FCSG: Ein Berner wie ein St. Galler

Ein Kämpferherz und viel Leidenschaft - der frühere Thuner Andreas Wittwer bringt alles mit, was St. Gallens Zuschauer mögen. Nun will der Club den Kontrakt mit dem Berner verlängern.

Patricia Loher
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Will offensiv noch zulegen: St. Gallens Andreas Wittwer (rechts). (Bild: Michel Canonica (St. Gallen, 11. März 2017))

Will offensiv noch zulegen: St. Gallens Andreas Wittwer (rechts). (Bild: Michel Canonica (St. Gallen, 11. März 2017))

Patricia Loher

Andreas Wittwer lacht. Er spricht von einem wilden Gerücht, von einem angeblichen Interesse der Young Boys habe er nur aus den Medien erfahren. «Da gibt es keinen Kontakt», sagt der 26-Jährige. Bis zur U18 hat Wittwer das Trikot der Berner getragen, ehe er zum FC Thun und dann nach St. Gallen wechselte. Sein Vertrag in der Ostschweiz läuft im Sommer aus. Derzeit ist Wittwer nebst Albian Ajeti St. Gallens einziger Stammspieler, dessen Kontrakt in drei Monaten endet. Alle anderen fünf Akteure mit auslaufenden Verträgen haben den Sprung in die Startformation in dieser Saison noch nicht geschafft oder rutschten sogar aus dem Aufgebot.

Für Wittwer beginnen nun die entscheidenden Wochen neben dem Platz. Dank guter Leistungen hat sich seine Position stark verbessert. «Wir nehmen die Gespräche auf», so der frühere Thuner. Dann werde man versuchen, die Vorstellungen der Parteien auf einen Nenner zu bringen. St. Gallens Sportchef Christian Stübi sagt: «Wir haben Wittwer signalisiert, dass wir ihn gerne behalten möchten.»

Wittwer, ein bissiger Zweikämpfer

Der Berner kam im vergangenen Sommer in die Ostschweiz, die Meisterschaft lief bereits. Als linker Verteidiger verdrängte er zunächst Kofi Schulz, seit Trainer Joe Zinnbauer auf eine Dreierabwehr setzt, kam Wittwer stets am linken Flügel zum Einsatz. In den vergangenen 13 Partien spielte er immer von Beginn an. Wittwer verkörpert jene Tugenden, die St. Gallens Zuschauer mögen. Er ist ein bissiger Zweikämpfer, Einsatz und Leidenschaft lassen nie zu wünschen übrig. In der Offensive wolle er noch zulegen, sagt der Fussballer, der einst drei Praktika als Kleinkinderzieher absolviert hat. «Der eine oder andere Skorerpunkt mehr wäre nicht schlecht.» Ein Tor und drei Assists hat er sich bis anhin notieren lassen, der erste Skorerpunkt für St. Gallen gelang Wittwer just im vergangenen Herbst, als die Ostschweizer mit einem 2:1 in Thun das Spiel zweier kriselnden Mannschaften gewannen.

Daniel Lopar: Note 5: Der gewohnt sichere Rückhalt. Zweimal wird der Romanshorner so richtig geprüft, beide Male bewahrt er den FC St.Gallen vor einem Rückstand. (Bild: pd)
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Martin Angha: Note 3: Nicht immer sattelfest in seinen Aktionen, hat Stürmer Tomi Juric ein- zweimal nicht im Griff. Steigert sich mit Fortdauer der Partie und verletzt sich kurz vor Spielschluss. (Bild: pd)
Roy Gelmi: Note 5: Der Jungspund mausert sich zum unverzichtbaren Eckpfeiler im defensiven Mittelfeld. Ruhig am Ball, mit einigen Offensivaktionen. (Bild: pd)
Karim Haggui: Note 5: Steht wie ein Fels in der Brandung, hat die Abwehr gut im Griff. Bei Eckbällen im gegnerischen Sechzehner stets gefährlich. (Bild: pd)
Andreas Wittwer: Note 4: Soll offenbar mit den Young Boys verhandeln. Wittwer rettet einmal vor Juric, ansonsten ein emsiger Arbeiter an der Seitenlinie. (Bild: pd)
Silvan Hefti: Note 4: Nicht das beste Spiel des Goldachers, mit Unsicherheiten. Doch letztlich liegt es auch an ihm, dass Luzern wenige Torchancen erhält. (Bild: pd)
Marco Aratore: Note 3: Läuft viel, findet aber im Angriff selten ins Spiel, bisweilen fehlt die Bindung. Defensiv tadellos, doch der Juve-Fan hat gewiss schon bessere Partien gezeigt. (Bild: pd)
Tranquillo Barnetta: Note 4: Lange nicht gesehen, weil er wegen Tokos Ausfall defensiver agieren muss. Steigert sich in der zweiten Halbzeit und steht am Ursprung des Ausgleichtreffers. (Bild: pd)
Yannis Tafer:Note 4: Eigentlich nie gesehen, bis auf eine Ausnahme, und diese ist entscheidend: Tafer erzielt nach dem Rückstand sofort das 1:1 und rettet den St.Gallern einen Punkt. (Bild: pd)
Albian Ajeti :Note 4: Sein Pfostenknaller in der 66. Minute hätte ein Tor verdient gehabt. Man sieht in vielen Aktionen sein Talent, seine Wucht. Hat manchmal aber auch Leerläufe. . (Bild: pd)
Roman Buess: Note 4: Rackert als Mittelfstürmer lange unglücklich, die Vorarbeit zum Ausgleich jedoch ist schlichtweg hervorragend. Kommt aber selten in eine Abschlussposition. (Bild: pd)

Daniel Lopar: Note 5: Der gewohnt sichere Rückhalt. Zweimal wird der Romanshorner so richtig geprüft, beide Male bewahrt er den FC St.Gallen vor einem Rückstand. (Bild: pd)

In Thun hat sich seit Wittwers Abgang viel getan. Nachdem bekannt geworden war, dass Jeff Saibene das Traineramt im Sommer abgeben wird, dürfte St. Gallens früherer Coach die Berner Oberländer gar noch früher in Richtung 2. Bundesliga verlassen. Morgen allerdings wird er wohl noch an der Seitenlinie stehen. Neun Jahre hatte Wittwer dem FC Thun die Treue gehalten, er stieg mit dem Club in die Super League auf und absolvierte in der höchsten Liga 164 Spiele. Vergangene Saison entschied er sich für eine Luftveränderung. Die ersten Wochen in St. Gallen waren turbulent, doch unterdessen hat sich die Lage beruhigt. «Wir haben gut zusammengefunden», sagt Wittwer und fügt an: «Ich kann mir vorstellen, noch länger in St. Gallen zu bleiben.»