FCSG-Trainer Peter Zeidler vor dem Rückrundenstart über seinen neuen Torhüter: «Der gefällt jedem»

Torhüter Lawrence Ati Zigi trifft in St.Gallen auf Förderer Peter Zeidler. Alain Sutter freut sich auf einen spektakulären Goalie. Am Sonntag wird der 23-jährige Ghanaer gegen Lugano debütieren.

Patricia Loher
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Lawrence Ati Zigi hat in St.Gallen einen Vertrag bis 2023 unterzeichnet.

Lawrence Ati Zigi hat in St.Gallen einen Vertrag bis 2023 unterzeichnet.

Bild: Benjamin Manser (St.Gallen, 24. Januar 2020)

In der finalen Phase wurde es doch noch einmal knapp. Nachdem Sochaux den Transfer des Torhüters Lawrence Ati Zigi zum FC St.Gallen bereits vor einer Woche vermeldet hatte, fehlte in der Ostschweiz in jenen Tagen noch die Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung für den Ghanaer. Am Donnerstag aber gaben die Ämter von Bund, Kanton und Stadt grünes Licht: St.Gallen kann schon am Sonntag im ersten Spiel der Rückrunde gegen Lugano auf den 23-jährigen Goalie zählen.

Matthias Hüppi, Präsident FC St.Gallen.

Matthias Hüppi, Präsident FC St.Gallen.

Bild: Michel Canonica

Man sei den Ämtern für die schnelle Abwicklung des Gesuchs dankbar, sagte Präsident Matthias Hüppi an der Medienkonferenz vor dem Rückrundenstart. Denn eine Verzögerung im Bewilligungsverfahren hätte die Torhütersituation des FC St.Gallen nach dem Abgang von Dejan Stojanovic nach England sowie den verletzungsbedingten Ausfällen von Jonathan Klinsmann und Nico Strübi erneut verschärft: Gegen Lugano wäre dann wohl der 17-jährige, unerfahrene Armin Abaz im Tor gestanden.

Nun ist der Nachwuchsgoalie bis zur Rückkehr Klinsmanns St.Gallens Nummer zwei. Der Heilungsprozess der Fussverletzung des amerikanisch-deutschen Doppelbürgers verläuft nach der Rehabilitationszeit in den USA über Erwarten gut. Möglicherweise wird der Kampf um die Nummer eins nach der Rückkehr des 22-jährigen Klinsmann neu lanciert.

Der FC St.Gallen hat eine Ablösesumme bezahlt

Zigi erhielt beim Dritten der Super League einen Vertrag bis 2023. Der Kontrakt des Afrikaners in Sochaux wäre erst im Sommer ausgelaufen. So war eine Ablösesumme fällig, die nicht kommuniziert wurde. Schätzungsweise dürfte es sich um einen Betrag im tieferen sechsstelligen Bereich handeln.

Der Torhüter aus einem sogenannten Drittstaat erfüllte die Anforderungen für eine Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung, weil er in den vergangenen Jahren für Mannschaften in einer der beiden höchsten Ligen zum Einsatz kam und zudem ghanaischer Nationalspieler ist. Zigi – Lawrence und Ati sind Vornamen, Zigi der Nachname – hat bis anhin für seine Heimat fünf A-Länderspiele absolviert. Für einen viertklassigen Goalie aus Brasilien wäre es wohl schwieriger gewesen, in der Schweiz eine Arbeitsbewilligung zu erhalten.

St.Gallen ist an einem nächsten Transfer von Stojanovic beteiligt

Ein Wechsel auf der Torhüterposition ist eine sensible Angelegenheit, vor allem während einer Winterpause, die so kurz ist wie in diesem Jahr. Schon vor dem letzten Testspiel bei Union Berlin am vergangenen Sonntag gab Trainer Peter Zeidler zu: Der Abgang von Stojanovic zu Middlesbrough – St.Gallen dürfte für den Vorarlberger 1,3 Millionen Franken erhalten und liess sich eine Weiterbeteiligung festschreiben – hatte ihn nicht in Jubelstürme versetzt. Man habe in der Vorrunde eine stimmige Struktur geschaffen und sei eingespielt gewesen. Der Trainer sagt:

«Natürlich wird es nun vor allem für unsere Abwehrreihe eine Umstellung sein. Wir hoffen, dass Zigi so schnell wie möglich das Niveau von Stojanovic erreicht. Und wir träumen davon, dass er dereinst gar noch besser wird als unser ehemaliger Goalie.»

Zigi trainiert erst seit ein paar Tagen mit der Mannschaft. Ein Vorteil auf dem Weg der Integration dürfte sein, dass er weiss, wie Zeidler Fussball spielen lässt. Denn der Goalie hat den Deutschen gleich nach seiner Ankunft in Europa Anfang 2015 kennen gelernt.

Zeidler war in Liefering und Salzburg sowie schliesslich auch in Sochaux sein Trainer. Der Coach gilt als einer der Entdecker und Förderer des Torhüters. Auf Empfehlung Zeidlers, damals Coach von Liefering, gehörte Zigi mit dem späteren FC-Zürich-Spieler Raphael Dwamena und David Atanga zu den ersten Fussballern, die aus der damaligen Red-Bull-Akademie in Ghana nach Österreich geholt wurden, um sich dort zuerst beim Red-Bull-Partnerclub Liefering für Salzburg aufzudrängen.

Starke Konkurrenz bei Sochaux

Zigi ging genau diesen Weg. Er absolvierte für Liefering in der zweithöchsten Liga in zwei Jahren 33 Partien, schaffte schliesslich auch den Sprung zu Salzburg, kam aber im Bundesligateam nicht zum Zug. Im Sommer 2017 folgte der Torhüter dem Trainer nach Sochaux, wo er es aber nicht zum Stammgoalie schaffte. Die Konkurrenz war gross, Captain und Nummer eins beim Ligue-2-Team war Maxence Prévot, der dem Kader des französischen U21-Nationalteams angehörte. Als sich Prévot vor wenigen Wochen verletzte, rückte Zigi nach. Insgesamt lief der Ghanaer für die Franzosen 30-mal auf.

St.Gallens Sportchef Alain Sutter hatte den Goalie seit eineinhalb Jahren auf dem Notizzettel: «Nach einem Tipp unseres Trainers.»

Sportchef Alain Sutter (links) und Trainer Peter Zeidler an der Medienkonferenz vor dem Rückrundenstart im «Säntispark.»

Sportchef Alain Sutter (links) und Trainer Peter Zeidler an der Medienkonferenz vor dem Rückrundenstart im «Säntispark.»

Claudio Thoma/freshfocus

Zeidler sagt, in Sochaux habe er einen ähnlichen Fussball spielen lassen wie nun in St.Gallen. Nur: «In St.Gallen sind wir noch ein bisschen verrückter.» Deshalb glauben Coach und Sportchef, dass der neue Torhüter gut in dieses junge, ambitionierte Team passt. Sutter sagt, Zigi sei ein spektakulärer und mutiger Goalie. Er sei einer, der mitspiele und keine Angst davor habe, Fehler zu machen. Zeidler lobt die Ausstrahlung von Zigi und sagt weiter: 

«Der gefällt jedem.»

Die Neuverpflichtung selber gab gestern noch keine Interviews. Gegenüber der Website des FC Liefering sagte er aber vor einiger Zeit: «Ich coache die Leute vor mir sehr gerne. Fehler bringen mich nicht aus der Fassung. Es ist das Wichtigste als Torhüter, Ruhe zu bewahren. Mein Hobby passt ganz gut dazu.» In seiner Freizeit zeichne er gerne – «alles was mir unterkommt, auch viele lustige Sachen.»

Interview

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Am Sonntag beginnt für den FC St.Gallen mit dem Heimspiel gegen Lugano die zweite Saisonhälfte. Die Ostschweizer waren das Team der Vorrunde und überwinterten überraschend auf dem dritten Rang. Präsident Matthias Hüppi über den Meistertitel 2000, wirtschaftliche Zwänge und eine verpasste Chance mit Trainer Peter Zeidler.
Christian Brägger und Patricia Loher