FCSG-FCZ 1:1: St. Gallen trotzt dem Chaos - und der Unterzahl

Der FC St. Gallen erzielt im Letzigrund gegen Leader Zürich nach der Pause das 1:1. Nach dem Platzverweis gegen Gjelbrim Taipi in der 55. Minute verteidigen die Ostschweizer den Punkt clever und mit Glück.
Patricia Loher
Danijel Aleksic jubelt mit den mitgereisten Anhängern über seinen Ausgleichstreffer. (Bild: Walter Bieri/Keystone)

Danijel Aleksic jubelt mit den mitgereisten Anhängern über seinen Ausgleichstreffer. (Bild: Walter Bieri/Keystone)

Natürlich hatten sie im Führungsgremium des FC St. Gallen gehofft, die Mannschaft möge in Zürich ablenken vom Chaos, das seit Tagen herrscht. Die Verantwortlichen träumten von einem Punkt. In einem guten Moment dachten sie vielleicht sogar an drei Zähler, die hätten helfen können, die Stimmung wenigstens ein bisschen aufzuhellen. «Chaos isch üsen Part. Nöd dä vom Vorstand», hatten die Anhänger auf ein Spruchband gepinselt. Ansonsten hielten sich die Fanproteste im Letzigrund in Grenzen.

Am Ende war die Welt wenigstens für einen Abend wieder in Ordnung. Das Team von Giorgio Contini tat der Vereinsleitung um Präsident Stefan Hernandez den Gefallen und sicherte sich beim Leader einen verdienten Punkt. Die Mannschaft trat in Zürich weit geschlossener auf als in diesen Tagen ihre Chefs in der Teppichetage und trotzte den widrigen Umständen auf dem Platz. Schon in der 19. Minute waren die Gäste in Rückstand geraten, Moussa Koné aber hatte das Tor aus abseitsverdächtiger Position erzielt. Nachdem der eingewechselte Danijel Aleksic in der 51. Minute zum 1:1 getroffen hatte, verlor St. Gallen seinen Mittelfeldspieler Gjelbrim Taipi aufgrund einer roten Karte. Es war vorerst nicht ersichtlich, weshalb Schiedsrichter Adrien Jaccottet den St. Galler des Feldes verwies. Nach dem Spiel stellte sich aber heraus, dass sich der Unparteiische durch Taipi verbal attackiert gefühlt hatte. Trainer Contini sagte jedenfalls, dass der Platzverweis wohl korrekt gewesen sei. «Aber dass der Schiedsrichter nach dem Spiel Taipis Entschuldigung nicht annehmen wollte, hat mich dann doch befremdet.» Zudem sei sein Team beim Gegentor im Letzigrund zum zweiten Mal nach dem wohl nach einem Hands erzielten 2:2 gegen die Young Boys benachteiligt worden. «Aber es war mir wichtig, dass wir nach diesen unruhigen Tagen eine solidarische Leistung abrufen, was uns gelungen ist. Wir waren eine Mannschaft mit viel Herzblut», so der Trainer. Schon in der ersten Halbzeit war St. Gallen dem Leader aus Zürich ein ebenbürtiger Gegner gewesen. Die Ostschweizer hielten die Mannschaft von Uli Forte in Schach, ohne allerdings offensiv gefährlich in Erscheinung zu treten. St. Gallens Auftritt war zwar mutig, die Mannschaft stand hoch. Doch um Zürich ernsthaft in Bedrängnis bringen zu können, hätte es im Angriff mehr Ideen und weniger Fehlzuspiele gebraucht.

Die St.Galler Fans machen mit ihrem Transparent der Clubführung eines klar: "Chaos isch üsen Part, nöd dä vom Vorstand." (Bild: Freshfocus)
Der Führungstreffer der Hausherren ist früh gefallen: Moussa Koné erzielt das Tor zum 1:0 in der 19. Minute. (Bild: Freshfocus)
Torschütze Moussa Koné jubelt nach seinem Führungstreffer. (Bild: Freshfocus)
Teamkollege Adrian Winter (rechts) gratuliert dem Torschützen. (Bild: Freshfocus)
Da hat er sich wohl daran erinnert, dass er auch einmal das grün-weisse Trirkot anhatte: Der FCZ-Spieler Roberto Rodriguez vergibt gegen Karim Haggui und Goalie Daniel Lopar eine einfache Torchance. (Bild: Freshfocus)
Die beiden Teams haben sich trotz holprigem Rasen nichts geschenkt: Der Zürcher Moussa Koné im Zweikampf gegen Silvan Hefti. (Bild: Freshfocus)
Und hoch das Bein: FCZ-Spieler Alain Nef versucht mit einem Karatekick ähnlichen Manöver Tranquillo Barnetta in die Quere zu kommen. (Bild: Freshfocus)
Da kann sich die Clubführung von der Leistung der St.Galler Spieler auf dem Feld eine Scheibe abschneiden: Trainer Giorgio Contini jubelt nach dem Tor zum 1:1. (Bild: Freshfocus)
Der St.Galler Stjepan Kukuruzovic und Kay Voser im Zweikampf. (Bild: Freshfocus)
Er hätte von seiner Mannschaft wahrscheinlich mehr erwartet: FCZ-Trainer Uli Forte. (Bild: Freshfocus)
Der St.Galler Danijel Aleksic jubelt nach dem Tor zum 1:1 mit Roman Buess und Gjelbrim Taipi vor den Fans. (Bild: Freshfocus)
Der Zürcher Alain Nef und Karim Haggui im Kopfballduell. (Bild: Freshfocus)
FCSG-Torhüter Daniel Lopar mit angespannter Miene. (Bild: Freshfocus)
Das Duell mit den hohen Beinen: FCZ-Spieler Moussa Koné gegen Silvan Hefti im Zweikampf. (Bild: Freshfocus)
Mit seinem Temperament sorgt er dafür, dass seine Teamkollegen ab der 55. Minute nur noch zu zehnt weiterkämpfen: Gjelbrim Taipi wird von Schiedsrichter Adrien Jaccottet in die Kabine geschickt. (Bild: Freshfocus)
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FCSG und FCZ teilen sich die Punkte

Zürich sucht verzweifelt die Lücke

Mit der Einwechslung von Aleksic zur Pause bewies Contini schliesslich ein gutes Händchen. Nach einem präzisen langen Ball von Taipi erzielte Aleksic das 1:1. Für St. Gallen schien wieder einiges drinzuliegen an diesem Abend, zumal der FC Zürich während 90 Minuten kaum auf seine Leistung kam. Nur der überflüssige Platzverweis durchkreuzte die Pläne. Contini brachte Alain Wiss für Tranquillo Barnetta, und über weite Strecken war den Ostschweizern die Unterzahl kaum anzumerken. Sie hielten den Schaden clever in Grenzen, machten die Räume zu und fanden phasenweise sogar mehr Platz vor als noch vorher. St. Gallen erhielt gar die Möglichkeit, den einen oder anderen Konter zu fahren, was das Team aber nicht wirklich ausnützte. Gegen Ende wurde der Druck der Zürcher immer grösser, die St. Galler hatten schliesslich auch Glück, weil der Gegner zwei, drei gute Möglichkeiten ausliess. Die Gastgeber rannten an, suchten verzweifelt nach der Lücke und als sie diese schliesslich gefunden schienen, traf Roberto Rodriguez nur die Latte.

Daniel Lopar: Note 4. Der Goalie war kaum gefordert, da der FC Zürich an diesem Abend vor allem am eigenen Unvermögen scheiterte. (Bild: PD)
Philippe Koch: Note 4. Der frühere Spieler des FC Zürich lieferte eine solide, unaufgeregte Partie ab. (Bild: PD)
Karim Haggui: Note 4,5. Hatte Glück, dass sein Kopfball kurz nach der Pause im eigenen Strafraum nur an die Latte ging. (Bild: PD)
Silvan Hefti: Note 5. Am Schluss mit Fortune, als sein Fehler gegen einen Zürcher ohne Folgen blieb. Lange sehr sicher. (Bild: PD)
Andreas Wittwer: Note 4. Der Berner blieb so wie seine Kollegen in der Abwehr ohne groben Fehler. (Bild: PD)
Gjelbrim Taipi: Note 2,5. Seine unnötige verbale Attacke gegen den Schiedsrichter hatte die rote Karte zur Folge. (Bild: PD)
Stjepan Kukuruzovic: Note 4,5. Lancierte St. Gallen einen Angriff, hatte er seine Füsse mit im Spiel. Sehr präsent. (Bild: PD)
Yannis Tafer: Note 3. Er fand nie ins Spiel und musste den Platz nach 45 Minuten bereits wieder verlassen. (Bild: PD)
Tranquillo Barnetta: Note 4. Auffällig, wie er immer wieder den Ball forderte. Aber die Fehlerquote war zu hoch. (Bild: PD)
Marco Aratore: Note 4. Der zuletzt beste St. Galler lieferte eine durchschnittliche Leistung ab. (Bild: PD)
Roman Buess: Note 3,5. Er wurde kaum erfolgsversprechend eingesetzt. Ein Tor wurde ihm wegen Abseits aberkannt. (Bild: PD)
Danijel Aleksic: Note 5. Der Serbe kam für Tafer nach der Pause und erzielte fast mit der ersten Ballberührung das 1:1. (Bild: PD)
Alain Wiss: Note 4. Der Zentralschweizer half nach dem Platzverweis mit, die Defensive zusammenzuhalten. (Bild: PD)
Yroundu Musavu-King: Note -. Kam in der 82. Minute für Aratore. Zuwenig Zeit für eine Bewertung. (Bild: PD)
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Die Noten der Espen gegen Zürich

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