Akteuren vor, die aktuellen Schutzmassnahmen für die eigene Agenda zu instrumentalisieren und zu versuchen, sie auch nach der Pandemie beizubehalten. So haben zum Beispiel Lausanne und Sion bereits beschlossen, die Gästesektoren gar nicht mehr zu öffnen, und in Sion werden nur noch personalisierte Tickets verkauft.

Die Reaktionen

FCSG-Coach Peter Zeidler:

«Lugano ist verhext. Vielleicht wäre es besser, wenn wir die Punkte nächstes Mal per Post ins Tessin schicken.»

FCSG-Captain Lukas Görtler:

«Eine Halbzeit reicht einfach nicht und wenn du gegen einen Gegner spielst, welcher das Spiel nur kaputtmachen will, wird es auch nicht einfacher. »

Das Spiel im Liveticker nachlesen:

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