FCSG-PRÄSIDENT IM INTERVIEW: "Wir funktionierten gut"

Er bedauere den Rücktritt von Sportchef Christian Stübi, sagt FC-St.Gallen-Präsident Stefan Hernandez. Er spricht über Gründe des Abgangs – und über umstrittene Strukturen in der sportlichen Leitung.

Ralf Streule
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Stefan Hernandez: "Die sportliche Organisationsstruktur wird nicht in Frage gestellt." (Bild: Benjamin Manser)

Stefan Hernandez: "Die sportliche Organisationsstruktur wird nicht in Frage gestellt." (Bild: Benjamin Manser)

Bereits Ende der vergangenen Woche hat FC-St.Gallen-Sportchef Christian Stübi dem Präsidenten Stefan Hernandez seinen Rücktritt auf Ende Jahr mitgeteilt. Am Mittwoch nun wurde der Abgang öffentlich. Während Stübi für eine Stellungnahme nicht erreichbar war, spricht Hernandez über Stübis Rücktritt und über Einflussnahmen, die er als Präsident nicht dulden würde.

Stefan Hernandez, hat sich der Abgang von Christian Stübi für Sie abgezeichnet?
Abgezeichnet wäre das falsche Wort. Wir haben viele Gespräche geführt in den vergangenen Tagen, auch um seine Rolle innerhalb der neuen Organisationsstruktur zu klären. Vielleicht kommt der Zeitpunkt etwas überraschend. In Transfergesprächen, die wir zusammen mit FC-St.Gallen-CEO Ferruccio Vanin geführt haben, funktionierten wir sehr gut zusammen. Es ist schade, dass er sich so entschieden hat.

Ebendiese Strukturen mit Nachwuchschef Marco Otero auf gleicher Stufe und Vanin als Vorgesetzten schwächten Stübi. Seine Kompetenzen wurden beschnitten.
Das war wohl auch seine Wahrnehmung – dem wäre aber nicht so gewesen. Er hätte die Möglichkeit gehabt, sich weiterhin im gleichen Mass einzubringen. Die Struktur ist die eines Grosskonzerns: Entscheidungen werden gemeinsam ­getroffen – bei uns in diesem Bereich vom Sportchef, vom CEO und dem Präsidenten.

In fast jedem anderen Verein hat der Sportchef mehr Kompetenzen. Wird die – noch vor Ihrer Zeit installierte – neue Struktur also beibehalten?
Ja, die wird nicht in Frage gestellt. Die Organisationsstruktur hindert uns nicht daran, flexibel und schnell zu reagieren. Das war zum Beispiel auch bei der Verpflichtung von Nassim Ben Khalifa der Fall.

Es ist ein offenes Geheimnis: Das Gespann Otero und Vanin hatte das Heu nicht auf der gleichen Bühne wie Stübi. Wurde der Sportchef hinausgedrängt?
Glauben Sie mir, solche Verbindungen interessieren mich nicht. Vanin und Stübi kannten sich zum Beispiel schon lange, bevor Otero in St.Gallen begann. Solche Bande wollen nichts heissen. Und Otero ist einzig und ausschliesslich für den Nachwuchs zuständig.

Immer wieder ist im Umfeld des Clubs die Rede vom wachsenden Einfluss des Spielerberaters Donato Blasucci im FC St.Gallen.
Solches wird auch mir zugetragen. Er ist aber ein Berater wie jeder andere. Er ist kein Angestellter des Vereins und hat null Kompetenzen im Club – höchstens innerhalb seiner Mandate bei seinen Spielern. Gäbe es eine Einflussnahme darüber hinaus: Ich würde sie als Präsident nicht dulden. Man darf dies nicht dulden.

Stübi ist noch bis Ende Jahr angestellt. Wird er weiterhin Entscheidungen treffen?
Christian Stübi hat einen gültigen Vertrag und eine Kündigungsfrist von sechs Monaten. Die Frage ist nun, wie man mit der Situation umgehen will. Dazu stehen in den kommenden Tagen Gespräche an. Allenfalls bleibt er in seiner Funktion erhalten, bis er eine neue Anstellung gefunden hat. Oder vielleicht kommen wir einvernehmlich zum Schluss, dass es für beide Seiten die beste Lösung ist, ihn sofort freizustellen.

Es geht nun auch darum, einen neuen Sportchef zu finden. Hat die Suche bereits begonnen?
Nein, da haben wir noch keine Gespräche geführt. Es gibt derzeit auch keine Kandidaten.

Ist Otero potenzieller Nachfolger?
Nein. Er macht einen hervorragenden Job als Nachwuchschef. Und das wird er auch bleiben.