FCSG-Präsident Matthias Hüppi hofft auf eine EM-Absage: «Nur so könnte die Saison noch gerettet werden»

Die Super League und die Challenge League pausieren vorerst bis im Mai, der Saisonabbruch droht. Die Präsidenten des FC St.Gallen und des FC Wil sind dennoch weiterhin zuversichtlich, die Saison zu Ende spielen zu können. Dafür müsste aber die Fussball-EM auf kommendes Jahr verschoben werden.

Ralf Streule
Drucken
Teilen
Die letzte Partie für längere Zeit: Der FC St.Gallen und der FC Wil vor dem Testspiel am Freitagnachmittag.

Die letzte Partie für längere Zeit: Der FC St.Gallen und der FC Wil vor dem Testspiel am Freitagnachmittag.

Bild: Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Nicht aufgeben, solange ein kleines Fünkchen Hoffnung bleibt. An diese Devise haben sich die St.Galler Fussballer in dieser Saison immer wieder gehalten. An diese Devise hält sich auch Präsident Matthias Hüppi in der Corona-Krise. Just als sein Club am Freitag im Kybunpark in einem Testspiel auf den FC Wil traf – vor leeren Rängen selbstverständlich –, verschärfte der Bundesrat die Massnahmen gegen eine Verbreitung des Corona-Virus abermals. Und gab damit ein klares Zeichen, dass in den kommenden Wochen nicht an eine Wiederaufnahme der Saison zu denken ist.

Die Swiss Football League (SFL) reagierte am Freitagabend prompt und lässt den Spielbetrieb in den zwei höchsten Ligen bis zum 30. April ruhen. Am Montag sollen in einer SFL-Konferenz Details besprochen werden, unter anderem, ob man der Empfehlung des BAG Folge leisten und eine Trainingspause verordnen will – wie dies in den unteren Ligen bereits geschehen ist. Denn Fussball gilt gemäss Einschätzung der Gesundheitsbehörde als eine Mannschaftssportart mit erhöhter Ansteckungsgefahr.

Hüppi: «Wir müssen die Chance unbedingt nutzen»

Die Liga lässt die Clubs aber weiterhin hoffen. Sollte die Uefa in den kommenden Tagen die Fussball-EM absagen, würde ab Mai Zeit bleiben, die 13 fehlenden Spiele noch auszutragen. Hüppi hofft auf dieses Szenario. Er sagt:

«Wir müssen diese Chance unbedingt nutzen, sollte sie sich bieten.»

«Aber es müssen alle mitziehen.» Gibt es Clubs, die für einen Abbruch plädieren würden? «Es gibt keinen Grund dafür.» Ein Abbruch träfe den FC St.Gallen besonders hart: Schliesslich surften die Ostschweizer vor dem Unterbruch auf der grössten Euphoriewelle seit 20 Jahren. Hüppi sagt:

«Natürlich steht die Gesundheit über allem und wir haben Vertrauen in die Massnahmen des Bundes.»

Aber: «Ja, es wäre richtig hart.» Sollte es so kommen, die Uefa an der EM festhalten oder die Virus-Welle auch in eineinhalb Monaten noch nicht abgeflacht sein, würde man auf eine Linderung des finanziellen Schadens durch Bund oder Liga hoffen, sagt Hüppi.

Im Umfeld des FC St.Gallen spricht man davon, dass ein Abbruch den Club vier Millionen Franken kosten könnte. «Wir tun alles, um den Schaden in Grenzen zu halten.» Hüppi hofft auf die Solidarität von Sponsoren. Und auf jene der Fans. Was mit den rund 8000 Saisonabonnements passieren würde, lässt er noch offen. Eine Lösung sei im Köcher– kommuniziert werde aber erst, wenn ein Abbruch unausweichlich wäre.

Auch der FC Wil will den Abbruch verhindern

Auch Maurice Weber, Präsident des FC Wil, will einen Abbruch um jeden Preis verhindern. Beim Challenge-League-Club wären es zwar dem Vernehmen nach «nur» mehrere hunderttausend Franken, die verloren gingen – den weit tiefer budgetierenden Verein würde es aber mindestens so hart treffen wie den FC St.Gallen. Weber sagt:

«18 von 20 Teams hätten echte Probleme, überleben zu können.»

Deshalb geht auch er stark davon aus, dass die Option, die Meisterschaft im Mai und Juni wieder aufzunehmen, ernsthaft geprüft werde. Natürlich gäbe es Probleme mit dem Transferfenster, das kürzer würde. Und mit der Sommerpause, die zu einigen Tagen zusammenschrumpfen würde. «Dasselbe Problem haben fast alle Ligen in Europa. Deshalb gehe ich davon aus, dass die Uefa diese Steine aus dem Weg räumen wird», so Weber. «Es wäre die einzige vernünftige Lösung.» Eine Verschiebung der EM auf kommendes Jahr gäbe seiner Meinung nach weit weniger Kollateralschaden als der Abbruch etlicher europäischer Ligen.

Sollte alles Hoffen vergeblich sein, setzt auch Weber auf Solidarität der Sponsoren. Und auf den Bund. In der Ausnahmesituation wäre es seiner Meinung nach vernünftig, wenn das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) auch im Fussball Kurzarbeit zulassen würde– etwas, das wegen der befristeten Verträge im Fussball aufgrund aktuellen Rechts nicht möglich ist.

Mehrere Szenarien bei einem Saisonabbruch

Noch ist vieles Spekulation, wie fast alles in diesen vom Corona-Virus dominierten Tagen. Dennoch muss eine Frage gestellt sein: Wie würde über Abstieg, Meistertitel und Europacupplätze entschieden, sollte die Saison trotz allem abgebrochen werden? Weber geht davon aus, dass die Uefa eine einheitliche Lösung für alle betroffenen Ligen verfügen würde. Und wohl die Tabelle der Hinrunde zu Rate ziehen würde.

Was für den FC St.Gallen heissen würde, dass er als drittplatzierter ins Europa-League-Rennen gehen würde. Ärgern würden sich die Anhänger dann über die Niederlage gegen Zürich im letzten Spiel der Hinrunde, als sich St.Gallen zum Wintermeister hätte küren können. Doch würde man sich in St.Gallen als aktueller Tabellenführer nicht dafür starkmachen, als Meister geführt zu werden? Hüppi sagt:

«Einen Meister gäbe es wohl nicht. Aber wir würden fordern, dass wir europäisch unseren Leistungen entsprechend vertreten wären.»

Was das genau heisst? Das könne man sich selber ausrechnen, sagt er mit einem Lachen. Aber ohnehin: Das Szenario Abbruch sei bei ihm noch kein Thema.

Nichts abgewinnen kann er der Idee von FC-Zürich-Präsident Ancillo Canepa, der im «Blick» die Idee formulierte, die stärksten Teams der vergangenen fünf Saisons europäisch spielen zu lassen. «Die aktuell stärksten müssten es sein.» Aber eben: Weiterhin bleibt die Hoffnung auf Spiele. Die Anstrengungen und Ungewissheiten der vergangenen Tage haben den Präsidenten zwar sichtlich gezeichnet. Eines müsse aber gesagt sein: «Trotz einer nie für möglich gehaltenen Hürde für uns alle: Ich bereue es keine Sekunde, diese Herausforderung vor gut zwei Jahren angenommen zu haben.»