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FCSG-Spieler Jordi Quintillà: «Ich bin glücklich. Ich brauche nicht jeden Tag Streicheleinheiten»

Mit der Verpflichtung von Jordi Quintillà hat Sportchef Alain Sutter im Sommer ein gutes Händchen bewiesen. Der Spanier gilt als feiner Techniker und kluger Kopf. Der 25-Jährige steht im Zentrum von St.Gallens Zukunftsplanungen.
Patricia Loher
St.Gallens Mittelfeldspieler Jordi Quintillà verfügt über einen Vertrag bis Sommer 2020. (Bild: Andy Müller/Freshfocus)

St.Gallens Mittelfeldspieler Jordi Quintillà verfügt über einen Vertrag bis Sommer 2020. (Bild: Andy Müller/Freshfocus)

Keiner wusste, was kommen würde. Die Anhänger nicht. Jordi Quintillà nicht.

Der Spanier hatte im Sommer aus Puerto Rico nach St. Gallen gewechselt – aus der zweithöchsten Liga Nordamerikas, die kaum einer einschätzen konnte. Der Spieler selber war weit gereist. Er hatte Barcelona, Korsika und die USA gesehen. Doch den Schweizer Fussball kannte er nicht.

Acht Monate später haben St.Gallens Anhänger den feinen und klugen Techniker in ihr Herz geschlossen. Auch wenn es ihm zuletzt in Luzern nicht so gut lief wie in den Partien zuvor, hat sich der 25-Jährige als Kopf der Mannschaft etabliert. Der Spanier ist ihr Regisseur, der den Takt vorgibt. Quintillà verfügt über spielerisch beeindruckende Qualitäten, auch das gute Auge für die Teamkollegen zeichnet den ehemaligen Nachwuchsspieler des FC Barcelona aus.

Ein Musterschüler

St.Gallens Trainer Peter Zeidler bezeichnet seinen Spieler als Musterschüler, der bereit sei, auch vor und nach den Trainings hart zu arbeiten:

«Manchmal muss man als Trainer aber aufpassen, dass die Musterprofis nicht vergessen gehen.»

Sorgen muss sich der 56-jährige Deutsche um seinen Spieler keine machen. Quintillà sagt: «Ich bin glücklich. Ich brauche nicht jeden Tag Streicheleinheiten.»

Der Part in den Planungen

Vieles wird sich beim FC St.Gallen im Hinblick auf die neue Saison verändern. Vincent Sierros und Majeed Ashimerus Leihverträge laufen im Sommer aus. Möglicherweise verlässt auch Silvan Hefti den Club, zudem soll Andreas Wittwers Kontrakt nicht verlängert werden. Die Ostschweizer könnten nur ein Jahr nach dem grossen Umbruch also erneut einige Teamstützen verlieren. Das sei in der heutigen Zeit normal, sagt Zeidler.

Das Geschäft ist schnelllebiger geworden, Spieler ziehen von einem Ort zum nächsten. In St. Gallen müsste vor allem die Achse, also das Rückgrat der Mannschaft, zu einem grossen Teil neu aufgestellt werden. Auf der Achse spielt Quintillà einen wichtigen Part. Er hat einen Vertrag bis Sommer 2020. Sportchef Alain Sutter und Trainer Zeidler können die Mannschaft rund um den Spanier planen. «Ich habe Vertrauen, die beiden werden das gut machen», sagt Quintillà und fügt an: «Sie haben schon oft ein gutes Händchen bewiesen.» Der Mittelfeldspieler bezieht das natürlich nicht auf sich, er ist viel zu bescheiden, um sich als Kopf des Teams zu bezeichnen. Er sagt: «Das müssen andere beurteilen.»

Zeidler ist zufrieden mit der Entwicklung seines Mittelfeldspielers, Quintillà habe schnell ein gutes Niveau erreicht: «Aber manchmal will er noch zu viel.» So war der Spanier in Luzern in die Entstehung des 0:1 kurz vor der Pause involviert, am Ende verlor St. Gallen diskussionslos mit 0:3. Man habe den Fehler gemacht, sich der Taktik des Gegners anzupassen. «Und ab und zu gelingt es uns noch nicht, im Spiel auf neue Gegebenheiten zu reagieren», so Quintillà.

Im Sommer geht es zurück zu den Wurzeln

Der Katalane hat sich sein Ansehen im Team und bei den Anhängern nicht bloss durch seine Leistungen erarbeitet. Wer ihn kennt, bezeichnet ihn sofort auch als «guten, weltoffenen Typen». Zeidler sagt:

«Er identifiziert sich sehr mit der Region und dem Club.»

Acht Monate haben dem Fussballer gereicht, um Deutsch zu lernen. Als er für Ajaccio in der Ligue 2 und bei Kansas in der Major League Soccer spielte, eignete er sich Französisch und Englisch an. Quintillà redet gerne mit den Leuten, er sagt, nur so könne er andere Kulturen und Mentalitäten besser verstehen. In Herisau ist er ein beliebter Einwohner geworden.

Für das Praktikum arbeitet er beim FC Barcelona

Im Sommer wird Quintilla sein Fernstudium in Sportwissenschaften abschliessen. Für das Praktikum kehrt der Mittelfeldspieler zurück zu seinen Wurzeln. Während die Teamkollegen nach der Saison in die Ferien reisen, arbeitet er für drei Wochen in La Masia, in der Nachwuchsabteilung des FC Barcelona. Quintillà wird dort in einem Projekt für Fussballer im Alter zwischen 11 und 18 Jahren mitwirken. Dabei geht es um Werte, Verhaltensweisen in sowie ausserhalb der Familie und natürlich auch um Fussball. Der sportliche Bereich ist der Part, um den sich Quintillà kümmern wird.

Der in Lleida aufgewachsene Fussballer weiss, wie die Kaderschmiede des FC Barcelona funktioniert. Er selber hatte einst den Sprung in die angesehene Akademie geschafft. Quintillà brachte es weit, trainierte mit Lionel Messi und unter Pep Guardiola. Einmal kam er zu einem Testspieleinsatz gegen Bayern München. Danach aber schlugen die Türen zu. Die Verantwortlichen teilten ihm mit, dass es nicht reiche für die ganz grosse Karriere. Quintillà sagte einmal:

«Als Spieler des FC Barcelona lebt man in einer Blase. Man bekommt nicht mit, wie das Leben wirklich ist. Wenn diese Blase platzt, fällt es vielen schwer, sich neu zu orientieren.»

Er weiss, dass sich für die meisten der Kinder und Jugendlichen die Hoffnungen auf Champions League oder Nationalmannschaft nicht erfüllen werden. «In meinem Praktikum kann ich ihnen etwas von meiner Erfahrung weitergeben.»

Kindheitstraum Sportjournalist

In Spanien haben sie ihr früheres Talent also nicht vergessen. Quintillà bekommt aus seiner Heimat oft die Frage gestellt, wie es ihm und St.Gallen läuft. Im vergangenen Herbst durfte der Fussballer für einen spanischen Radiosender das Champions-League-Spiel zwischen den Young Boys und Valencia aus Bern co-kommentieren. Quintillàs Kindheitstraum war es, Sportjournalist zu werden. Aber dann kam das Angebot des FC Barcelona dazwischen.

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