FCSG - VADUZ: Fast ein Traumstart

Obwohl St.Gallen stark beginnt und Albian Ajeti die Ostschweizer in Führung bringt, reicht es den Ostschweizern in Vaduz einmal mehr nicht zum Sieg. Tranquillo Barnetta ist der auffälligste St.Galler.

Patricia Loher
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Albian Ajeti, Torschütze zum 1:0, im Zweikampf mit Vaduz-Spieler Nicolas Hasler. (Bild: WALTER BIERI (KEYSTONE))

Albian Ajeti, Torschütze zum 1:0, im Zweikampf mit Vaduz-Spieler Nicolas Hasler. (Bild: WALTER BIERI (KEYSTONE))

Es ging hoch zu und her in den vergangenen Tagen um Tranquillo Barnetta. Auf dem Höhepunkt des Rummels war der St.Galler gestern auch noch im Sportpanorama des Schweizer Fernsehens zu Gast. Und schon nach seinem ersten Spiel gegen Vaduz überhaupt sah sich Barnetta gezwungen, einem Millionenpublikum zu erklären, weshalb es den Ostschweizern auch im elften Anlauf in der Super League nicht gelungen ist, den Liechtensteiner Nachbarn zu besiegen.

Dabei hatten dem 31-Jährigen wenige Stunden zuvor nur Zentimeter gefehlt, um mit einem Traumeinstand im Gepäck nach Zürich-Leutschenbach zu fahren. Nach gut zehn Minuten hatte Barnetta innerhalb von 30 Sekunden zweimal den Pfosten getroffen. Die frühe Führung wäre für St.Gallen ein verdienter Lohn gewesen. Die Mannschaft legte zu Beginn einen tadellosen Auftritt auf das Parkett. Sie kombinierte präzise, drängte den Gegner während Minuten zurück und gewann fast alle Zweikämpfe. Es schien, als habe die Winterpause St.Gallens guter Form nichts anhaben können.

Tranquillo Barnetta: Note 5. Der Rückkehrer deutete an, wie gross sein Wert für die St.Galler in Zukunft noch sein kann. An praktisch jeder Offensivaktion war Barnetta beteiligt. Pech hatte er, als in der ersten Halbzeit zuerst ein Freistoss und danach ein Abschluss an den Pfosten ging. Allerdings durfte er sich bereits ein erstes Assist zuschreiben lassen. (Bild: pd)
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Daniel Lopar: Note 5. Der Goalie war in der ersten Halbzeit praktisch ohne Arbeit. Nach der Pause aber bekam er gleich einiges zu tun. In der 47. Minute rettete er gegen Pascal Schürpf und in der 64. Minute bravourös gegen den alleine auf ihn zulaufenden Moreno Costanzo. Beim Gegentor war Lopar machtlos. (Bild: pd)
Roy Gelmi: Note 4. Roy Gelmi litt zuletzt an der Grippe. Vor allem in der ersten Halbzeit war ihm das aber nicht anzusehen. Er wirkte hellwach und war zweikampfstark. So fing er den einen oder anderen im Ansatz gefährlichen Ball des Gegners schon vor der Abwehr ab. In der 73. Minute musste er Neuverpflichtung Sejad Salihovic Platz machen. (Bild: pd)
Karim Haggui: Note 3. Karim Haggui wirkte lange wie der Fels in der Brandung und strahlte viel Sicherheit aus. Doch der routinierte Innenverteidiger liess sich vor dem Gegentor von Moreno Costanzo düpieren. Aber man muss gestehen: Der ehemalige St. Galler Costanzo hatte sich dieses Tor durch eine feine Einzelleistung redlich verdient. (Bild: pd)
Silvan Hefti: Note 5. Der junge Verteidiger blieb praktisch tadellos. Er bügelte zudem den einen oder anderen Fehler seiner Kollegen aus. Vor allem in der ersten Halbzeit stand der 19-Jährige für St. Gallens Zweikampfstärke. Damit brachte er seine Gegenspieler an den Rand der Verzweiflung. (Bild: pd)
Kofi Schulz: Note 4. Kofi Schulz rückte etwas überraschend in die Startformation. Der Verteidiger lieferte solide Arbeit ab, tauchte dann allerdings etwas ab und musste schliesslich angeschlagen ausgewechselt werden. (Bild: pd)
Andreas Wittwer: Note 4. Ein solider Wert, der unermüdlich kämpfte und sich auch in die Offensive einschaltete. Zudem hatte Wittwer auch noch eine gute Torchance auf dem Fuss. Er scheint sich jedenfalls einen Stammplatz erkämpft zu haben. (Bild: pd)
Nzuzi Toko: Note 4. In der ersten Halbzeit lieferte der Captain neben Tranquillo Barnetta ein grosses Spiel. Unermüdlich im Zweikampf und stets bestrebt, den Ball zurückzuerobern. Aber auch er konnte in der zweiten Halbzeit nicht mehr an die gute Leistung der ersten 45 Minuten anknüpfen. (Bild: pd)
Marco Aratore: Note 4. Der Mittelfeldspieler war schon auffälliger. Trotzdem brachte er sich immer wieder gut ein ins Offensivsspiel, ehe er, wie viele seiner Teamkollegen auch, in der zweiten Halbzeit nicht mehr viel Einfluss auf das Spiel nehmen konnte. (Bild: pd)
Albian Ajeti: Note 5. Der Stürmer bewies nicht nur seine Torgefährlichkeit, sondern auch sein gutes Auge für die Mitspieler, als er einmal Wittwer und ein anderesmal Aratore wunderbar einsetzte. Bemerkenswert war vor allem seine Präsenz. In der 75. Minute musste er leicht angeschlagen vom Platz. (Bild: pd)
Roman Buess: Note 4. Er lieferte eine gute, engagierte Leistung ab, ging neben den lange auftrumpfenden Barnetta und Ajeti aber fast einwenig unter. Kam zu Beginn zu einer guten Chance. (Bild: pd)

Tranquillo Barnetta: Note 5. Der Rückkehrer deutete an, wie gross sein Wert für die St.Galler in Zukunft noch sein kann. An praktisch jeder Offensivaktion war Barnetta beteiligt. Pech hatte er, als in der ersten Halbzeit zuerst ein Freistoss und danach ein Abschluss an den Pfosten ging. Allerdings durfte er sich bereits ein erstes Assist zuschreiben lassen. (Bild: pd)

Jede Offensivaktion läuft über Barnetta
Barnetta spielte in dieser ersten Halbzeit den wichtigsten Part: Er war Antreiber, praktisch jede Offensivaktion lief über ihn. Den Führungstreffer in der 40. Minute leitete der Mittelfeldspieler mit einem seiner Vorstösse ein, zwar parierte vorerst Goalie Benjamin Siegrist, doch Albian Ajeti war zur Stelle. Es war für den 19-Jährigen im 13. Spiel für St.Gallen das sechste Tor. Der Stürmer gehörte nebst Barnetta zu St.Gallens Besten, weil er ebenfalls als guter Vorbereiter auffiel. Das Manko der Gäste in dieser ersten Halbzeit war die Chancenauswertung. Nebst Barnetta mit seinen Pfostentreffern und einem Kopfball ganz zu Beginn vergaben auch Roman Buess, Marco Aratore und Andreas Wittwer Möglichkeiten.

Genau deshalb hätte St.Gallen nach der Pause nicht locker lassen dürfen. Nur sowohl Barnetta als auch Ajeti gelang es nicht, eine alte St.Galler Bekannte des vergangenen Jahres fernzuhalten: die Unkonstanz. Hätten die Ostschweizer die zweite Hälfte so begonnen wie die erste, wäre Vaduz chancenlos gewesen. Doch die Gäste wurden passiver, sie ermunterten den Gegner förmlich, nochmals Hoffnung zu schöpfen. Schon kurz nach dem Wiederanpfiff vergaben die Liechtensteiner zwei Möglichkeiten, als sie jeweils an Goalie Daniel Lopar scheiterten.

Ein Willkommensgruss aus der Fankurve für Tranquillo Barnetta. (Bild: Steffen Schmidt/freshfocus)
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Und da ist er auch schon, der Rückkehrer. (Bild: Steffen Schmidt/freshfocus)
Gezeigt, was in ihm steckt, hat Tranquillo Barnetta denn auch bereits in Vaduz: Er war massgeblich am 1:0 beteiligt (hier gegen Simone Grippo). (Bild: Steffen Schmidt/freshfocus)
Und auch auf ihm ruhen grosse Hoffnungen: St.Gallens Neuzugang Sejad Salihovic, hier gegen Stiepan Kukuruzovic. (Bild: Steffen Schmidt/freshfocus)
Erst vor wenigen Tagen wurde er verpflichtet, nun dirigiert Salihovic bereits auf dem Platz. (Bild: Steffen Schmidt/freshfocus)
Der Mann, der hier die Hände verwirft, hat St.Gallen den einen Punkt gesichert: Albian Ajeti. (Bild: WALTER BIERI (KEYSTONE))
Und dieser Mann, der mal der unsere war, holte den Punkt für Vaduz: Moreno Costanzo, hier im Zweikampf mit Kofi Schulz. (Bild: Steffen Schmidt/freshfocus)
Da haben nicht nur sie keine Freude: Kofi Schulz und Daniel Lopar nach Costanzos Ausgleichstreffer. (Bild: Steffen Schmidt/freshfocus)
Und was meinen die Trainer? Joe Zinnbauer schaut etwas mürrisch drein... (Bild: Steffen Schmidt/freshfocus)
...und auch Giorgio Contini mag nicht lächeln. (Bild: Steffen Schmidt/freshfocus)
Karim Haggui diskutiert mit Schiedsrichter Sascha Amhof... (Bild: Steffen Schmidt/freshfocus)
..derweil feuert Tranquillo Barnetta seine Teamkollegen an. (Bild: Steffen Schmidt/freshfocus (freshfocus))
Axel Borgmann gegen Marco Aratore. (Bild: Steffen Schmidt/freshfocus)
...und Tschüss Vaduz: Bald stehen Barnetta und Gianluca Gaudino in St.Gallen auf dem Rasen. (Bild: Steffen Schmidt/freshfocus)

Ein Willkommensgruss aus der Fankurve für Tranquillo Barnetta. (Bild: Steffen Schmidt/freshfocus)

Für St.Gallen hätten diese Chancen Warnung genug sein sollen. Doch die Gäste wirkten nicht mehr so souverän wie in den ersten 30 Minuten, es schlichen sich Unsicherheiten ein. Als Karim Haggui in der 82. Minute gegen Moreno Costanzo zu wenig konsequent eingriff, war es schliesslich passiert. Es stand 1:1. So war die hektische Schlussphase hausgemacht. Hätte St.Gallen länger durchgezogen, wäre es kaum mehr derart in Bedrängnis geraten. Zwar vergab Ajeti in der 66. Minute das 2:0, doch am Ende hätte auch Vaduz noch das glücklichere Team sein können. St.Gallens Trainer Joe Zinnbauer sagte, man habe eine positive erste Halbzeit gezeigt und Barnetta sei ein Klassespieler. «Nach der Pause wollten wir clever spielen. Das ist uns nicht gelungen.»