FC St.Gallen
Schiedsrichter-Chef Wermelinger nach dem Cupfinal: «Die Aktion an Görtler hätte Penalty geben müssen»

Schiedsrichter Tschudi hatte einige strittige Aktionen während des Cupfinals zwischen St.Gallen und Luzern zu beurteilen. Im Nachgang sorgten seine Entscheide für Unmut. Auch dass der Videoschiedsrichter in Volketswil nie eingriff, erzürnte das grün-weisse Fanherz. Schiedsrichterchef Daniel Wermelinger nimmt Stellung.

Christian Brägger
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Eine Szene, die zu reden gibt: Luzerns Torhüter Marius Müller trifft St.Gallens Lukas Görtler in der Schlussphase des Cupfinals voll am Kopf.

Eine Szene, die zu reden gibt: Luzerns Torhüter Marius Müller trifft St.Gallens Lukas Görtler in der Schlussphase des Cupfinals voll am Kopf.

Bild: Michel Canonica

Daniel Wermelinger, wie beurteilen Sie den Cupfinal? Mehrmals hätte doch der Videoassistent eingreifen müssen.

Aus unserer Sicht sprechen wir von einer Szene, in welcher der VAR hätte eingreifen müssen. Nicht korrekt waren wir in der Aktion zwischen Marius Müller und Lukas Görtler. Dort wäre Penalty der richtige Entscheid gewesen.

Wenn Schiedsrichter Tschudi in jener Szene der Schlussphase nicht Elfmeter gibt, weshalb greift der Videoschiedsrichter nicht ein?

Schiedsrichterchef Daniel Wermelinger

Schiedsrichterchef Daniel Wermelinger

Urs Lindt/Freshfocus

Für den Schiedsrichter war die Aktion – aufgrund seines Standortes - sehr schwierig zu beurteilen. In Volketswil sind wir bis jetzt mit Eingriffen sehr zurückhaltend gewesen, wenn es darum geht, dass der Spieler in einer solchen Aktion noch zum Abschluss kommt respektive den Ball noch spielen kann. Görtler hat den Ball in der erwähnten Aktion noch gespielt und konnte ihn ungehindert in Richtung Tor bringen. Das Foulvergehen von Müller kam erst anschliessend. Daher kam man in Volketswil zum Schluss, dass es sich nicht um einen klaren und offensichtlichen Fehlentscheid handelt, wenn der Schiedsrichter dies nicht als Foul taxiert. Diese Beurteilung ist im Nachhinein leider falsch und wird uns dazu zwingen, die Zurückhaltung in solchen Situationen zu überdenken.

Wie beurteilen Sie das Foul von Jérémy Guillemenot, der seinem Gegner Martin Frydek voll von hinten in die Beine grätschte?

Aus Sicht des Zuschauers kann ich eine gewisse Aufregung zwar nachvollziehen. Rein regeltechnisch aber muss man das Foulspiel von Jérémy Guillemenot an Martin Frydek differenziert betrachten: Die gelbe Karte bleibt für uns der richtige Entscheid, weil der Spieler nicht mit dem Stollen voran rutschte und der Ball noch in die Nähe war. Guillemenot kam in dieser Aktion zu spät und hat den Luzerner Spieler zu Fall gebracht.

Zudem sah es in TV-Bildern so aus, dass Pascal Schürpf beim dritten Luzerner Treffer im Abseits gestanden hatte.

In dieser Aktion kann man nicht von einem klaren und offensichtlichen Fehler sprechen. Die Aktion könnte nur mit den kalibrierten Linien zu 100 Prozent aufgelöst werden.

Und dann gab es noch das Foul an Thody Élie Youan in der 52. Minute. Das wäre doch ein Penalty gewesen, mit und ohne VAR?

Bei der Aktion mit Youan kam es zu einem leichten Zupfer. Diese Aktion fand ausserhalb des Strafraums statt. Somit kann der VAR gemäss Vorgaben in dieser Szene gar nicht einschreiten. Ein fälliger Freistoss hätte vom Schiedsrichter-Team erkannt und entschieden werden müssen.