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FCSG: Der FC St.Gallen im Hamsterrad

Das Team von Trainer Joe Zinnbauer hat wieder einmal einen negativen Lauf, und vom Schwung des Rückrundenauftakts ist nichts mehr übrig. Eine Ursachenforschung.
Christian Brägger, Patricia Loher
Die Leistungen von St.Gallens Mohamed Gouaida, hier gegen Luzerns Christian Schneuwly, geben Anlass zu Kritik. (Bild: freshfocus)

Die Leistungen von St.Gallens Mohamed Gouaida, hier gegen Luzerns Christian Schneuwly, geben Anlass zu Kritik. (Bild: freshfocus)

Es läuft nicht. Wieder einmal in einer Rückrunde wird gerätselt, weshalb es der FC St. Gallen nicht aus seinem Hamsterrad schafft, in dem er strampelt. Dabei wäre es nie einfacher gewesen als heuer, die Saison in der ersten Tabellenhälfte abzuschliessen.

Wechselspiel: Es gibt Trainer, die haben ein gutes Gespür für Situationen: Beim Aufstellen des Teams oder mit Einwechslungen, die den Sieg bringen. Der Schweizer Nationalcoach Vladimir Petkovic ist so jemand, er hat dies unlängst in der WM-Qualifikation bewiesen: Gegen Portugal, in Ungarn oder gegen Lettland. In dieser Hinsicht agiert St. Gallens Coach Joe Zinnbauer eher glücklos. Es ist ein statistischer Fakt, dass von jenem Zeitpunkt an, an dem er die Formation während des Spiels ändert, die Punkte eher verloren gingen. Lucas Cueto, den der Deutsche in Schlussphasen oft einwechselt, wirbelt zwar, hat aber nie Zählbares zustande gebracht. Yannis Tafer taugt als Einwechselspieler derzeit ebenso wenig wie Roman Buess. Und weshalb der von Zinnbauer wieder favorisierte Mohamed Gouaida im defensiven Mittelfeld besser sein soll als Alain Wiss oder Gianluca Gaudino? Man weiss es nicht, oder richtiger: Man sieht es nicht. Dass Gouaidas Stockfehler die Niederlage in Luzern und sein Fehlpass jene bei den Grasshoppers einleiteten, ist nur eine Randnotiz. Einzig bei dem in Sitten von Beginn an eingesetzten Tafer hatte Zinnbauer einen guten Riecher.

Leistungsträger: Die Hoffnungen auf Rückkehrer Tranquillo Barnetta waren gross. Noch zu Beginn der Rückrunde überzeugte er, nun aber wirkt der St. Galler ausser Form, seine Standards überzeugen nicht. Und je mehr sich das Team mit der Zeit finden sollte, desto mehr geht Barnetta im Kollektiv unter. Wäre er auf der Seite doch besser aufgehoben? Auch von Toko, Karim Haggui oder Sejad Salihovic, diesen weitgereisten Routiniers, müsste mehr kommen. An ihnen sollten sich Junge wie der latent unsichere Kofi Schulz aufrichten können.

Daniel Lopar: Note 4: Muss schon nach fünf Minuten retten, als Marco Schneuwly alleine auf ihn zuläuft. Hat danach lange wenig zu tun. Ist schliesslich aber bei beiden Gegentoren chancenlos. Pariert in der Schlussphase einen Weitschuss von Nicolas Haas und verhindert damit das 0:3. (Bild: pd)
Silvan Hefti: Note 3: Der junge St.Galler zeigt in der Defensive zunächst eine solide Leistung. Steht dann aber beim 0:2 zu wenig nahe bei Cedric Itten, der ihm enteilt und alleine vor Lopar trifft. Nach vorne zeigt Hefti zu Beginn zwei, drei verheissungsvolle Vorstösse, die aber letztlich nichts einbringen. (Bild: pd)
Karim Haggui: Note 4: Organisiert die Abwehr mit Übersicht. Im Kopfballspiel und eins-zu-eins-Situationen meist souverän. Bei Steilzuspielen wird er aber zu Beginn zweimal düpiert. Gegen Ende hin und wieder mit technischen Unsicherheiten. (Bild: pd)
Kofi Schulz: Note 2: Seine Aktionen nach vorne haben fast nie etwas Zwingendes. Auch in der Defensive in vielen Momenten ein Unsicherheitsfaktor, wird von Gegenspielern oft düpiert. Vor dem 0:1 verpasst er es, zu klären – und spielt einen gefährlichen Ball auf Gouaida. (Bild: pd)
Andreas Wittwer: Note 3: Willig und am Ball solide, findet den Zugang zum Spiel aber nur selten. Verpasst es in einer Situation vor der Pause, entschiedener in den Abschluss zu gehen. (Bild: pd)
Nzuzi Toko: Note 4: Kämpferisch zeigt Toko eine starke Leistung, ist vor der Abwehr physisch sehr präsent und entschärft viele Luzerner Angriffe schon in der Auslösung. Nach vorne ist von ihm aber weniger zu sehen als noch vor einigen Wochen. (Bild: pd)
Mohamed Gouaida: Note 2: Ist vor der Abwehr ein Unsicherheitsfaktor. Vertändelt in der Vorwärtsbewegung zu oft den Ball und strahlt wenig Ruhe aus. Zum Beispiel vor dem 0:1 nach gut 70 Minuten, als ihm der Ball vom Fuss springt. (Bild: pd)
Marco Aratore: Note 4: Laufbereit, fällt in der zweiten Halbzeit auf mit einer kämpferischen Leistung und mit seinen Vorstössen über rechts, die aber zu oft im Nichts versanden. (Bild: pd)
Sejad Salihovic: Note 3: Steht zum ersten Mal in der St.Galler Startformation. Hat zunächst Mühe, ins Spiel zu kommen und ist in der ersten Halbzeit kaum zu sehen. Nach der Pause deutet er seine Übersicht und seine technischen Fähigkeiten an – und hat mit einem starken Freistoss eine der grössten St.Galler Chancen. (Bild: pd)
Tranquillo Barnetta: Note 4: Nach einem schwächeren Spiel gegen Basel und der Sperre gegen die Grasshoppers gehört er wieder zu den besten St.Gallern. Macht kaum Fehler und ist sicher am Ball. Was fehlt, ist die Genauigkeit bei Abschlüssen und die entscheidende Aktion, die zu Gefahr führt. (Bild: pd)
Albian Ajeti: Note 3: Ist sehr bemüht, als einzige Sturmspitze aber sehr gut abgeschirmt von der Luzerner Verteidigung. Hat eine einzige Abschlusschance in der ersten Halbzeit, dabei rutscht ihm der Ball aber über den Rist. (Bild: pd)
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Die Noten der FCSG-Spieler gegen Luzern

Stillstand:Über das Kader des FC St. Gallen sagt man, es sei das beste seit Jahren. Trotzdem zeitigt kein Spieler Fortschritte, man stagniert. Womit wir beim FC St. Gallen wieder beim Bild mit dem Hamster wären, der sich abmüht: Er könnte mit Kreativität und Raffinement dem Vorhersehbaren ein Schnippchen schlagen.

Ambitionslosigkeit: Nachdem der FC St. Gallen am 23. Oktober auf den letzten Rang abgerutscht war, kämpfte er sich bis im Februar auf den fünften Platz vor. Weil mit Basel und Sion zwei nationale Spitzenteams den Cupfinal bestreiten, wird der fünfte Rang ein Europa-League-Platz sein. Zumindest in der Öffentlichkeit nahm nie einer der St. Galler Verantwortlichen die Wörter «Europa League» in den Mund. Anstatt unmissverständlich zu sagen, man wolle diesen Rang unter allen Umständen verteidigen, hiess es immer wieder: «Wir müssen nach hinten schauen.» Zwischen den Zeilen bedeutet das: Bitte habt keine Erwartungen! So wird in keinem Team der Hunger auf mehr geweckt, vielmehr schleicht sich Zufriedenheit ein – der Abstiegsplatz ist ja genug weit entfernt. Diese Ambitionslosigkeit ist auf die Dauer Gift für die Spieler, den Club und seine Anhänger.

Verunsicherung: Nach sechseinhalb Jahren stellt Präsident Dölf Früh sein Amt Ende Mai aus gesundheitlichen Gründen zur Verfügung. Der 65-Jährige hatte alle Machtkämpfe im Club im Griff. Auf Trainer Joe Zinnbauer liess er nie etwas kommen, Früh stand dem Deutschen auch in den turbulentesten Zeiten zur Seite. Nun aber weiss keiner, wie es beim FC St. Gallen weitergeht. Was passiert mit Zinnbauer, wenn sich weiterhin keine Fortschritte einstellen? Wenn er ab Sommer nicht mehr auf seinen Verbündeten an der Clubspitze zählen kann? Kann überhaupt etwas passieren, so lange Früh sein Aktienpaket behält? Selbstverständlich darf diese neue Ausgangslage in St. Gallen nicht herhalten als Ausrede für die zuletzt ungenügenden Leistungen, zumal seit Frühs Ankündigung, als Präsident zurückzutreten, erst eine Partie absolviert ist.

Konstanz: Als Zuschauer weiss man nicht, woran man beim FC St. Gallen ist. Als er sich im Herbst gefangen hatte und dann sogar gut in die Rückrunde startete, schien endlich Konstanz Einzug zu halten. Neun Spiele mit bloss einer Niederlage war die beste Serie seit dem Amtsantritt Zinnbauers im September 2015. St. Gallen wirkte selbstbewusst. Doch der Rückschlag folgte auf dem Fuss, St. Gallen verlor gegen Lugano. Danach gewannen die Ostschweizer zwar in Sitten mit 2:1. Doch in der Folge wurden die Leistungen wieder bescheidener, die Spieler unsicherer.

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