FCSG-GAMER: "Mein Vater nahm mir einmal den Controller weg"

Er ist die jüngste Neuverpflichtung des FC St.Gallen: Sandro Poschinger gamt künftig für die Espen an eSport-Turnieren. Der 17-Jährige über den Konkurrenzkampf mit Kollegen, den Duft von echtem grünem Rasen und Fluchen nach misslungenen Spielzügen.

Daniel Walt
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Passion Gamen: Sandro Poschinger in Aktion. (Bild: pd)

Passion Gamen: Sandro Poschinger in Aktion. (Bild: pd)

Herr Poschinger, wann haben Sie zum letzten Mal gegen einen echten Ball getreten?
Sandro Poschinger:Am vergangenen Wochenende an einem Grümpelturnier in Kreuzlingen. Ich kicke nach wie vor gerne, nachdem ich im Verein vor einigen Jahren verletzungshalber aufgehört habe.
 
Dann müssen Sie den Duft von Rasen und Schweiss trotz Ihrer intensiven Tätigkeit als Gamer nicht missen?
Poschinger: Nein. Man kann ja nicht den ganzen Tag gamen. Neben Fussballspielen betreibe ich hobbymässig auch Thaiboxen.
 
Was fasziniert Sie am virtuellen Fussballspielen?
Poschinger: Der Konkurrenzkampf untereinander, insbesondere mit Kollegen. Während des Spiels geht es zur Sache, nachher sind alle Foppereien wieder vergessen. Das stundenlange Gamen miteinander, teils über ganze Wochenenden hinweg, verbindet.
 
Wie viel an Ihren Fähigkeiten als Gamer ist dem Talent geschuldet, wie viel regelmässigem Training?
Poschinger: 75 Prozent sind Talent. Doch wenn man erst mit 16 beginnt,  "Fifa"-Games zu spielen, dürfte man es schwer haben, noch in die eSport-Branche einsteigen zu können.
 
Inwieweit unterscheiden sich die Emotionen beim Gamen von jenen beim richtigen Fussballspielen – oder beim Mitfiebern mit dem FC St.Gallen im Fanblock?
Poschinger:Wenn man an einem wichtigen eSport-Turnier beispielsweise einen Penalty hält, brechen die Gefühle schon aus einem heraus – so wie auf dem Platz oder als Anhänger eines Clubs.
 
Und wie steht es ums Fluchen?
Poschinger: Das versuche ich möglichst zu vermeiden. Sonst verliere ich meine Konzentration.
 
Wie beurteilen Sie die Chancen, Ihren Lebensunterhalt irgendwann als Profi-Gamer zu verdienen?
Poschinger: Im Moment gibt es weltweit nur wenige Profispieler. Die Szene entwickelt sich aber rasant, von daher können die Chancen steigen, so etwas irgendwann zu schaffen. Ein Ziel von mir ist das aber nicht. Ich game hobbymässig, und das wird vorerst auch so bleiben.
 
Wie viel gamen Sie pro Tag?
Poschinger: Ich spiele nicht täglich – wenn ich es tue, dann aber zwei oder drei Stunden, insbesondere vor Turnieren. Auf längere Sicht dürften es pro Monat rund 30 Stunden sein.
 
Und wenn Sie mit Kollegen spielen?
Poschinger: Im Extremfall können es schon mal zehn Stunden am Stück werden, insbesondere an Wochenenden.
 
Sie gamen seit Ihrer Kindheit. Da dürften Sie den Satz "Warum gehst Du nicht mal etwas an die frische Luft?" das eine oder andere Mal gehört haben…
Poschinger: Ja. Mein Vater nahm mir sogar einmal den Controller weg, als ich noch jünger war. Aber diese Zeiten sind längst vorbei.
 
Sind Ihre Eltern nun, wo Sie der FC St.Gallen als Gamer unter Vertrag genommen hat, stolz?
Poschinger: Auf jeden Fall. Sie unterstützen mich und wissen, dass ich meine KV-Lehre wegen des Gamens nicht vernachlässigen werde.
 
 

Sandro Poschinger

Als erster Schweizer Profiverein hat der FC St.Gallen vor kurzem den Einstieg in den eSport gewagt und mit dem 17-jährigen Sandro Poschinger auch gleich einen ersten Gamer verpflichtet. Poschinger, in St.Gallen aufgewachsen und seit 2008 Heimspiel-Besucher bei den St.Gallern, vertritt unter seinem Künstlernamen "Neysk11L" den FCSG künftig an eSport-Turnieren – er wird dafür vom Verein entschädigt. Der KV-Lehrling nimmt im Schnitt zweimal pro Monat an Turnieren teil, die grösstenteils in Zürich, aber auch im Ausland stattfinden. Zur Abwechslung spielt Poschinger auch andere Games – richtig stark sei aber nur bei "Fifa", sagt er. (dwa)