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FCSG-FINANZSPRITZE: «Der FC St.Gallen leidet am Swissair-Syndrom»

ST.GALLEN. Der Kanton St.Gallen erfüllt die Forderung nach mehr Transparenz und publiziert ergänzendes Zahlenmaterial zur Sanierung der AFG-Arena-Gesellschaften. Ein Akt des Nachbesserns im Schockzustand, doch die Kritik bleibt – zumal am «katastrophalen Krisenmanagement».
Marcel Elsener
Der FC St.Gallen. (Symbolbild: Nicolas Senn/eastdesign.ch)

Der FC St.Gallen. (Symbolbild: Nicolas Senn/eastdesign.ch)

Eine Fussballregion im Schockzustand: Die «Bombe» der tatsächlich desaströsen Finanzlage des FC St.Gallen und seiner AFG-Arena-Gesellschaften ist am Donnerstag endlich geplatzt – und hat verheerenden emotionalen Flurschaden angerichtet. Nach der ersten Enttäuschung und Wut macht sich eine seltsame Lähmung breit – «postnatale Depression nach der Zangengeburt» nannte es einer.

Dies zeigt sich in Gesprächen mit Entscheidungsträgern ebenso wie an den wenigen Stellungnahmen (siehe Forum).

Nervosität herrscht weiterhin in Online-Foren, wo blitzschnell Dampf abgelassen und assoziiert wird. Auch punkto Abstieg: «Der FC Lausanne hat sich aus der Amateurliga hochgekämpft und für die Europaliga qualifiziert», schreibt ein Kommentator auf Tagblatt-Online.

«Hat das Image der Regionen Lausanne und Genf durch die Relegationen von Lausanne-Sport und Servette-Genf gelitten?»

Reklamationen mit Erfolg

Lähmung – oder stilles Studium und Kopfzerbrechen über komplizierten Unterlagen. Salopp gesagt: Wenn die Köpfe der einen schon nicht rollen, so die Köpfe der andern aber sicher rauchen.

Alle Kantonsparlamentarier und Medienleute erhielten gestern nachmittag überraschenderweise neue elektronische Post: Aufgrund vieler offener Fragen an der Medienkonferenz und harscher Reklamationen seitens Mitglieder des Kantonsrates stellte der Kanton St. Gallen ergänzende Unterlagen zur Botschaft der Regierung in Sachen AFG-Arena-Gesellschaften zu.

Inhalt: 26 Seiten weiteres Zahlenmaterial, für «ein noch besseres Bild der finanziellen Situation». Ursprünglich war geplant, diese Unterlagen vorab der vorberatenden Kommission und erst später allen Parlamentariern zuzustellen – eine «Fehleinschätzung», die man zugunsten der geforderten Transparenz sofort korrigiere. Oder wie es Alex Keller, der Jurist, der die Regierungsvorlage schrieb, formuliert: «Es war keine böse Absicht, im Gegenteil: Wir wollten den Parlamentariern nebst den 30 Seiten für eine Vier-Millionen-Vorlage nicht weitere 30 Seiten zumuten.

» Keller sieht aufgrund aller vorliegenden, für den Kanton relevanten Zahlen «keinen Mangel an Transparenz».

Erhellende neue Zahlen

Das nachgelieferte Zahlenmaterial erhellt die Kosten für Bau und Betrieb; es handelt sich um Kostenvoranschläge der drei Ausbaustufen für die AFG Arena, Finanzplanungen von SAG und BAG, Bauabrechnungen, Situationsberichte der Revisionsstelle, zukünftige Finanzplanungen von SAG, BAG und FCSG und die erhofften Erträge neuer Projekte wie «Der 12. Mann» oder «Top-Turnier mit 4 internationalen Mannschaften». Allerdings benötigen sogar Finanzexperten Zeit, um die wenigen effektiven unter den vielen angenommenen (Plan-)Zahlen zu entdecken und die Geldflüsse zu untersuchen. Ein vieldiskutiertes Beispiel: Der Personalaufwand BAG betrug 2007 effektiv 641 000 Franken und ist 2009 und in den Folgejahren mit geplanten 1,68 Millionen verbucht.

Womit sich bei 20 Vollstellen ein bescheidener Durchschnittslohn von rund 80 000 Franken errechnen lässt, aber noch kein Reim auf den Lohn des CEO machen lässt. Und so weiter.

«Weckt ungute Gefühle»

Weit weniger Fachwissen braucht es für die Erkenntnis, dass die Kommunikation versagt hat. Da ist sich das Publikum einig – vom Stehplatz bis zur teuersten Loge. Roger Huber, Präsident des Schweizer Verbandes für Krisenkommunikation mit Sitz in St. Gallen, bringt es auf den Punkt: «Der Auftritt des FC St.Gallen ist missglückt. Erneut wurde es verpasst, Transparenz zu schaffen, erneut wurde die Emotionalität beim Faktor Geld unterschätzt. Wer immer wieder Geld von den Steuerzahlern fordert, muss transparent sein, sonst verliert er das Vertrauen und wird angreifbar. Der Fall Swissair – nicht nur in der Kommunikation – hat gezeigt, dass solches Gebaren und Intransparenz in einer Katastrophe endet.»

Huber urteilt weiter: «Ein Krisenmanagement war und ist nicht vorhanden. Man hat die bestehenden Probleme wieder nicht auf den Tisch gebracht. Es war ein arroganter Auftritt. Man fordert viel, ist aber nicht bereit, etwas zu geben. So blieben mögliche Sponsoren und Investoren im Dunkeln. Das weckt ungute Gefühle. Muss man etwas verstecken?»

«In Sackgasse manövriert»

Die Kommunikation war höchst unprofessionell, urteilt der Kommunikationsberater. «In Krisensituationen gibt es nur eine Stimme, die die Botschaften gegen aussen vertritt.

Am Donnerstag haben aber höchst unterschiedliche Personen unterschiedliche Aussagen abgegeben. Zurück bleibt ein verstörtes Publikum.» Damit aber habe sich der FCSG «in eine Sackgasse manövriert».

Gibt es Aussicht auf Besserung? «Es wird schwierig. In der jetzigen Situation wird kein Geld für einen uneinsichtigen Sportclub fliessen.

Nur wenn der FCSG sofort auf Transparenz setzt, wenn ein kompetenter Krisenmanager demütig die Positionen des Clubs vertritt und endlich eine echte Bereitschaft herrscht, die dringend nötigen personellen und strukturellen Veränderungen umzusetzen, dann könnte der Wind drehen.» Hubers Schlussfolgerung: «Der FCSG leidet am Swissair-Syndrom, denn das Management des Fussballclubs hat interne Strukturen, die es verhindern, eine klare Aussensicht wahrzunehmen. Dies zeigt sich übrigens auch bei den meisten anderen Schweizer Fussballclubs.

Deren Kommunikation ist bedenklich schwach.»

Ein Vorstoss in Wil – und ein Wortspiel

Mit wenig Mitleid wird die AFG-Arena-Finanzspritze auf anderen Plätzen verfolgt. Vielmehr werden Begehrlichkeiten geweckt. Der FC St. Gallen mag das unbestrittene «Aushängeschild» des regionalen Sports sein, doch errangen auch andere Sportclubs wie der SC Brühl (1915) oder der TSV St. Otmar St. Gallen (zuletzt 2001) Schweizer Meistertitel.

Und prompt wehren sich in Wil Stadtparlamentarier für ihren Challenge-League-Club und Cupsieger 2004: Norbert Hodel, Fraktionspräsident der FDP, kritisiert, dass in St. Gallen mit vier Millionen Franken des Kantons geholfen werden soll, während für den geplanten 57-Millionen-Bau des Sportparks Bergholz in Wil nur «enttäuschende zwei Millionen» zugesagt wurden.

Er reichte am Donnerstagabend eine dringliche Interpellation ein, die von 23 Parlamentariern unterschrieben wurde – sie verlangt vom Stadtrat einen Effort für mehr Staatsgelder.

Ein «zu guter Letzt» wäre hier fehl am Platz. Aber natürlich wird der Schock auch mit humoristischen Bonmots verdaut. Ein sarkastisches Beispiel: «AFG, die Alles-für-Geld-Arena war einmal – jetzt muss das Teil A-Fonds-perdu-Arena, AFP Arena heissen.» Hoppla. Und jetzt allseits gutes Wochenende!

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