FCSG: Der FC St.Gallen ist in der Krise, aber nicht ohne Hoffnung

Die Ostschweizer kassieren beim 2:3 gegen Luzern die fünfte Niederlage in Folge. Trotz der Baisse: Der neue Trainer, der Peter Zeidler heissen könnte, wird keinen Scherbenhaufen vorfinden.
Patricia Loher
St. Gallen kann trotz dem Handzeichen von Peter Tschernegg die Flut an Gegentoren nicht stoppen. (Bild: BENJAMIN MANSER)

St. Gallen kann trotz dem Handzeichen von Peter Tschernegg die Flut an Gegentoren nicht stoppen. (Bild: BENJAMIN MANSER)

Ein Trainerwechsel kann positive Folgen haben. Gerardo Seoane beispielsweise hat den FC Luzern nach der Winterpause aus dem Abstiegskampf auf den dritten Rang geführt. Beim FC St. Gallen aber ist eingetreten, was die neuen Clubverantwortlichen mit einem Wechsel auf der Trainerposition vor zweieinhalb Wochen noch zu verhindern versuchten: Die Mannschaft hat Platz drei und damit die Aussicht auf einige Millionen Franken verspielt. Unter Interimstrainer Boro Kuzmanovic haben die St. Galler alle drei Partien verloren. Das 2:3 vom Mittwoch gegen Luzern war die siebte Niederlage in den vergangenen acht Spielen. Das knappe Fazit: Turnaround nicht geschafft.

Dejan Stojanovic: Note 4. Ihm sind die ersten beiden Tore nicht anzulasten. Hält vor allem in der ersten Halbzeit einige Male stark. Beim dritten Gegentor aber verliert auch er wie seine Vorderleute die Übersicht. (Bild: pd)
Cédric Gasser: Note 2,5: Der 20-Jährige bezahlt Lehrgeld. Beim Ausgleich zum 1:1 lässt er Pascal Schürpf unbeobachtet. Auch bei einem Angriff kurz darauf steht er neben den Schuhen. Stabilisiert sich in der zweiten Halbzeit etwas. (Bild: pd)
Yrondu Musavu-King: Note 3: Seine starke Leistung vom Spiel gegen den FC Basel kann er nicht wiederholen. Im Aufbau mit vielen Fehlern. Einer davon führt zum Eckball, der dem 1:2 vorausgeht. (Bild: pd)
Silvan Hefti: Note 3,5: Einige Male mit Unsicherheiten in der Abwehr. Auch der einstige Drang nach Vorne scheint weiter abzuflachen. Sein grösster Beitrag zum Offensivspiel: Sein Zweikampf mit Marvin Schulz führt zur Penalty-Fehlentscheidung und zum 1:0. (Bild: pd)
Andreas Wittwer: Note 3,5: In der Verteidigung bissig, aber nicht immer sattelfest. Nach vorne öfters mal ungenau. (Bild: pd)
Marco Aratore: Note 3,5: Kommt nur schleppend ins Spiel. Nach 15 Minuten aber ist er es, der Jonas Omlin mit einem satten Schuss erstmals prüft. Und beim 2:2 ist er Vorbereiter. (Bild: pd)
Peter Tschernegg: Note 4: Zu Beginn mit sehr viel Präsenz und starkem Drang nach vorne. Ist aber danach immer seltener zu sehen. (Bild: pd)
Runar Sigurjonsson: Note 5: Er ist der beste St.Galler. Spielt mit Übersicht und Ruhe, ist zudem genauer Passgeber – und kaltblütiger Doppeltorschütze. (Bild: pd)
Tranquillo Barnetta: Note 3,5: Der St. Galler spielt nach seinem Intermezzo als rechter Aussenverteidiger wieder auf seiner gewohnteren Position hinter der Spitze. Sobald er Tempo aufnehmen kann, wirkt er gefährlich. Spritzigkeit und Genauigkeit aber fehlen. (Bild: pd)
Yannis Tafer: Note 4: Nicht mehr so auffällig wie gegen Basel, die Luzerner haben ihn meist im Griff. Er deutet aber immer wieder seine Gefährlichkeit an. (Bild: pd)
Nassim Ben Khalifa: Note 4,5: Technisch stark, auch unter Druck. Hält den Ball in der Offensive. Entwickelt aber wenig Torgefahr. (Bild: pd)
Stjepan Kukuruzovic: Note 3,5: Er kommt 20 Minuten vor Schluss für Yannis Tafer. Kann in der Schlussphase keine Akzente setzen. (Bild: pd)
Roman Buess: Note 3,5: Er soll die Offensive verstärken 20 Minuten vor Schluss, kommt für Aratore. Es ist aber nicht mehr allzu viel zu sehen von ihm. (Bild: pd)
Karim Haggui: Note 3,5: Sein erster Einsatz der Rückrunde. Spielt eine Viertelstunde für den verletzten Yrondu Musavu-King. Beim 2:3 sieht er unglücklich aus, reagiert nach dem Eckball zu spät. Fast macht er diesen Fehler in der Nachspielzeit mit einem Tor gut. Doch er vergibt mit seinem wuchtigen Kopfball knapp. (Bild: pd)
14 Bilder

Die Noten der FCSG-Spieler gegen Luzern



So gibt es nun natürlich den einen oder anderen, der die Entlassung von Trainer Giorgio Contini beklagt. Immerhin hatte der frühere Meisterspieler die St. Galler in dieser Saison zwischenzeitlich bis auf Rang zwei geführt. Nur: Der Negativtrend hat bereits unter Contini eingesetzt. Es waren aber nicht allein die sportlichen Leistungen, die zur Trennung führten. Vielmehr gaben am Ende zwischenmenschliche Dissonanzen den Ausschlag. Der 44-Jährige konnte sich mit der neuen Situation in St. Gallen nicht arrangieren. Die Philosophie von Sportchef Alain Sutter und Präsident Matthias Hüppi, die aktiven Fussball sehen wollen, war dem Trainer suspekt.

Die atmosphärischen Störungen zeichneten sich früh ab. Rückblickend hätte man die Reissleine wohl besser schon in der Winterpause gezogen und sich nicht bloss von einem Teil der Gruppe um Nachwuchschef Marco Otero getrennt, sondern gleich von der ganzen. «Ein Neustart mitten in der Saison ist immer schwieriger als in einer Pause», so Seoane. St. Gallens aktuelle Talfahrt kann aber nicht am Trainerwechsel festgemacht werden. Kuzmanovic formulierte es nach der Niederlage gegen Luzern so: «St. Gallen war ja schon vor meiner Zeit nicht dafür bekannt, wenig Tore zu bekommen.»

In den 34 Partien dieser Saison haben die Ostschweizer 66 Gegentreffer hinnehmen müssen. Am Mittwoch kassierte die Heimmannschaft zwei Tore nach Cornerflanken. Handlungsbedarf für die nächste Saison besteht also vor allem in der Abwehr, der körperliche Grösse und ein bisschen Routine zugeführt werden müssten. Auch ein Regisseur, wie es einst Oscar Scarione war, stünde den Ostschweizern gut zu Gesicht. Aber einfach zu finden sind solche Spieler nicht, vor allem, wenn die Finanzen wieder einmal knapp sind. Und doch: St. Gallen muss Stabilität und Balance zurückgewinnen. «Das wird entscheidend sein, ob wir künftig Erfolg haben können», so Kuzmanovic, der bald ins zweite Glied zurücktreten wird. Anscheinend steht der FC St. Gallen kurz davor, einen neuen Trainer zu verpflichten. Peter Zeidler, der frühere Coach des FC Sion, war am Mittwoch im Stadion. Der 55-jährige Deutsche scheint der Kronfavorit zu sein.

St.Gallen und Luzern trennt nicht viel

Obwohl die St. Galler in einer Krise stecken, muss der neue Coach keinen Scherbenhaufen zusammenkehren. Dem Team fehlt nicht viel, um auch nächste Saison in der vorderen Tabellenhälfte mitzuspielen – wenn es zusammengehalten werden kann und der eine oder andere wieder besser in Form kommt. Vergleicht man die Spielerbesetzungen von St. Gallen und Luzern, scheint die Ostschweizer von den Zentralschweizern wenig zu trennen. Luzerns Trainer Seoane sagte, sein Team habe sich auf «Innerschweizer Tugenden» besonnen. Er führte Aggressivität und Entschlossenheit an. «Und die Spieler sind sehr solidarisch.» Es sind Worte, die St. Gallens neue Clubführung dereinst auch von ihrem neuen Trainer hören möchte.

Grosser Jubel bei den Espen nach dem 1:0 durch Runar Sigurjonsson. (Bild: keyston)
Tranquillo Barnetta im Zweikampf mit Luzerns Schulz. (Bild: keyston)
Die dritte Niederlage im dritten Spiel macht FCSG-Coach Boro Kuzmanovic Kopfzerbrechen. (Bild: keyston)
Konnte nicht reüssieren: FCSG-Stürmer Nassim Ben Khalifa. (Bild: keyston)
Es war ein umkämpftes Spiel. (Bild: keyston)
Schulz (rechts) ist vor Tafer am Ball. (Bild: keyston)
Doppeltorschütze Runar Sigurjonsson kämpfte um jeden Ball. (Bild: keyston)
Kann es nicht glauben: FCSG-Coach Boro Kuzmanovic. (Bild: keyston)
Spielte heute wieder im Mittelfeld: Tranquillo Barnetta. (Bild: keyston)
Nassim Ben Khalifa im Kopfballduell mit Luzerns Idriz Voca. (Bild: keyston)
Peter Tschernegg (links) hat gegen Pascal Schuerpf das Nachsehen. (Bild: keyston)
Hielt den FCL-Sieg fest: Jonas Omlin. (Bild: keyston)
12 Bilder

Die Bilder zum Match FCSG gegen Luzern

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.