Super League
FCSG-Captain Lukas Görtler nach dem verrückten 3:3 gegen Zürich: «Jeder, der heute nicht hier war, hat etwas verpasst»

In einem packenden Spiel in grossartiger Atmosphäre trennen sich der FC St.Gallen und Leader Zürich vor 15'045 Zuschauern 3:3. St.Gallen wirft 90 Minuten lang alles nach vorne und verpasst den Siegtreffer am Ende nur knapp. Zürich lässt nach vier Siegen zum Saisonstart erstmals Punkte liegen.

Patricia Loher
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St.Gallens Michael Kempter erzielt in der 39. Minute das 2:1. Es ist ein Traumtor des Aussenverteidigers.

St.Gallens Michael Kempter erzielt in der 39. Minute das 2:1. Es ist ein Traumtor des Aussenverteidigers.

Claudio Thoma/Freshfocus

Die Spielwertung

Die Partie ist beste Werbung für den Schweizer Fussball. Beide Teams suchen unermüdlich die Offensive, beiden Teams gelingt es immer wieder, auf Gegentore zu reagieren. Zudem sind einige Treffer an diesem Abend eine Augenweide. Was für ein Spektakel! Spielnote: 6

Die Tore

  • 1:0, 20. Minute, Jérémy Guillemenot: Victor Ruiz kommt im Mittelfeld an den Ball, zieht das Tempo an und spielt dem aufgerückten Nicolas Lüchinger schön in den Lauf. Der Rheintaler legt zurück, wo Jérémy Guillemenot die Führung erzielt. Es ist der erste Saisontreffer des Genfers.
  • 1:1, 23. Minute, Akaki Gogia: Die St.Galler Abwehr ist für einen Moment unkonzentriert. Der Ball kommt zu Gogia, der das 1:1 erzielt. Lüchinger fälscht noch ab.
  • 2:1, 39. Minute, Michael Kempter: Die Zürcher Abwehr kann eine Flanke nur ungenügend klären, der frühere FCZ-Spieler Michael Kempter nimmt den Ball an der Strafraumgrenze volley und erzielt mit einem Traumtor das 2:1 für St.Gallen.
  • 2:2, 59. Minute, Antonio Marchesano: Der Zürcher verwandelt einen Freistoss direkt zum Ausgleich. St.Gallens Mauer reagiert zu zaghaft, Goalie Zigi sieht ebenfalls nicht vorteilhaft aus.
  • 3:2, 66. Minute, Ousmane Diakité: Ein St.Galler Tor mit Seltenheitswert, weil es nach einem Corner fällt: Diakité steigt am höchsten, sein Kopfball ist platziert und führt zum 3:2 für St.Gallen. Es ist das erste Saisontor für den Leihspieler aus Salzburg.
  • 3:3, 76. Minute, Wilfried Gnonto: Der Zürcher kommt nach einem Eckball völlig freistehend zum Kopfball. Der Ausgleich für die Gäste ist perfekt, einmal mehr.

Die Spielanalyse

Der FC St.Gallen beginnt wesentlich besser als noch vor einer Woche gegen Sion. Die Ostschweizer setzen den Leader aus Zürich gleich unter Druck und erspielen sich nach vier Minuten eine erste gute Chance. Der Abschluss von Victor Ruiz ist platziert, doch Goalie Yanick Brecher verhindert die Führung für die Gastgeber mit einer starken Parade.

St.Gallens Trainer Peter Zeidler setzt in diesem Spiel erstmals auf das Sturmduo Fabian Schubert und Jérémy Guillemenot. St.Gallen betreibt einen grossen Aufwand, ist deutlich engagierter als der Gegner und wird wenigstens im Ansatz immer wieder einmal gefährlich. So ist die Führung nach 20. Minuten durch Guillemenot verdient.

Die Zürcher aber gleichen durch Akaki Gogia postwendend aus. Es entwickelt sich ein packendes, unterhaltsames Spiel. Beide Mannschaften drücken auf das Tempo, beide Mannschaften suchen mit schnörkellosem Spiel die Offensive. Langweilig wird es während der ersten 45 Minuten nie. Es ist ein offener Schlagabtausch, der beste Unterhaltung bietet. In der 34. Minute setzt Schubert freistehend einen Kopfball neben das Tor.

Die St.Galler Victor Ruiz (links) und Ousmane Diakité (Mitte) versuchen, den Zürcher Ousmane Doumbia vom Ball zu trennen.

Die St.Galler Victor Ruiz (links) und Ousmane Diakité (Mitte) versuchen, den Zürcher Ousmane Doumbia vom Ball zu trennen.

Claudio Thoma/Freshfocus

St.Gallen erspielt sich die besseren Chancen als der Gegner, der aber mit seinen schnellen Angreifern auch immer wieder Unruhe entfacht. Doch die Gastgeber verteidigen mit einigen wenigen Ausnahmen gut.

In der 39. Minute gehen die St.Galler durch den Aussenverteidiger Michael Kempter in Führung. Es ist ein prächtiges Tor und für den früheren FCZ-Spieler Kempter, der einst gerne bei den Zürchern geblieben wäre aber keinen neuen Vertrag erhielt, wohl eine besondere Genugtuung.

Kurz vor der Pause hat St.Gallen nach einem Freistoss die Chance auf das 3:1, kann aber von einem Durcheinander im Strafraum nicht profitieren.

Die Reaktion der FCSG-Fans auf das Goal zum 2:1

Video: Tabea Leitner

Nach der Pause reagiert der FC Zürich. Nun ist es die Mannschaft von Trainer André Breitenreiter, die das Spiel bestimmt und Druck aufsetzt. In der 57. Minute bewahrt Goalie Lawrence Ati Zigi seine Mannschaft mit einer starken Parade vor dem Ausgleich.

Wenig später belohnt sich Zürich für die Steigerung. Antonio Marchesano verwandelt einen Freistoss direkt zum 2:2. Die Gäste wollen nun mehr und stürmen an. St.Gallen wehrt sich nach Kräften und kann sich auf seinen Goalie verlassen: In der 62. Minute pariert Zigi gegen einen allein anstürmenden Zürcher einmal mehr stark.

Es ist nun ein wildes Spiel, das die Zuschauerinnen und Zuschauer begeistert. St.Gallen hat durch Schubert die Chance, in Führung zu gehen. Der Schuss des Österreichers geht knapp daneben. Wenig später aber kocht der Kybunpark wieder: Ousmane Diakité erzielt nach einem Corner per Kopf das 3:2 für die St.Galler.

Strafraumszenen en masse: St.Gallens Michael Kempter (vorne) klärt vor Zürichs Assan Ceesay. Rechts: Lukas Görtler, Goalie Lawrence Ati Zigi und Nicolas Lüchinger.

Strafraumszenen en masse: St.Gallens Michael Kempter (vorne) klärt vor Zürichs Assan Ceesay. Rechts: Lukas Görtler, Goalie Lawrence Ati Zigi und Nicolas Lüchinger.

Claudio Thoma/Freshfocus

Turbulente Szene in der 73. Minute: Zürich schafft es es in mehreren Anläufen nicht, den Ball an Zigi vorbeizubringen. Drei Minuten später aber ist es soweit: die Gäste gleichen erneut aus.

Was für ein Wechselbad der Gefühle! Das Spiel ist noch lange nicht vorbei. St.Gallen denkt nicht daran, sich mit dem 3:3 zufrieden zu geben. In der 85. Minute wird ein Tor von Victor Ruiz wegen Abseits nicht anerkannt. Kurz vor Schluss muss Brecher noch einen Abschluss von Basil Stillhart parieren. Was wäre das für ein Schlusspunkt gewesen!

Nun steht die Länderspielpause an, St.Gallen bestreitet am Donnerstag eine Testpartie bei Austria Lustenau. Am 12. September treffen die Ostschweizer in der Meisterschaft auswärts auf Servette.

Die Besten

Michael Kempter und Ousmane Diakité: Der Zürcher Kempter erzielt einen Treffer der Marke «Tor des Jahres» und ist gegen seinen früheren Klub omnipräsent. Nach der Pause mit weniger Vorstössen als in den ersten 45 Minuten. Diakité erzielt ebenfalls ein schönes Tor und ist im defensiven Mittelfeld ein sicherer Wert.

Lawrence Ati Zigi: Note 5. Der Ghanaer sieht beim Freistosstor nicht vorteilhaft aus. Bewahrt sein Team davor und danach aber zweimal stark vor einem Gegentreffer.
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Nicolas Lüchinger: Note 4,5. Wie schon gegen Sion mit einer guten Leistung. Omnipräsent. Bereitet das 1:0 vor. Baut nach der Pause aber ab.
Leonidas Stergiou: Note 5. In der Schlussphase trägt er mit seiner Schnelligkeit und dem starken Zweikampfverhalten viel dazu bei, dass sein Team wenigstens den Punkt über die Runden bringt.
Betim Fazliji: Note 4,5. Der Rebsteiner zeigt keine schlechte Leistung, hat aber gegen die schnellen Zürcher doch hie und da das Nachsehen.
Michael Kempter: Note 5,5. Der Neuzugang erzielt gegen seinen früheren Klub ein prächtiges Tor zum 2:1. Auch sonst mit einer starken Leistung.
Ousmane Diakité: Note 5. Erzielt ein schönes Kopfballtor. Im defensiven Mittelfeld ist er ein sicherer Wert und unterbindet einige Angriffe der Zürcher.
Lukas Görtler: Note 4,5. Der Saisonstart des Captains war durchzogen. Gegen Zürich phasenweise erneut eher unauffällig, ehe der Bayer in der wilden zweiten Halbzeit voll in seinem Element ist.
Victor Ruiz: Note 4,5. Der Spanier ist auffällig, immer anspielbar und wirblig. Sein Tor in der Schlussphase wird wegen Abseits nicht anerkannt – es wäre das 4:3 gewesen.
Thody Élie Youan: Note 4. Der Franzose kann mehr. Fällt zwar mit schnellen Antritten auf, aber es unterlaufen ihm deutlich zu viele Fehlzuspiele.
Jérémy Guillemenot: Note 5. Der Genfer darf erstmals in dieser Saison von Beginn weg spielen. Er macht seine Sache gut und belohnt sich mit einem Tor.
Fabian Schubert: Note 4. Wirkt gefährlicher als auch schon. Nach etwas mehr als einer halben Stunde setzt der Österreicher einen Kopfball knapp neben das Tor.
Alessio Besio: Note 4. Der 17-Jährige kommt in der  63. Minute für Guillemenot, er kämpft, hat aber kaum Einfluss auf das Spiel.
Kwadwo Duah: Note 4. Wird für Schubert eingewechselt. Gibt einen Schuss auf das Tor ab. Sonst kommt wenig.
Basil Stillhart: keine Note.
Boris Babic: Note: keine Note.

Lawrence Ati Zigi: Note 5. Der Ghanaer sieht beim Freistosstor nicht vorteilhaft aus. Bewahrt sein Team davor und danach aber zweimal stark vor einem Gegentreffer.

Der Schlechteste

Keiner fällt ab, der FC St.Gallen tritt geschlossen auf und sucht bis zum Schluss den Siegtreffer. Einziger Makel: Die Ostschweizer kassieren derzeit zu viele Gegentore.

Die Reaktionen

Lukas Görtler, Captain FC St.Gallen: «Jeder, der heute nicht hier war, hat etwas verpasst. So wollen wir Fussball sehen. Wir haben beste Unterhaltung geboten. Was uns in letzter Zeit nicht so gut gelingt ist, den Sack zuzumachen. Aber die Art heute war gut. Lieber spiele ich 3:3 als 0:0. Die Atmosphäre war grossartig. Es macht auch immer Freude, wenn der Gästesektor voll ist.»

Peter Zeidler, Trainer FC St.Gallen: «Dieses Spiel hat keinen Verlierer verdient, das Ergebnis ist gerecht. Trotzdem bin ich unzufrieden, weil wir nicht gewonnen haben. Es ist unser Anspruch, einiges besser zu machen, obwohl man diese tolle Zürcher Offensive natürlich nicht immer im Griff haben kann. Wir haben in den drei vergangenen Heimspielen nur drei Punkte gewonnen, das ist zu wenig und darf trotz dieser guten Partie nicht vergessen werden. Sonst wird es gefährlich.»

André Breitenreiter, Trainer FC Zürich: «Wir dürfen uns alle beglückwünschen, zu so einem guten Spiel beigetragen zu haben. Es waren zwei Mannschaften, die sich in einer tollen Atmosphäre nichts schenkten. St.Gallen hat eine fantastische Idee von Fussball. Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft. Es ist hier nicht einfach, dreimal so zurückzukehren.»

Das Spiel im Liveticker nachlesen:

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