FCSG: «Jeder wird genau angeschaut»

Der 50-jährige Stefan Hernandez, ein Neuling im Fussballgeschäft, folgt beim FC St.Gallen auf Präsident Dölf Früh. Der Goldacher mit spanischen Wurzeln über St.Gallens emotionales Umfeld, Führungsstil und Frankenschock.

Patricia Loher
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Stefan Hernandez im Kybunpark. Seine Mannschaft bereitet ihm mit dem Sieg gegen Vaduz ein Antrittsgeschenk. (Bild: Benjamin Manser)

Stefan Hernandez im Kybunpark. Seine Mannschaft bereitet ihm mit dem Sieg gegen Vaduz ein Antrittsgeschenk. (Bild: Benjamin Manser)

Interview: Patricia Loher

Stefan Hernandez, als Sie in den vergangenen Monaten mitbekamen, welchen Stürmen Präsident Dölf Früh bezüglich der Trainerfrage ausgesetzt war: Gab es da den Gedanken an einen Rückzug?

Nein, diesen Moment gab es nie. Emotionen gehören zum Fussball. Sie sind das höchste Gut. Viel schlimmer wäre es, wenn die Leute am FC St.Gallen plötzlich kein Interesse mehr bekunden würden. Natürlich, ich habe grossen Respekt vor meiner neuen Aufgabe. Aber ich habe keine Angst.

Sie haben unmissverständlich gesagt, der FC St.Gallen müsse sich wieder nach vorne orientieren. Wann ist der Club erfolgreich?

Wir wollen doch alle wieder unvergessliche, emotionale Fussballabende erleben. Grundsätzlich ist es unser Anspruch, die vermeintlich schwächeren Teams zu besiegen. Die vermeintlich schwierigeren Gegner wollen wir ab und zu überraschen. Wir wollen den Blick aber grundsätzlich nach oben richten.

Karim Haggui: Note 6. Wenn ein Verteidiger ein Tor erzielt, das zweite indirekt ebenfalls und hinten die Null steht, dann ist er der Matchwinner. Dann fällt es auch nicht ins Gewicht, dass der Routinier zu Beginn ein paar Fehlpässe produzierte. (Bild: PD)
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Albian Ajeti: Note 3. Findet nie die Bindung zum Spiel, ein Schuss ans Aussennetz sind für die Sturmhoffnung definitiv zu wenig. Zudem oft zu eigensinnig, vergisst manchmal, dass neben ihm auch besser postierte Spieler stehen. (Bild: PD)
Danijel Aleksic: Note 4. Technik muss ihn niemand lehren. Zudem zeigt sich der Serbe einsatzfreudig und scheint seine neue Chance unter Contini nutzen zu wollen. Seine Freistösse sind aber leider nicht mehr jene früherer Tage, respektive Monate, respektive Jahre. (Bild: PD)
Marco Aratore: Note 5. In der ersten Halbzeit eher auf Sparflamme, nimmt der Juve-Fan im zweiten Durchgang gegen Ende der Partie Fahrt auf. Wechselt oft die Position, gewiss keine Fehlbesetzung auf dem Flügel. (Bild: PD)
Tranquillo Barnetta: Note 5. Quillo ist einer der Gewinner unter Contini – weil das taktische Korsett auf Barnetta weniger hemmend wirkt. Erzielt endlich das erste Tor seit seiner Rückkehr, der Knoten ist geplatzt. Das lässt hoffen. (Bild: PD)
Roman Buess: Note 4. Dem eingewechselten Stürmer merkt man die Verunsicherung an, nicht mehr zur Startformation zu gehören. Wirkt manchmal verkrampft. Doch Buess fügt sich vom Einsatz und Willen her nahtlos ins Gefüge ein. (Bild: PD)
Roy Gelmi: Note 4. Ein paar gute Seitenwechsel, lässt hinten mit seinem guten Stellungsspiel wenig zu. Dennoch unterlaufen dem 22-Jährigen immer mal wieder Abspielfehler in der Angriffsauslösung. (Bild: PD)
Daniel Lopar: Note 4. Zu Beginn Unsicherheiten bei Eckbällen. Danach der gewohnt sichere Rückhalt an einem Abend, an dem er sich eigentlich nie auszeichnen muss – weil die Vaduzer im Sturm letztlich zu harmlos sind. (Bild: PD)
Mario Mutsch: Note 4. Als wäre er nie weggewesen. Letztmals spielte der Luxemburger vor sieben Monaten durch, den gegen Vaduz verletzten Silvan Hefti ersetzt er brillant. Hat eine gute Ballbeherrschung, an seinen Flanken könnte er noch arbeiten. (Bild: PD)
Sejad Salihovic: Note 4. Man sieht in fast jeder Aktion, dass der frühere Hoffenheimer so richtig gut Fussball spielen kann. Technisch ist das 1A. Doch dem Spiel nach vorne vermag der Bosnier den Stempel nicht so richtig aufzudrücken. (Bild: PD)
Yannis Tafer: Note 4. Wird ebenfalls eingewechselt, nachdem er im ersten Spiel unter Contini in Lausanne noch beginnen durfte. Es ist durchaus möglich, dass sich das schriftliche Angebot, das bei Sportchef Christian Stübi eingetroffen ist, auf Tafer bezieht. (Bild: PD)
Nzuzi Toko: Note 4. Toko ist Toko: Heisst kämpfen, was das Zeug hält, antreiben – und wenn nötig auch einmal austeilen. Von ihm geht leider noch zu wenig Torgefahr aus, was wohl auch an seiner defensiv interpretierten Rolle liegt. (Bild: PD)
Andreas Wittwer: Note 4. Der gewohnt emsige Arbeiter auf der linken Seite, im Spiel nach vorne immer anspielbar. Könnte vielleicht das eine oder andere Mal mit mehr Mut mehr Zug aufs gegnerische Tor entwickeln. (Bild: PD)

Karim Haggui: Note 6. Wenn ein Verteidiger ein Tor erzielt, das zweite indirekt ebenfalls und hinten die Null steht, dann ist er der Matchwinner. Dann fällt es auch nicht ins Gewicht, dass der Routinier zu Beginn ein paar Fehlpässe produzierte. (Bild: PD)

Ein Chef will in der Regel bestimmen, mit wem er arbeitet. Hatten Sie Einfluss? Oder müssen sich Angestellte warm anziehen?

Bis anhin hatte ich keine Kompetenzen. Ich bin ja erst seit Freitag Verwaltungsratspräsident. Wenn aber ein neuer Chef kommt, müssen alle Angestellten aufzeigen, was sie für das Unternehmen für Leistungen erbringen – ob als Fussballer oder als Mitarbeiter im Umfeld. Jeder wird genau angeschaut. Wobei Personalentscheide ja nicht allein vom Präsidenten gefällt werden. Aber natürlich will und werde ich jeden Mitarbeiter kennen lernen.

Sie standen mit Dölf Früh seit Anfang Jahr in Kontakt. Weshalb haben Sie sich entschieden, das Präsidentenamt zu übernehmen?

Wenn 10 000 Zuschauer im Stadion sind, sind 9999 Trainer. Es ist nicht einfach, in dieser emotionsgeladenen Landschaft geradeaus zu gehen und Visionen zu haben. Als Chef muss man ruhig und besonnen bleiben. In den vergangenen fünfzehn Jahren habe ich im Geschäftsleben auch viele hektische und emotionale Momente erlebt. Vielleicht wird sich das nun sogar akzentuieren. Aber ich freue mich darauf.

Der St.Galler Sejad Salihovic, oben, gegen den Liechtensteiner Philipp Muntwiler. (Bild: Benjamin Manser)
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Die St.Galler Torschützen Karim Haggui, links, und Tranquillo Barnetta feiern den 2:0-Sieg. (Bild: Benjamin Manser)
Der St.Galler Danijel Aleksic bejubelt den Treffer zum 1:0 von Karim Haggui. (Bild: Benjamin Manser)
Torjubel der St.Galler nach dem 1:0 durch Karim Haggui, links, hier mit Nzuzi Toko. (Bild: Benjamin Manser)
Der St.Galler Marco Aratore, rechts, gegen den Liechtensteiner Axel Borgmann. (Bild: Benjamin Manser)
Nzuzi Toko bejubelt das 2:0 für die St. Galler. (Bild: Benjamin Manser)
Der St.Galler Roman Buess, links, gegen den Liechtensteiner Philipp Muntwiler. (Bild: Benjamin Manser)
Tranquillo Barnetta feiert den St.Galler Sieg. (Bild: Benjamin Manser)
Tranquillo Barnetta (Bild: Benjamin Manser)
Der St.Galler Albian Ajeti, links, gegen den Liechtensteiner Simone Grippo. (Bild: Benjamin Manser)
St. Gallen's Albian Ajeti gegen Vaduz' Philipp Muntwiler im Zweikampf. (Bild: Keystone)
Marco Aratore behauptet sich gegen Simone Grippo. (Bild: Keystone)
Marco Aratore im Angriff auf Goalie Benjamin Siegrist. (Bild: Werner Schaerer)
Torjubel der St. Galler zum 1:0 durch Karim Haggui. (Bild: Benjamin Manser)
Philipp Muntwiler im Zweikampf gegen Albian Ajeti. (Bild: Werner Schaerer)
St. Gallen's Albian Ajeti im Spiel zwischen dem FC St. Gallen und dem FC Vaduz. (Bild: Keystone)
Vaduz' Axel Borgmann gegen St. Gallen's Andreas Wittwer. (Bild: Keystone)
Tranquillo Barnetta bejubelt sein Tor zum 2:0. (Bild: Benjamin Manser)
Es ist Tranquillo Barnettas erstes Tor seit seiner Rückkehr zum FCSG. (Bild: Benjamin Manser)
Die St. Galler feiern ihren 2:0 Sieg. (Bild: Benjamin Manser)
Stefan Hernandez, der neue Präsident des FC St. Gallen, wohnte dem Match bei. (Bild: Keystone)
St. Gallens Trainer Giorgio Contini freut sich über den Treffer zum 1:0. (Bild: Keystone)

Der St.Galler Sejad Salihovic, oben, gegen den Liechtensteiner Philipp Muntwiler. (Bild: Benjamin Manser)

Ist Dölf Früh in dieser Hinsicht eine Inspiration für Sie?

Natürlich. Dölf Früh kann für jeden von uns ein Vorbild sein. Was er in den vergangenen Jahren für den Verein und für die Region geleistet hat, ist grossartig. Aber man darf mich nicht mit Dölf Früh vergleichen. Ich werde sicherlich auch einen anderen Führungsstil pflegen als er.

Und der wäre?

Ich will noch mehr ein starkes Team. So, wie auf dem Platz unsere Mannschaft muss auch mein Team auf einer anderen Ebene funktionieren. Natürlich, am Ende bin ich es, der zu einem wesentlichen Teil die Richtung bestimmt. Und das liegt mir.

Sie waren Mitinhaber und Verwaltungsratspräsident der St.Galler Firma Hartchromwerk Brunner AG. Weshalb traten Sie aus der Firma aus?

Es waren fünfzehn sehr anforderungsreiche Jahre. Als exportorientiertes Unternehmen litten wir besonders unter dem Frankenschock. Als der Euro flöten ging, war ich zum ersten Mal nicht mehr so kreativ wie früher. So kam ich zum Schluss, und das vergleiche ich durchaus mit dem Fussball, dass das Unternehmen einen neuen Trainer braucht. Ich nahm mir eine Auszeit und war danach offen für etwas Neues.

Im Fussball fehlt Ihnen der Hintergrund. Ein Handicap?

Die Frage ist, ob es im Moment beim FC St.Gallen eine Fussball-Koryphäe als Präsident braucht. Oder braucht es eher jemanden, der den Prozess, den Dölf Früh angefangen hat, zum Reifen bringt? Das kann auch jemand erreichen, der im Fussball zwei linke Füsse hat. Dölf Früh hat den Club auf eine gesunde Basis gestellt. Darauf können wir aufbauen.

Dölf Früh bleibt Grossaktionär. Bestimmt er weiter mit?

Dölf Früh und ich werden uns künftig hoffentlich in privatem Rahmen treffen. Beruflich aber muss ich unabhängig sein. Das muss gewährleistet sein. Ich garantiere, dass wir eine grosse Professionalität an den Tag legen werden.