FCSG
«Jetzt geht es erst richtig los»: FCSG-Trainer Zeidler über den erlösenden 2:1-Sieg gegen Servette und das Ende einer Durststrecke

Es ist in jeder Hinsicht ein guter Nachmittag: Es ist Olmamatch, in St.Gallen zeigt sich der Herbst von seiner schönsten Seite – und das Wichtigste: Der FCSG beendet nach acht sieglosen Spielen seine Durststrecke. Die Espen gewinnen gegen Servette in letzter Minute 2:1.

Stephanie Martina
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Die Spielwertung

Kurz vor dem Anpfiff der Partie war die Ausgangslage für den FC St.Gallen so dramatisch wie noch nie in dieser Saison: Der FCSG erhielt von Lausanne die rote Laterne und war neu das Schlusslicht der Super League. Den Spielern war anzumerken, dass sie den letzten Tabellenplatz schnellstmöglich wieder verlassen wollten. Sie spielten mutig nach vorne, zeigten eine bis zur letzten Minute spannende Partie und gewannen schliesslich verdient mit 2:1. Spielnote: 5,0

Die Tore

  • 1:0, 35. Minute, Kwadwo Duah: Captain Lukas Görtler schlägt aus vollem Lauf eine Flanke vor das Genfer Tor. Dort steigt Duah am höchsten und trifft per Kopf.
  • 1:1, 85. Minute, Steve Rouiller: Im St.Galler Strafraum herrscht Chaos. Rouiller kommt wenige Meter vor dem Tor zum Abschluss.
  • 2:1: 93. Minute, Jérémy Guillemenot: In der letzten Spielminute spielt Fabian Schubert von der Seite einen flachen Pass ins Zentrum, wo Guillemenot in den Ball reinrutscht und den Siegestreffer erzielt.

Die Spielanalyse

Die 5:2-Niederlage gegen die Grasshoppers hat Spuren hinterlassen – zumindest was den Matchplan anbelangt: Trainer Peter Zeidler hat die Innenverteidigung komplett umgekrempelt: Musah Nuhu und Basil Stillhart übernehmen die Positionen von den beiden Stammspielern Leonidas Stergiou und Betim Fazliji, die beide während der Länderspielpause für die Nationalmannschaft im Einsatz waren. Wie wird diese neu zusammengesetzte Verteidigung auftreten?

Diese Frage rückt zunächst in den Hintergrund, denn es ist der FCSG, der gleich das Zepter übernimmt und in den Startminuten mehrmals in Richtung Genfer Tor stürmt. In der 7. Minute kommt Alessio Besio zu einer hochkarätigen Torchance, wenig später ist es Victor Ruiz, der das 1:0 auf dem Fuss hat. Doch was als Nächstes folgt, stand bestimmt nicht auf Zeidlers Matchplan: Linksverteidiger Michael Kempter muss bereits nach einer Viertelstunde verletzt ausgewechselt werden. Er wird durch Boubacar Traorè ersetzt.

Stürmer Alessio Besio kommt in der Startphase zu einer guten Torchance.

Stürmer Alessio Besio kommt in der Startphase zu einer guten Torchance.

Bild: Freshfocus

In der 27. Minute schallt ein Pfeifkonzert durch den Kybunpark. Diesem ging ein Foul von Nuhu voraus, das mit gelb geahndet wurde. Servette erhält einen Freistoss zugesprochen, nur wenige Meter ausserhalb des Strafraums. Der Schuss landet jedoch in der St.Galler Mauer, die Gefahr ist fürs Erste gebannt. Inzwischen hat sich das Spiel zu einem munteren Hin und Her entwickelt. Bis zur 35. Minute: Die Espen gehen durch Kwadwo Duah mit 1:0 in Führung. Der Kybunpark atmet auf. Läutet dieses Tor das Ende der St.Galler Durststrecke ein?

Kwadwo Duah trifft für den FCSG zum 1:0.

Kwadwo Duah trifft für den FCSG zum 1:0.

Bild: Freshfocus

Servette versucht sofort zu reagieren und kommt ebenfalls zu einer guten Torchance, doch Goalie Lawrence Ati Zigi ist zur Stelle. Er ist es auch, als Servette kurz vor der Pause nochmals per Freistoss gefährlich wird. Dann ertönt der Pausenpfiff.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit sind es die Gäste aus der Westschweiz, die mehrmals für Torgefahr sorgen und die St.Galler Abwehr fordern. Doch die Null hält. Beim FCSG versuchen, wie bereits in der ersten Halbzeit, Duah und Besio, das 2:0 zu erzielen. Immer wieder versuchen die Espen mit viel Tempo die Genfer zu überrumpeln. Währenddessen feiert der Espenblock, als wäre der Sieg bereits im Trockenen. Verständlich: Zuletzt gab es selten Grund zum Feiern. Und niemand weiss so gut, wie die FCSG-Fans: Man muss Feste feiern, wie sie fallen.

Obwohl der FCSG nur mit einem knappen 1:0 führt, feiert der Espenblock.

Obwohl der FCSG nur mit einem knappen 1:0 führt, feiert der Espenblock.

Bild: Freshfocus

In der 61. Minute nimmt FCSG-Trainer Peter Zeidler einen Dreifachwechsel vor: Victor Ruiz, Salifou Diarrassouba und Alessio Besio verlassen das Feld, es kommen Thody Élie Youan, Betim Fazliji und Jérémy Guillemenot. Die beiden Mannschaften duellieren sich auf Augenhöhe. Doch ab der 65. kommt es immer wieder zu Fouls, weshalb Schiedsrichter Luca Piccolo die Partie dauernd unterbrechen muss und eine gelbe Karte nach der anderen verteilt.

Inzwischen ist die Schlussphase angebrochen – und noch immer führt der FCSG. Doch das Spiel kann jederzeit kippen. Mit lauten Anfeuerungsrufen versucht das Publikum, die Mannschaft zu unterstützen. Doch es scheint nichts zu nützen: In der 84. Minute erzielt Steve Rouiller den Ausgleich. Doch das sollte es noch nicht gewesen sein: In der 93. Minute sorgt Guillemenot mit seinem Treffer für die grosse Erlösung.

Der eingewechselte Jérémy Guillemenot erzielt den St.Galler Siegestreffer.

Der eingewechselte Jérémy Guillemenot erzielt den St.Galler Siegestreffer.

Bild: Freshfocus

Halbwegs: Denn der VAR meldet sich. Piccolo überprüft den Treffer, weil dem Tor ein Foul von Ousmane Diakité vorausgegangen sein könnte. Doch für einmal kommt - trotz VAR - alles gut: Das Tor zählt. Der Sieg ist Realität.

Schockmoment im Kybunpark: Doch dieses Mal macht der VAR die St.Galler Euphorie nicht zunichte.

Schockmoment im Kybunpark: Doch dieses Mal macht der VAR die St.Galler Euphorie nicht zunichte.

Bild: Freshfocus

Der Beste

Kwadwo Duah.

Kwadwo Duah.

Bild: Freshfocus

Duah. Der Stürmer ist beileibe nicht der beste Akteur auf dem Platz. Aber sein Kopfballtor ist das Eintrittsgeld wert. Und bringt dem FCSG lange Ruhe.

Der Schlechteste

Es wäre unfair, nach dem grundsätzlich solidarischen Auftritt der St.Galler einen schlechtesten Spieler zu benennen. Ruiz hatte aber schon einen schweren Stand, wie auch Diarrassouba. Und spielerisch konnten viele St.Galler nicht überzeugen.

Aufgefallen

Am Freitag postete dass Fussballmagazin Senf folgendes auf Twitter:

Cédric Noger.

Cédric Noger.

Bild: pd

Der Wiler Riesenslalomspezialist Cédric Noger startet am kommenden Wochenende in Sölden in die neue Skisaison. Der 29-Jährige ist schon länger ein eingefleischter Anhänger des FC St.Gallen. Daher zierte bereits 2019 der FCSG als Glücksbringer seinen Helm. Damals war es das Espenmoos, die ehemalige Heimstätte des FC St.Gallen. Auch in dieser Saison hofft Noger, dass ihm sein Lieblingsclub auf der Skipiste Glück bringen wird. Das Sujet zeigt dieses Mal eine Art Mini-Espenblock mit diversen Emblemen, Schriftzügen und Namen von Fanclubs. Vielleicht bringt dieser Helm nicht nur Noger, sondern auch dem FC St.Gallen Glück. Der heutige Nachmittag lässt hoffen.

Die Fans

13'945 Fans verfolgten bei wunderbarem Herbstwetter den Olma-Match im Kybunpark, dem es an Spannung definitiv nicht mangelte.

Herbstsonne im Kybunpark.

Herbstsonne im Kybunpark.

Bild: Freshfocus

Die Reaktionen

FCSG-Trainer Peter Zeidler: «Heute konnten wir vom Glück des Tüchtigen profitieren. Anders kann man es nicht sagen, wenn man in der 93. Minute das 2:1 erzielt. Wir waren in der Anfangsphase sehr dynamisch. Das Tor von Duah war ein herrlicher Treffer. Es ist schön, dass er sich für seine guten Leistungen im Training belohnen konnte. Heute ging es uns alleine ums Resultat, deshalb war Kontertaktik angesagt. Ich freue mich, dass wir die drei Punkte sichern konnten. Das ist wichtig für unsere Zuschauer, die Mannschaft und den Club. Aber jetzt geht es erst richtig los. In Luzern wollen wir besser spielen und mit weiteren drei Punkten heimfahren. Aber jetzt freuen wir uns erstmal ein paar Stunden.»

Das Spiel im Liveticker nachlesen:

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