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Interview

Majeed Ashimeru und Musah Nuhu sind das Dream-Team beim FCSG: «Wir tanzen immer»

Auch im Trainingslager des FC St.Gallen sind Majeed Ashimeru und Musah Nuhu zusammen. Die Afrikaner über ihr Leben in der Heimat, den Winter und was die Schweizer von ihnen lernen können.
Interview: Christian Brägger, La Manga
Die beiden Fussballer Musah Nuhu und Majeed Ashimeru sind Freunde fürs Leben – und beten gemeinsam fünfmal täglich. (Bild: Christian Brägger)

Die beiden Fussballer Musah Nuhu und Majeed Ashimeru sind Freunde fürs Leben – und beten gemeinsam fünfmal täglich. (Bild: Christian Brägger)

Afrika gilt als arm. Wie seid Ihr aufgewachsen?

Majeed Ashimeru: Ich wuchs ganz normal in einer ganz normalen Familie auf. Wir waren weder reich noch arm. Und wir wohnten in einem ganz normalen Haus.

Musah Nuhu: Mir ging es ähnlich wie «Ashi». Wir mussten nie leiden, hatten immer zu essen.

War der Fussball dennoch die Chance, mehr aus dem Leben zu machen?

Ashimeru: Ja. In Ghana haben wir zwar viele Talente, aber die Jungen erhalten wenig unterstützende Gelder für den Sport, sprich Stipendien. Bei uns ist nicht viel Geld im Spiel, in Europa ist das ganz anders. Natürlich habe ich in der Schweiz ein besseres Leben, der Fussball hat es sehr verändert, für mich und für meine Familie. Ohne ihn wäre ich wohl noch in Ghana und würde irgendeiner Arbeit nachgehen. Nun reise ich oft, sehe viele Dinge auf der Welt. Aber auch andere Menschen geniessen bei uns eine gute Ausbildung, studieren in Europa.

Nuhu: Ich verdanke dem Fussball sehr viel. Vor allem kann ich nun jeden Monat meine Familie unterstützen.

Auf Instagram bekommt man das Gefühl, Euer Leben ist eine einzige Party.

Ashimeru: Wir haben immer Spass, wollen immer lachen. Es ist manchmal schon verrückt. Als wir in der Winterpause in Ghana in den Ferien waren, waren Nuhu und ich ständig zusammen. Wir gingen ans Meer oder tanzten. Es war schon die ganze Zeit Party. In Ghana schlafen wir nie. (lacht)

Nuhu: Und es hat in Ghana keinen Schnee, sondern nur Sonne.

Majeed Ashimeru (Bild: Hanspeter Schiess)

Majeed Ashimeru (Bild: Hanspeter Schiess)

Ashimeru: Ich mag Schnee. Vor allem, wenn ich geschützt in einem Raum bin. Im Vorjahr hatte ich aber Probleme, als ich zum ersten Mal auf Schnee spielen musste. Heute ist es okay. Nuhu wollte ja immer Schnee sehen. Nun hat er ihn und will davonrennen. Ich sag ihm: Musah, da musst du durch, es schneit in St.Gallen immer und überall.

Fällt es den Afrikanern schwer, in Europa zu leben?

Nuhu: Es ist gar nicht so schwierig. Es kommt darauf an, wie du dich polst. Du musst dafür bereit sein. Und du darfst nicht immer an dein Zuhause denken.

Ashimeru: Man muss da durch. Natürlich vermissen wir unsere Familien, die Freunde. Und manchmal bist du einsam. Aber du willst ja dank deiner Arbeit etwas tun für die Familie.

Nuhu: Wir kennen uns erst zwei Jahre, sind gute Freunde. «Ashi» ist wie ein gefüllter Rucksack, der dich ständig begleitet. Wenn du etwas brauchst, ist er immer für dich da. Aber jetzt habe ich sowieso keine Probleme mehr, weil wir zusammenwohnen.

Also geht die Party in der Schweiz weiter.

Ashimeru: Ja, wir kochen immer zusammen.

Nuhu: Aber ich koche besser.

Ashimeru: Wir wohnen in einer WG, und im selben Haus wohnen auch Slimen Kchouk, Dereck Kutesa und Axel Bakayoko. Es ist lustig bei uns. Aber das ist ganz bestimmt nicht zum Schaden für den FC St.Gallen.

Es gibt die These, dass der Afrikaner zwei Jahre braucht, bis er in Europa funktioniert.

Ashimeru: Das sehe ich anders. Ich kam vor eineinhalb Jahren nach Österreich, und nun spiele ich schon bei St.Gallen. Das ist kein kleines Team. Man muss halt schnell lernen.

Nuhu: Ich bin das erste Mal in Europa. Für mich ist St.Gallen eine grosse Mannschaft. Ich musste mich in der Vorrunde zwar akklimatisieren, aber es wird besser und besser. Natürlich war es zu Beginn nicht einfach.

Musah Nuhu, in der Vorrunde spielten Sie nie. Nun sagen Beobachter, Sie werden immer besser. Man spricht vom nächsten Star.

Trainer Peter Zeidler mit Simone Rapp und Musah Nuhu.(Bild: Andy Mueller/freshfocus)

Trainer Peter Zeidler mit Simone Rapp und Musah Nuhu.
(Bild: Andy Mueller/freshfocus)

Nuhu: Das hoffe und erwarte ich auch. (lacht). Ich betrachte dies als Lernphase. Wenn alles weiter so läuft wie geplant, habe ich schon meine Ziele. Ich wurde nicht nervös, als ich in der Vorrunde nicht spielte. Alles war neu, alles brauchte seine Zeit. Meine Chancen kommen noch.

Ashimeru: Ich habe Nuhu immer gesagt, er müsse geduldig sein. Er muss zuerst warten und lernen, dann kommt der Rest von alleine. Es dauert seine Zeit, bis du System und Mitspieler kennst. Das muss wachsen. Er macht es gut im Training und in den Spielen. Hoffen wir, er packt es.

Weshalb wurden Sie, Majeed Ashimeru, in der Vorrunde zusehends schlechter?

Ashimeru: Sie haben recht. Aber so ist der Fussball manchmal. Es liegt an mir, wieder auf das Level zu kommen, das dem Team hilft.

Was könnt Ihr lernen von den deutschsprachigen Spielern?

Ashimeru: Ihre Einstellung ist unglaublich. Wir sind auch seriös, aber nicht so seriös wie die Schweizer. Sie sind immer fokussiert. Silvan Hefti zum Beispiel: Er ist so ernst vor dem Spiel, lacht nie, ist immer bereit. Davon könnte ich etwas mitnehmen.

Nuhu: Sie wollen dir immer helfen, muntern dich auf. Oder sie korrigieren bei Fehlern, wie etwa Tranquillo Barnetta.

Ashimeru: Dafür können die Schweizer von uns die lustigen Dinge lernen. Lernen, Spass zu haben. Wir tanzen immer in der Kabine, hören und machen Musik. Man muss nicht immer alles so ernst sehen. Vor dem Spiel sind natürlich auch wir sehr ernst, sonst kannst du nicht gewinnen.

Nuhu: Es ist nicht einfach, wenn du als Afrikaner in ein Team wie St.Gallen kommst. Wir müssen für alles kämpfen, es kommt nichts von alleine. Man muss lernen, sich durchzusetzen. Vielleicht können die Schweizer hier von uns abschauen.

Hinken die Afrikaner in Sachen Taktik weit hinterher?

Majeed Ashimeru beim Spiel gegen den FC Zürich im Oktober 2018. (Bild: Urs Bucher)

Majeed Ashimeru beim Spiel gegen den FC Zürich im Oktober 2018. (Bild: Urs Bucher)

Ashimeru: Wo wir herkommen, gibt es nicht so gute Coaches wie in Europa. Die afrikanischen Trainer gehen oft ins Ausland, um zu lernen. Wir ticken nämlich so: Stell uns aufs Feld und lass uns einfach spielen, egal wo, egal wie. Wir sind schon anders. Aber in der Akademie, die wir besuchten, gab es weisse Trainer und Taktik dank der holländischen Schule.

Seid Ihr gläubige Moslems?

Nuhu: Ja. Gemeinsam beten «Ashi» und ich fünfmal am Tag. Auch hier, im Trainingslager, wo wir im selben Zimmer sind.

Ashimeru: Ich glaube, dass da jemand ist, der uns hilft. Der uns in der Not beschützt. Der uns im Spiel führt. Der über allem steht und immer mit uns ist.

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