FCSG: Die Pausenführung verpufft im Nichts

Im ersten Heimspiel unter der neuen Clubführung gibt es für den FC St. Gallen eine Enttäuschung: Die Mannschaft von Giorgio Contini verliert 1:2, weil sie nach der Pause abbaut. Weshalb nur?
Ralf Streule
Der FC St.Gallen verliert das Heimspiel gegen den FC Zürich mit 1:2. (Bild: freshfocus)

Der FC St.Gallen verliert das Heimspiel gegen den FC Zürich mit 1:2. (Bild: freshfocus)

Natürlich, man könnte auf den Aufwärtstrend hinweisen: Gestern waren so viele Zuschauer im Kybunpark zugegen wie seit vierzig Wochen nicht mehr. Damals im Mai 2017 gegen die Grasshoppers waren es gut 14 000 gewesen, gestern, zwölf Heimspiele später, immerhin 13323. Und natürlich könnte man Gründe angeben, weshalb es nicht noch mehr waren: Die Fasnachtsumzüge in der Region vielleicht. Oder das nasskalte Wetter. Und dennoch war das erste Heimspiel der Ära Hüppi/Sutter gestern eine leise Enttäuschung, was den Fanaufmarsch angeht. Gehofft hatte man auf noch besser gefüllte Ränge, schliesslich hatte die Führung auf allen Kanälen geworben.

Dejan Stojanovic: Note 3. Rettet einige Male, ist beim 1:2 aber nicht über alle Zweifel erhaben. Spielt den Ball einmal in die Füsse des Gegners – was knapp nicht bestraft wird. (Bild: pd)
Silvan Hefti: Note 4. Ohne grobe Schnitzer, ein Rückpass zu Dejan Stojanovic ist aber ungenügend. Nach vorne nicht mit entscheidenden Impulsen. (Bild: pd)
Alain Wiss: Note 4. Meistens auf der Höhe, insgesamt ist die Verteidigung aber öfters neben den Schuhen – was auch dem Defensivregisseur angelastet werden muss. (Bild: pd)
Silvan Gönitzer: Note 4. Abgeklärte Defensivleistung, nach vorne aber mit mehreren ärgerlichen Fehlzuspielen. (Bild: pd)
Nicolas Lüchinger: Note 3,5. Ihm gelingt nur wenig, dafür etwas Sehenswertes: Die Hereingabe zu Aratore beim 1:0. Beim 1:1 zu wenig aggressiv gegen Pa Modou. (Bild: pd)
Peter Tscharnegg: Note 3. Er rackert viel, dies aber oft im Nirgendwo, hat nur selten Einfluss aufs Spielgeschehen. (Bild: pd)
Nzuzi Toko: Note 4,5. Prellbock im Mittelfeld. Mit starken Momenten, vor allem in der ersten Halbzeit. Herrlicher Pass zu Lüchinger vor dem 1:0. (Bild: pd)
Marco Aratore: Note 3,5. Sein sehenswerter Treffer ret- tet eine sehr durchschnittliche Leistung. (Bild: pd)
Danijel Aleksic: Note 4,5. Mit viel Übersicht, vor allem, als er in der ersten Halbzeit noch Platz hat. Freistösse prallen für einmal fast ausnahmslos in die Mauer. (Bild: pd)
Cedric Itten: Note 3. Von ihm ist sehr wenig zu sehen. Deutet zwar seine Stärken an, ihm fehlt die Bindung zum Spiel aber noch komplett. (Bild: pd)
Roman Buess: Note 4. Er bringt in der ersten Halbzeit einige Male Unruhe in die gegnerische Verteidigung. Auch er taucht nach der Pause ab. (Bild: pd)
Yannis Tafer: Note -. Kaum zu sehen, dass er während der letzten zehn Minuten im Spiel ist. Der Kurzeinsatz ist nicht bewertbar. (Bild: pd)
Rúnar Sigurjónsson: Note -. Er versucht in den letzten Minuten, Schwung zu bringen, schafft dies im Ansatz. Keine Bewertung. (Bild: pd)
Boris Babic: Note -. Für einige Minuten auf dem Feld, dabei kaum mit Ballberührungen. (Bild: pd)
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Die Noten der FCSG-Spieler gegen den FC Zürich

Ansprechende St.Galler Phase vor der Pause

Sicher ist: Am zuverlässigsten werden Zuschauer mit engagierten und erfolgreichen Leistungen ins Stadion gelockt. Fehlendes Engagement konnte man den St.Gallern gestern nicht vorwerfen. Erfolglosigkeit schon. Nach der 1:2-Niederlage stellte Verteidiger Alain Wiss mit leerem Blick jene Frage, die sich auf dem Nachhauseweg viele Zuschauer stellten: «Wie konnten wir dieses Spiel nach der Pause nur dermassen aus der Hand geben?»

Die beiden Mannschaften, die zuletzt mit wenig Selbstvertrauen aufgetreten waren, starteten unorganisiert in die Partie, daraus resultierten viele frühe Chancen auf beiden Seiten – die grösste von Adrian Winter für Zürich bei seinem Pfostenschuss nach gut fünf Minuten. Die letzte Viertelstunde der ersten Halbzeit gehörte dann aber gänzlich den Ostschweizern, die den Ball in dieser Phase ruhig zirkulieren liessen – und schliesslich das 1:0 erzielten, nach einer schönen Kombination über Toko, Nicolas Lüchinger und Marco Aratore. Die 43. Minute zählte man da, der Zeitpunkt war ideal, um dem Spiel den entscheidenden Dreh zu geben, so dachte man aus St.Galler Sicht.

FC Zürich Stürmer Michael Frey kommt vor den St. Gallern Cedric Itten und Silvan Hefti an den Ball. (Bild: Keystone)
Der St. Galler Marco Aratore, erzielt den Treffer zum 1:0. (Bild: Keystone)
Die St.Galler bejubeln den Führungstreffer von Marco Aratore. (Bild: Keystone)
Der Zürcher Victor Palsson, mit dem entscheidenden Kopfball zum 1:2 gegen den St. Galler Danijel Aleksic. (Bild: Keystone)
Der Zürcher Raphael Dwamena hat soeben den Siegtreffer zum 1:2 erzielt. (Bild: Keystone)
Die Spieler des FC Zürich freuen sich nach dem Siegtreffer. (Bild: Keystone)
Michael Frey im Kampf um den Ball gegen den St. Galler Marco Aratore. (Bild: Keystone)
Kein Tor bei dieser umstrittenen Szene durch den St. Galler Roman Buess gegen den FC Zürich Goalie Andris Vanins. (Bild: Keystone)
Viel Freude nach Spielschluss bei den Spielern des FC Zürich. (Bild: Keystone)
Viel Freude auch bei den mitgereisten Anhängern des FC Zürich. (Bild: Keystone)
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Heimniederlage gegen den FC Zürich

"Vielleicht fehlt die Cleverness"

Es kam anders. St. Gallen geriet unter Druck, brachte keine Ruhe mehr ins eigene Spiel. Zürcher Tore schienen schon bald nach der Pause nur noch eine Frage der Zeit. Dabei hatte Trainer Giorgio Contini seine Spieler noch gewarnt in der Kabine, wie er nach dem Spiel sagte. Uli Fortes Team, ohnehin angeschlagen, werde kommen «wie die Feuerwehr». Dass es seinen Spielern dennoch nicht gelungen sei, sich darauf einzustellen, habe vielleicht mit fehlender Cleverness zu tun, so Contini. Er erwähnte hier die taktischen Fouls, die der FC Zürich begangen habe, seine Spieler hingegen nicht. Als Beispiel musste Pa Modous Vorstoss herhalten, welcher von Nicolas Lüchinger nicht per Foul unterbunden wurde – und der schliesslich zum Ausgleich durch den jungen Fabian Rohner führte.

Augenfällig war in dieser Phase, dass die beiden zuvor tragenden Stützen im Mittelfeld, Danijel Aleksic und Toko, an Spieleinfluss verloren. Und dass die Abstimmung in der Abwehr zunehmend verloren ging. So fehlte auch beim 1:2 in der 77. Minute die Zuordnung, als Victor Palsson nach einem Corner frei zum Kopfball kam und an vier Abwehrspielern vorbei Torschütze Dwamena bediente.

Druck auf Contini nimmt zu

Als neuerdings Sechstplatzierte liegen die Ostschweizer nur noch drei Punkte vor dem Zweitletzten Thun – und kommende Woche wartet das schwierige Auswärtsspiel gegen Basel. Und so wurde die zuletzt öfters gestellte Frage gestern im Medienzentrum wieder laut: Wie sicher fühlt sich Contini noch auf dem Trainerstuhl? Er, der durch den Wechsel an der Clubspitze in seiner Position offenkundig geschwächt wurde, braucht Erfolgserlebnisse noch dringender als andere Trainer. Sorgen mache er sich keine, sagte Contini gefasst. Er konzentriere sich auf seine Arbeit. Denn über seine Zukunft beim FC St.Gallen entscheide ohnehin nicht er.

Telegramm:

St. Gallen - Zürich 1:2 (1:0). - 13'323 Zuschauer. - SR Jaccottet. - Tore: 43. Aratore (Lüchinger) 1:0. 66. Rohner (Dwamena) 1:1. 77. Dwamena (Palsson) 1:2.

St. Gallen: Stojanovic; Hefti, Wiss, Gönitzer; Lüchinger (82. Tafer), Tschernegg, Aleksic, Toko (82. Sigurjonsson), Aratore; Itten (84. Babic), Buess.

Zürich: Vanins; Nef (83. Bangura) Palsson, Thelander; Winter (58. Rohner), Marchesano, Sarr, Rüegg (60.Rodriguez), Pa Modou; Frey, Dwamena.

Bemerkungen: St.Gallen ohne Barnetta (gesperrt), Musavu-King, Adonis Ajeti und Krucker (alle verletzt), Haggui, Wittwer, Ben Khalifa und Muheim (nicht im Aufgebot). Zürich ohne Alesevic, Brunner, Kempter, Schönbächler und Maouche (alle verletzt). 6. Pfostenschuss von Frey. 70. Lattenschuss von Marchesano. 71. Tor von Buess aberkannt (Foul an Vanins). Verwarnungen: 40. Thelander. 47. Rüegg. 50. Winter. 71. Buess (alle Foul). 84. Dwamena (Handspiel). 88. Wiss. 92. Rodriguez (beide Foul). 92. Pa Modou (Reklamieren). (sda)

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