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FCSG: Das Auf und Ab des Boris Babic - jetzt muss der 21-Jährige seine Chance packen. Dies ist seine bewegende Geschichte.

Boris Babic spürt Aufwind. Für den Stürmer aus Walenstadt dürfte es im FC St.Gallen die letzte Chance auf den Durchbruch sein. Bis zum Ende der Saison noch läuft sein Vertrag.
Christian Brägger
Boris Babic, Ostschweizer Fussballer des Jahres 2017, hat den Fokus wiedergefunden. (Bild: Michel Canonica)

Boris Babic, Ostschweizer Fussballer des Jahres 2017, hat den Fokus wiedergefunden. (Bild: Michel Canonica)

Ihn hatte im FC St.Gallen fast niemand mehr auf der Rechnung. Als Boris Babics Leihe zu Vaduz nach eineinhalb Jahren in diesem Sommer auslief, war zu hören, die Ostschweizer würden ihn wohl verkaufen. Oder erneut verleihen. Weil es nicht reiche. Und dann spielte Boris Babic im dritten Meisterschaftsspiel gegen die Young Boys plötzlich von Beginn an.

In der Vorbereitung machte Peter Zeidler bald einmal seine Sicht der Dinge publik und sagte, Babic bringe etwas Besonderes mit und er wisse nicht, ob es klug sei, den Spieler abzugeben. Bereits im Winter wollte der Trainer des FC St.Gallen den Spieler zurückholen, die Liechtensteiner legten ihr Veto ein.

Nun aber ist Babic wieder da, oder in seinem Fall: noch immer hier. Seit 2014 und den Trainings unter Coach Jeff Saibene schwirrt der Name ja irgendwie in der Kabine der ersten Mannschaft herum. So gesehen ist der Stürmer der Dienstälteste im Kader, auch jetzt ist es wie oft in seiner Karriere: Nach einem Ab geht es wieder aufwärts.

Babic galt einst als grosses Versprechen

Um Babic ranken sich manche Geschichten, der 21-Jährige hat ja auch schon viel erlebt, in der Kindheit, im Fussball, trotz seines noch immer jugendlichen Alters. Er sei das grösste Versprechen der Ostschweiz, hiess es, Marco Otero etwa, der frühere technische Leiter von Future Champs Ostschweiz, sah ihn vor Albian Ajeti. Etwas faul sei der junge Babic, meinten die einen, er wirke nicht ganz fit, die anderen.

Boris Babic hat sich nicht immer wie ein Musterprofi verhalten. (Bild: Michel Canonica)

Boris Babic hat sich nicht immer wie ein Musterprofi verhalten. (Bild: Michel Canonica)

Es konnte vorkommen, dass Mitspieler Tranquillo Barnetta einen Sandwich-Konsum massregelte. Oder dass Babic als 18-Jähriger trotz Gesundheitstipps von Physio Simon Storm nach dem Training mit dem McDonalds-Pack herumlief. Nun sagt Babic:

«Mir ist im Fussball lange zu viel zu leicht gefallen, ich verlor teilweise den Fokus.»

Bis heute ist Babic ein Pendler zwischen den Welten geblieben. Die eine befindet sich in Walenstadt, wo er aufgewachsen ist und mit den aus Serbien stammenden Eltern eine Vierzimmerwohnung bewohnt, und in die Trainings nach St.Gallen fährt er jeweils mit dem Zug, weil es stressfreier sei. Der Vater schichtet seit vielen Jahren, die Mutter ist zu Hause und so gut es geht für das einzige Kind da, das sie Boris taufte; «Bori se» heisst im Serbischen «Kämpfe!», der Vorname sei mit Bedacht gewählt, sagt Babic nun:

«Seit ich denken kann, leidet meine Mama an Multipler Sklerose.»

Zweimal im Jahr fliegt sie nach Kuba in die Kur, weil die Luftfeuchtigkeit ihr guttut, zum Glück erst einmal habe er einen Schub miterleben müssen. Die Krankheit liess ihn früh selbstständig werden, mit zehn Jahren kochte er, wusch die Wäsche und unterstützte die Mutter, die Beziehung ist innig.

Mit 13 Jahren von zu Hause weg

Babics andere Welt ist der Fussball, mit 13 Jahren führte ihn dieser erstmals in die Ferne, er besuchte die Sportschule des Schweizerischen Fussballverbands in Emmen und lebte bei einer Gastfamilie. Als 15-Jähriger wohnte er in der Akademie des FC St.Gallen, der merkte, dass da einer besser sein könnte; bis auf die U21-Nationalmannschaft hat Babic auf allen Stufen gespielt.

Der Jüngling spürte sein Plus auch und wurde «leichtsinnig», wie er sagt, auch gab es vielleicht die eine Party zu viel. Als Babic kurzfristig in St.Gallen nicht weiterkam und er ans Niveau der Profis herangeführt werden sollte, verliehen ihn die Ostschweizer 2015 nach Biel, damals war dort Carlo Häfeli der Präsident, und der Club steuerte gerade auf einen Konkurs zu. Babic sagt:

«Häfeli wurde mein Berater, versprach mir viele Dinge – nichts traf ein.»

Zusehends fiel Babic der Spagat zwischen Fussball und Ausbildung schwer, die United School of Sports litt, immerhin ermöglichte Häfeli nach dem Leihjahr das obligatorische Praktikum in seiner Anwaltskanzlei in Zürich. Doch plötzlich kam das SMS, Babic solle sofort den Schlüssel abgeben und habe nie mehr zu kommen. Weshalb, weiss der Sarganserländer bis heute nicht.

«Ich war naiv», sagt Boris Babic. (Bild: Michel Canonica)

«Ich war naiv», sagt Boris Babic. (Bild: Michel Canonica)

Zurück in St.Gallen, brach er nach dem dritten von vier Ausbildungsjahren die Schule ab und setzte auf den Fussball. Den Schulabschluss will er unbedingt bald nachholen, das Leben sei in 13 Jahren ja noch nicht fertig. «Aber was soll ich sagen. Ich war jung, naiv und hatte nur das Eine im Kopf.»

Zuletzt lief es in Vaduz auch nicht, spätestens als Mario Frick im September 2018 der Trainer wurde und einen Zweimann­sturm ohne Babic forcierte. Oft musste dieser 45 Minuten lang einlaufen, ohne zum Einsatz zu kommen, der Kopf machte das nicht lange mit, und der Profi begann, mental abreissen zu lassen. Es war die Phase, in der Zeidler sich ein erstes Mal meldete. Und dann machte es klick.

Dann hat es klick gemacht

Babic fuhr die Aktivitäten in den sozialen Medien herunter, begann, auf Serbisch Psychologiebücher zu lesen, sich gesünder zu ernähren und individuell zu trainieren. Mit Milan Gajic hatte er in Vaduz einen «Bruder», der mithalf, dass er diesmal parat war für St.Gallen. Beratend war nun die Agentur von Bernhard Heusler, und in den Ferien gab es jetzt keine Party mehr, dafür Übungseinheiten.

«Ich habe jetzt zum ersten Mal im Leben ein Sixpack», sagt Babic lachend. Zudem halfen die Gespräche mit Alain Sutter, Babic spürt das Vertrauen des St.Galler Sportchefs, er hört ihm gut zu, will dessen Denkweise nachvollziehen und sagt:

«Ich war mental schwach, und es nützte nichts, wenn mir jemand professionell und gut zuredete. Ich musste es selber merken und deshalb ein paar Mal auf die Schnauze fallen.»

Babic hat begriffen, was man im FC St.Gallen von ihm will, und heute empfindet er den Verein so anders als früher, wie eine Familie, liebevoll, mit Herz. «Ich kam hier bei jedem Trainer stets nahe heran, aber nie darüber», sagt er.

Am Ende dieser Saison läuft der Vertrag aus, das Ziel, der definitive Durchbruch in der Super League, war schon weiter entfernt, doch dafür braucht er nun endlich Tore. Alles liege nur an ihm, sagt er. Babic hat den Modus gewechselt, er weiss, was es geschlagen hat.

Am Sonntag gegen den FC Lugano - und dann Pause

Nach der vorbezogenen Niederlage in Zürich hat der FC St.Gallen am Sonntag ab 16 Uhr im Kybunpark die letzte Möglichkeit, mit einem guten Gefühl in die lange Meisterschaftspause zu gehen. «Es wäre für unsere junge Mannschaft besonders wichtig, jetzt ein Erfolgserlebnis zu haben», sagt Trainer Peter Zeidler. Es könnte hierfür leichtere Gegner als den
FC Lugano geben, der in der vergangenen Saison die Ostschweizer regelmässig düpierte, auskonterte und zehn der zwölf möglichen Punkte holte.

Zeidler weiss, dass seine Matchpläne gegen die Tessiner, die in der Breite auch mit Marco Aratore nochmals zugelegt haben, zuletzt nicht aufgegangen sind. «Wir haben zu viele taktische Fehler gemacht. Aber wir haben gegen Lugano gute Chancen.» Punktemässig liegen die nicht gerade formstarken Ostschweizer, die ohne den gesperrten Miro Muheim auskommen müssen, mit vier Zählern gleichauf mit dem Gegner. Es bleibt zu hoffen, dass sie aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben und von der Rückkehr Milan Vilotics profitieren. Sonst würde der Druck viel zu früh ungleich grösser. (cbr)

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