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FCSG-Stürmer Cedric Itten:
«Einmal habe ich mir das Foul angesehen. Danach liess ich es»

Nach dem Kreuzbandriss befindet sich Cedric Itten erst am Anfang eines langen Weges zurück. Am Sonntag gastiert St. Gallen in Lugano – und trifft dabei möglicherweise schon wieder auf Fabio Daprelà.
Patricia Loher
Cedric Itten dürfte für den Rest dieser Saison aufallen. (Bild: Benjamin Manser)

Cedric Itten dürfte für den Rest dieser Saison aufallen. (Bild: Benjamin Manser)

Cedric Itten hat viele Briefe erhalten. Kinder haben für ihn gebastelt, Erwachsene wünschten ihm gute Besserung. Auch eine Videobotschaft der Teamkollegen und die Sprechchöre der Fankurve haben dem 21-Jährigen geholfen, durch die ersten, schmerzvollen Tage zu kommen. Die aufmunternden Worte vertrieben die schweren Gedanken an den langen Weg zurück in den Spitzensport. Aber Itten gesteht: «Natürlich gibt es da noch immer die schwierigen Phasen, die Überlegungen, wie die kommenden sechs Monate wohl verlaufen werden.»

«Und ab und zu denke ich: Wieso ist das ausgerechnet zu einem Zeitpunkt passiert,
als es mir so gut lief?»

Itten hatte in St. Gallen nach Stationen in Basel und Luzern seinen Platz gefunden. Trainer Peter Zeidler setzte uneingeschränkt auf den Stürmer, der ­regelmässig traf und St. Gallens bester Torschütze war. Vor vier Wochen aber, im Heimspiel gegen Lugano, hatte der Tessiner Fabio Daprelà den hoffnungsvollen Stürmer brutal attackiert. Itten riss sich dabei das vordere Kreuzband und das Innenband im rechten Knie. Es war ein Foul, das eine Karriere beenden kann.

Ittten sah einen Schatten von rechts

Der Ball sei weg gewesen, da habe er von rechts einen Schatten gesehen, der nicht haltmachte vor ihm. Ein Schatten, der den Fuss nicht zurückzog: «Es war, als ob mein Knie durchbrach», sagt Itten. Fussballer kennen ihren Körper. Er ist ihr Kapital. Deshalb war dem Stürmer sofort klar, dass im Knie viel kaputt gegangen war: «So kamen mir sofort die Tränen. Alle, die mich kennen, wussten: ‹Cedric lässt sich nicht einfach so mit der Bahre abtransportieren.›» Itten sah sich die folgenschwere Aktion noch am selben Tag an. «Doch danach habe ich es gelassen.»

Es gab nach diesem Foul ­viele Diskussionen über das Strafmass, das gegen Daprelà verhängt werden soll. Am Ende wurden es sechs Spielsperren. Die Disziplinarkommission hatte die Intervention nachträglich und aufgrund der TV-Bilder als «grobes Foulspiel mit einem hohen Grad an Skrupellosigkeit und Brutalität» taxiert.

Der FC St. Gallen vermeldete sofort, dass das nur das Mindestmass von dem sei, was er erwartet habe. Zuvor hatte Sportchef Alain Sutter deutliche Worte gebraucht: «Im Falle eines solch brutalen Fouls fände ich es angemessen, wenn der Spieler so ­lange aussetzen muss, bis der Verletzte wieder fit auf dem Platz steht.» Vergangene Woche aber hat Lugano gar Rekurs eingelegt gegen die sechs Sperren seines Verteidigers. Weil das aufschiebende Wirkung hat, könnte Daprelà am Sonntag gegen den FC St. Gallen groteskerweise gar auflaufen. Itten hat den Entscheid aus dem Tessin zur Kenntnis genommen: «Es war zu erwarten, dass das Strafmass nicht höher ausfällt.»

«Aber Daprelà hätte die Sperre aus Respekt wenigstens akzeptieren können. Vielleicht hat er von daher die Entschuldigung gar nicht so ernst gemeint.»

Luganos Spieler hatte sich via Twitter an Itten gewandt, kurz vor der Operation nahm Daprelà persönlich Kontakt auf mit dem St. Galler. «Aber ich mochte damals nicht darauf eingehen. Ich wollte mich zunächst voll und ganz auf die Operation konzentrieren.» Seither herrscht zwischen den beiden Funkstille. Noch hat sich Itten nicht entschieden, ob er gegen Daprelà zivilrechtliche Schritte einleiten wird. Eine Tendenz ist aber auszumachen. «Es könnte mich zu viel Energie kosten. Ich möchte diese Kraft lieber dafür aufwenden, um wieder ganz gesund zu werden.» Itten, der persönlich klagen müsste, hat noch zwei Monate Zeit, um einen Entscheid zu fällen.

Itten ist zum ersten Mal in seiner Karriere so schwer verletzt. Noch weiss er nicht, was in der Reha alles auf ihn zu kommen wird. Aber der Nachwuchs-Internationale ist erst 21-jährig und so besteht die Hoffnung, dass sein junger Körper den Rückschlag besser verkraftet als derjenige eines älteren Spielers.

Die ersten Fortschritte machen sich bemerkbar

Zwei Tage nach der niederschmetternden Diagnose wurde Itten in Basel operiert. Seit dem Eingriff ist der Fussballer wieder in Herisau, wo er mit seiner Freundin wohnt. In den ersten Tagen dauerte die Reha bis zu acht Stunden. Das Knie schmerzte, sitzen konnte Itten nicht. Nun aber machen sich schon die ersten Fortschritte bemerkbar. Der junge Fussballer kann das Knie schon wieder beugen. «Zudem darf ich bald wieder an einen Tisch sitzen.»

St. Gallen in Lugano ohne Jordi Quintillà

Nach der vierten gelben Karte muss St. Gallens Jordi Quintillà am Sonntag in Lugano zusehen. Der 24-Jährige verpasst damit zum ersten Mal in dieser Saison einen Ernstkampf der Ostschweizer. Wer den defensiven Mittelfeldspieler vertritt, ist offen. Möglicherweise setzt Trainer Peter Zeidler auf Peter Tschernegg. Weitere Optionen sind laut dem Coach Vincent Sierro oder Alain Wiss.
Fehlen wird auch Yannis Tafer, der sich in einem Testspiel gegen den Bundesligaclub Freiburg eine Leistenverletzung zuzog. Während der Länderspielpause verlor St. Gallen die Partie gegen die Breisgauer, welche unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen wurde, mit 1:4.
Wer versucht, aufgrund von St. Gallens bisherigen Meisterschafts-Resultaten für das Spiel in Lugano eine Prognose abzugeben, kommt zum Schluss: Verlieren werden die Ostschweizer wahrscheinlich nicht. Denn noch nie in dieser Saison setzte es für die St. Galler, die vor der Länderspielpause Basel 1:3 unterlagen, zwei Niederlagen in Folge ab – genau so wenig gelang es ihnen, zweimal hintereinander zu gewinnen oder unentschieden zu spielen.
Die Partie gegen Lugano steht unter besonderen Vorzeichen: Nicht nur deshalb, weil die St. Galler im Heimspiel den Sieg in der 92. Minute noch aus der Hand gaben, sondern auch aufgrund der Tatsache, dass sich damals ihr Stürmer Cedric Itten schwer verletzte. Fabio Daprelà ist aufgrund des Rekurses gegen das Strafmass am Sonntag einsatzberechtigt. Zeidler sagt: «Das tangiert uns nicht. Es wäre falsch, sich von Revanchegelüsten leiten zu lassen.» (pl)

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