FCSG
Victor Ruiz unterschreibt in Saudi Arabien den vielleicht besten Vertrag seiner Karriere – das sind die Folgen des Abgangs für den FCSG

Der Spanier Victor Ruiz verlässt den FC St.Gallen nach dreieinhalb Jahren Richtung Saudi-Arabien – ist das die Chance für einen 21-Jährigen aus dem eigenen Nachwuchs?

Patricia Loher
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Der letzte Auftritt im St.Galler Dress: Victor Ruiz im Heimspiel gegen Winterthur vor einer Woche.

Der letzte Auftritt im St.Galler Dress: Victor Ruiz im Heimspiel gegen Winterthur vor einer Woche.

Benjamin Manser

Das Kader des FC St.Gallen hat sich seit Sonntag weiter gelichtet. Während Innenverteidiger Musah Nuhu bis Ende November leihweise zum finnischen Klub Kuopion Palloseura wechselt, verlässt Victor Ruiz die Ostschweizer definitiv in Richtung Saudi-Arabien.

Der 28-jährige Mittelfeldspieler unterschrieb bei Al-Fayha einen Zweijahresvertrag. Über die Ablösesumme für den Spanier, der in St.Gallen noch über einen Kontrakt bis Sommer 2023 verfügt hatte, vereinbarten die beiden Klubs Stillschweigen. So schreibt es der FC St.Gallen in einer Medienmitteilung.

Der beste Vertrag der Karriere?

Der Lohn von Ruiz, der dreieinhalb Jahre für die Ostschweizer gespielt hat, dürfte nun um einiges höher sein als noch beim Super-League-Klub.

Gut möglich, dass es für den Fussballer aus Valencia, den St.Gallens Aktionär Steffen Tolle einst beim spanischen 4.-Liga-Klub Formentera entdeckt hatte, der erste wirklich sehr gut dotierte Vertrag der Karriere ist.

Ruiz bestritt für St.Gallen nach Anlaufschwierigkeiten 101 Super League-Spiele. Er erzielte 16 Tore und lieferte 24 Vorlagen.

Der Spanier gehörte zu jenen Spielern, die sich in St.Gallen prächtig entwickelten: Als er im Winter 2019 ablösefrei in der Schweiz ankam, betrug sein Wert laut transfermarkt.ch 107'000 Franken – unterdessen ist es eine Million.

Saudi-Arabien, eines der reichsten Länder der Welt

Der in Rorschach und Goldach aufgewachsene Aleksandar Prijovic, der für Al-Ittihad in der Saudi Professional League gespielt hat, sagte einst gegenüber diesem Medium:

«Die saudische Liga ist seit einigen Jahren die beste in Arabien und Asien. Höchstens Japan kann mithalten. Die saudischen Klubs haben grosse Budgets und leisten sich viele gute Spieler aus Europa, Südamerika und Afrika.»

Im vergangenen Oktober verliess Prijovic Saudi-Arabien in Richtung Australien, wo er nun in Melbourne für Western United spielt.

Ruiz neuer Verein ist im Gegensatz zu Al-Ittihad allerdings kein Spitzenklub. Al-Fayha schloss die vergangene Saison in der 16-er Liga auf dem neunten Rang ab.

Zuletzt machten Investoren aus dem Land mit der Übernahme von Newcastle United von sich reden. Saudi-Arabien ist durch seine Ölexporte eines der reichsten Länder der Welt.

Das Kader ist nun wohl zu wenig breit

Das Kader des FC St.Gallen umfasst nach den Abgängen von Nuhu und Ruiz noch 24 Spieler, inklusive die drei Torhüter. Die Ostschweizer holten sechs neue Akteure und gaben bereits 13 ab. Ruiz ist allerdings nach Kwadwo Duah erst der zweite Stammspieler der vergangenen, starken Rückrunde, der St.Gallen verlässt.

Obwohl Sportchef Alain Sutter nach der Niederlage im Cupfinal angekündigt hatte, das Kader zu verkleinern, fehlt der Mannschaft unterdessen etwas die Breite.

So sagte Trainer Peter Zeidler nach dem 2:0-Erfolg am vergangenen Samstag gegen den FC Zürich, dass man noch den einen oder anderen Spieler holen wolle.

Christian Witzig? Oder Randy Schneider?

Gegen den Meister übernahm Isaac Schmidt den Part von Ruiz, der dem Aufgebot bereits nicht mehr angehörte. Schmidt, zuvor stets Linksverteidiger, interpretierte die Rolle gut. Der 22-jährige Waadtländer ist nun allerdings nach der roten Karte für die Partien gegen die Grasshoppers und Luzern gesperrt.

Seit der Saisonvorbereitung haben die St.Galler einen jungen Aufsteiger aus den eigenen Reihen im Kader, der Ruiz ebenfalls ersetzen könnte: Christian Witzig.

Der 21-jährige Christian Witzig im Testspiel gegen Valencia.

Der 21-jährige Christian Witzig im Testspiel gegen Valencia.

Bild: Claudio Thoma/Freshfocus

Der 21-Jährige aus Bronschhofen spielte gegen den FC Zürich für den gesperrten Captain Lukas Görtler. Witzig, der erstmals von Beginn weg in der Super League zum Einsatz kam, agierte vor allem zu Beginn frech und unerschrocken.

Der Mittelfeldspieler hat vor einem Jahr einen Profivertrag bis Sommer 2023 unterschrieben, litt dann allerdings am Pfeiffer’schen Drüsenfieber und an Corona. Witzig wechselte 2015 vom FC Münchwilen in den St.Galler Nachwuchs. Neuzugang Randy Schneider wäre wohl eine weitere Option, um die Lücke von Ruiz, zumindest vorerst, zu schliessen.