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Luzerns neuer Trainer vor dem Spiel gegen den FCSG: «Immer schön seriös bleiben und viel investieren, sonst werden wir bestraft»

Die Zentralschweizer sind unter ihrem neuen Trainer Thomas Häberli im Aufwind. Der 44-Jährige will bis Ende Saison auch Werbung für eine Vertragsverlängerung machen – mit Siegen wie dem 4:0 im Cup-Viertelfinal gegen die Young Boys. Am Sonntag ab 16 Uhr empfängt Häberli mit Luzern den FC St.Gallen.
Pascal Berger
Luzerns neuer Trainer Thomas Häberli (rechts) mit den Spielern Christian Schneuwly und Pascal Schürpf (Mitte). (Bild: Martin Meienberger/Freshfocus)

Luzerns neuer Trainer Thomas Häberli (rechts) mit den Spielern Christian Schneuwly und Pascal Schürpf (Mitte). (Bild: Martin Meienberger/Freshfocus)

Remo Meyer sagt nichts, aber das muss er auch nicht tun. Dem Sportchef des FC Luzern ist anzusehen, wie er sich fühlt. Als er am Mittwoch von der Pressetribüne aus sieht, wie die Mannschaft im Cup-Viertelfinal gegen die Young Boys Tor um Tor erzielt, wie die Begeisterung im Stadion zunimmt, klatscht er in die Hände. Am Ende lächelt er. Dieses 4:0 ist nicht einfach ein Sieg, es hat fast etwas Triumphales. Und Meyer tut es speziell gut.

Der Fehler in der Trainerwahl

Der 38-Jährige ist in die Kritik geraten, weil er sich in der Trainerwahl im vergangenen Sommer vertan und das auch offen zugegeben hat. Ein Fehler sei es gewesen, René Weiler zu holen. So sagte er das, als es nach etwas mehr als einem halben Jahr bereits zur Trennung kam. Das ist das eine. Das andere, für den Club schmerzhafte, ist die finanzielle Komponente: Weilers Freistellung kostet mehr als eine Million Franken, weil der Vertrag bis 2021 befristet ist. Der Fan goutiert nicht, wenn Geld auf diese Weise versickert und ein Loch in die Kasse reisst. Und er macht als Hauptverantwortlichen eben den Sportchef aus.

Meyer hat Thomas Häberli als Nachfolger installiert. Das mag auf den ersten Blick eine nicht ganz risikofreie Lösung sein, weil der 44-Jährige ein Trainerneuling in der Super League ist. Aber bei genauerem Betrachten ist seine Wahl durchaus sinnvoll. Er ist in der Region aufgewachsen, kennt die Mentalität und die Eigenheiten des Clubs; er hat seinen Rucksack gefüllt mit Erfahrungen als Stürmer auf höchster nationaler Stufe, danach als Ausbildner im Nachwuchs, als Assistenztrainer in der Super League und Talentmanager. Und: Er bringt immensen Hunger mit.

«Das ist meine Chance»

Häberli bekam von den Luzernern schon vor etwas mehr als einem halben Jahr eine Offerte. Er lehnte ab mit der Begründung, er stehe beim FC Basel unter Vertrag. Als seine Dienste Anfang Jahr nicht mehr gefragt waren, stellte er sich auf eine ruhigere Zeit ein. Die endete mit dem Anruf von Meyer. Häberli zögerte nicht, er wusste: «Das ist meine Chance.» Und: «Ich habe lange darauf gewartet. Jetzt darf ich zeigen, was ich kann.» Bis Ende Juni geht es darum, Werbung in eigener Sache zu machen, damit der Vertrag verlängert wird. Er glaubt an eine Zusammenarbeit über den Sommer hinaus, Meyer ebenfalls.

Er scheut sich nicht vor einer Aufgabe, die ziemlich happig ist. Häberli ist das neue Gesicht eines Vereins, der sportlich in den vergangenen Jahren ziemlich ordentlich bis ziemlich gut abgeschnitten hat. Der aber trotz allem ein zuverlässiger Lieferant von Schlagzeilen geblieben ist, und das hat nicht zuletzt mit Exponenten wie Bernhard Alpstaeg zu tun. Er ist Grossaktionär des FC Luzern, ein erfolgreicher Unternehmer und in seinen Ansagen zuweilen flapsig. Nach der teuren Suspendierung Weilers schimpfte er öffentlich, er müsse «Meyer die Kappe waschen».

Häberli ist zuversichtlich

Mit Häberli ist aber wieder Ruhe eingekehrt, und das soll so bleiben. Der Trainer legt Wert auf intensive Kommunikation, und wichtig sind ihm Emotionen, ein Schlüsselfaktor. «Ich muss es fertig bringen, zu überzeugen und zu begeistern», sagt er, «dafür braucht es Argumente.» Er hat gelernt, was es heisst, Chef zu sein. An der Fachhochschule in Olten hat er ein dreijähriges Studium mit dem Master in Coaching abgeschlossen. Er will Lösungen aufzeigen und Spieler besser machen. Und er glaubt:

«Das Potenzial dafür ist vorhanden. Ich habe ein Team angetroffen, in dem Leben herrscht. Das kommt gut.»

In Luzern braucht es relativ wenig, um eine Euphorie zu entfachen. Häberli ist mit vier Punkten in zwei Super-League-Runden und der Qualifikation für den Cup-Halbfinal diesbezüglich bestens unterwegs. Und die Begeisterung müsste eigentlich auch den Effekt haben, dass wieder mehr Zuschauer ins Stadion strömen. Der Schnitt sank seit Einzug in die Swissporarena kontinuierlich, er beträgt aktuell lediglich 9362 (in St. Gallen liegt er bei 12 038).

Gegen die Young Boys zeigte die Mannschaft Leidenschaft, die beim Publikum ankommt, sie präsentierte sich als Einheit. Das wird auch am Sonntag gegen den FC St. Gallen erwartet. Mit Häberli soll zu einem Höhenflug wie in der Rückrunde 2017/18 unter Gerardo Seoane angesetzt werden, als die Luzerner vom neunten Platz auf Rang dritten vorrückten. «Gegen YB hat man gesehen, was möglich ist, wenn die Spieler an sich glauben», sagt er. Er hat dieses Denken in seinen ersten Tagen bewusst gefördert. «Er hat uns gut zugeredet und Selbstvertrauen vermittelt», sagt Pascal Schürpf, «seine positive Art überträgt er auf die ganze Mannschaft.»

Gewiss, Häberli geniesst den Moment, diesen starken Start. Aber er ist einer jener, die nicht ständig von Demut reden, sondern auch Demut zeigen. Darum sagt er mit Blick auf den Sonntag und die Begegnung mit St. Gallen: «Immer schön seriös bleiben und bereit sein, viel zu investieren. Sonst werden wir bestraft.»

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