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FCSG-Fans wollen am Sonntag nicht in den Gästesektor – der FC Luzern verurteilt die Protestaktion

Übertriebene Eingangskontrollen, schlechte Sicht auf das Spielfeld, ein Verbot von Spruchbändern: Die Fans des FC St.Gallen wollen mit einer Protestaktion auf angebliche Missstände bei Auswärtsspielen in Luzern aufmerksam machen. Jetzt reagiert der FC Luzern.
Martin Oswald
St.Gallens Fans im Stadion St. Jakob-Park in Basel, am Samstag, 9. Februar 2019. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

St.Gallens Fans im Stadion St. Jakob-Park in Basel, am Samstag, 9. Februar 2019. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Die Fans des FC St.Gallen fühlen sich bei Auswärtsspielen in Luzern ungerecht behandelt. Der Dachverband 1879 schreibt in einer Mitteilung: Es habe bei Auswärtsspielen in den letzten Jahren vermehrt negative Vorkommnisse gegeben. Abgespielt hätten sich diese jeweils entweder auf der behördlich organisierten An- und Abreise zum Stadion oder im Gästesektor.

«Um diese negative Dynamik zu durchbrechen, hat sich die aktive Fanszene dazu entschlossen, das kommende Auswärtsspiel gegen den FC Luzern nicht im Gästesektor zu verfolgen und auf eine gemeinsame Anreise per Extrazug zu verzichten.»

Lautstark, aber friedlich

Im gleichen Atemzug ruft der Fan-Dachverband alle FCSG-Fans dazu auf, individuell anzureisen, die Mannschaft «lautstark und friedlich» zu unterstützen und auf Provokationen gegenüber der Polizei oder den Heimfans zu verzichten. Ausserdem wird dazu aufgerufen, auffällige Fankleidung zu Hause zu lassen.

Dieses Infoblatt wurde beim letzten Heimspiel im Kybunpark angebracht.

Dieses Infoblatt wurde beim letzten Heimspiel im Kybunpark angebracht.

Was sagt der FC Luzern zu den Vorwürfen und zur geplanten Aktion? Auf eine Anfrage des St.Galler Tagblatts wurde zunächst nicht eingegangen. Doch jetzt äussert sich FCL-Präsident Philipp Studhalter in einer Medienmitteilung.

«Wir waren und sind weiterhin bestrebt, mit der Dachorganistion 1879 und den Verantwortlichen des FC St.Gallen 1879 eine Lösung zu finden – dies scheint aber auf Grund der Reaktionen unwahrscheinlich.»

Der FC Luzern biete den Zuschauern im betroffenen Sektor eine Umplatzierung an, aber das könne keine Lösung für die Zukunft sein. Studhalter fordert alle verantwortlichen Personen der Vereine der Swiss Football League auf, sich deutlich von solchen Aktionen zu distanzieren, um zukünftig solche Handlungen, die alle Fans in Mitleidenschaft ziehen würden, zu verhindern.

Für das Spiel am kommenden Sonntag, 10. März, zwischen dem FC Luzern und dem FC St.Gallen hat der FC Luzern nun entschieden, dass auf Grund der geplanten Fan-Aktion ein erweitertes Sicherheitsdispositiv eingesetzt werde, um so die Sicherheit aller sich im Sektor D befindenden Fans zu garantieren.

«Wir erwarten ausserdem, dass sich die Dachorganisation 1879 an die schriftlich wie auch mündlich getätigten Zusagen gegenüber dem Präsidenten des FC St.Gallen 1879, Matthias Hüppi, hält, und sich friedlich und fair gegenüber allen Zuschauern innerhalb der Swissporarena verhält.»

Fan-Dachverband signalisiert Gesprächsbereitschaft - Luzern verneint

In ihrer Stellungnahme schreibt der Dachverband, man sei sich bewusst, dass man einen Teil zur aktuellen Situation beigetragen habe. Mit der getroffenen Entscheidung wolle man deshalb den Raum öffnen für eine «konstruktive und lösungsorientierte Diskussion». Die Fans hoffen so, dass zukünftig wieder der sportliche Wettkampf im Zentrum stehe.

Der FC Luzern widerspricht und verneint in seiner Mitteilung diese Gesprächsbereitschaft: «Weder konnte man durch einen intensiven Austausch mit den Verantwortlichen des FC St.Gallen 1879, insbesondere deren Präsident Matthias Hüppi, noch mit den verantwortlichen Personen der Swiss Football League, während den letzten Tagen eine Lösung finden – trotz Gesprächsangebot des FC Luzern.»

Für den FC Luzern ist dies in der Rückrunde der aktuellen Saison nun bereits der dritte Vorfall, an dem sich Gästefans in einem nicht für sie vorgesehenen Sektor aufhalten. Beim Cupspiel vom Mittwochabend gegen die Berner Young Boys protestierten zudem die eigenen Fans auf dem Spielfeld und verzögerten mit einem Schloss im Tor den Spielbeginn.

Mehrere Vorfälle in jüngerer Vergangenheit

Zwischen Anhängern des FC St.Gallen und des FC Luzern ist es in jüngerer Vergangenheit immer wieder zu Provokationen, Ausschreitungen und Geschmacklosigkeiten gekommen:

Luzerner Fans auf der Gegentribüne in St.Gallen. Einige Minuten später wurden sie von der St.Galler Polizei in den Gästesektor eskortiert. (Bild: Urs Jaudas, 2. September 2013)

Luzerner Fans auf der Gegentribüne in St.Gallen. Einige Minuten später wurden sie von der St.Galler Polizei in den Gästesektor eskortiert. (Bild: Urs Jaudas, 2. September 2013)

  • Im Mai 2013 stiessen FCSG-Fans mit der Polizei zusammen, als sich die St.Galler weigerten, in den Extrazug einzusteigen und stattdessen einen Fan-Marsch zum Bahnhof erzwingen wollten. Die Luzerner Polizei setzte Gummischrot und Tränengas ein, einige Bus-Scheiben gingen zu Bruch.
  • Im September 2013 dann der nächste Zwischenfall, diesmal in St.Gallen. Weil sich Gästefans auf der Gegentribüne aufhielten, wurden sie von der Polizei in den Gästesektor begleitet.
  • Im September 2014 versuchten Luzerner Fans nach der 1:2 Heimniederlage ihres Teams, den Extrazug nach St.Gallen an der Ausfahrt zu hindern. Vier Luzerner wurden festgenommen.
  • Im Februar 2015 trieben Luzerner Fans in St.Gallen einen als orthodoxen Juden stilisierten «St.Galler» vor sich her. Die geschmacklose Aktion sorgte national für Schlagzeilen. Die St.Galler Staatsanwaltschaft verzichtete damals auf ein Strafverfahren.
  • Ein Jahr später, im Februar 2016, warf dann ein FCSG-Anhänger während des Spiels in der Luzerner Swissporarena einen Böller auf den Rasen. Ein Luzerner Zuschauer erleidet deshalb einen Hörschaden. Bei einer anschliessenden Hausdurchsuchung finden Polizisten über 100 Kilogramm Feuerwerk. Der junge Ostschweizer wurde im Oktober 2017 vom Bundesstrafgericht verurteilt, Ende Dezember 2018 einigt er sich mit dem Opfer in einem Vergleich über die Höhe der Genugtuung.

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