FC St.Gallen
Ribeiros Wechsel ist eine Chance für den Spieler wie für die Ostschweizer

André Ribeiros Weggang vom FC St.Gallen ist logisch – beiden Parteien eröffnet es Möglichkeiten.

Christian Brägger
Drucken
Teilen
André Ribeiro nach dem 1:0-Führungstor gegen Luzern im Juli 2020. Insgesamt traf er dreimal für den FC St.Gallen.

André Ribeiro nach dem 1:0-Führungstor gegen Luzern im Juli 2020. Insgesamt traf er dreimal für den FC St.Gallen.

Bild: Claudio Thoma/Freshfocus

Der Sieger war der Fussball. Besonders am Mittwoch bei diesem intensiven, spektakulären 2:2 zwischen Servette und dem FC St.Gallen. André Ribeiro war da bereits kein Grünweisser mehr, der 23-Jährige hatte für sich ein neues Abenteuer bei den Grasshoppers aus der Challenge League gefunden, das er nun präferierte und als nächsten, wahrwerdenden Traum bezeichnete.

Nachvollziehbare Wechselgründe

Die Beweggründe, weg vom beschaulichen Osten der Schweiz hin zum lauten Chaosklub aus Zürich zu wechseln, liegen auf der Hand. Mit dem Blick aufs Ganze überrascht der Weggang jedenfalls kaum. Die Agentur von Spielervermittler Jorge Mendes, der bei den chinesischen GC-Besitzern eine Hausmacht hat, berät Ribeiro. Der Rekordmeister, dank Mendes portugiesisch geprägt auf der Trainerposition wie im Kader, suchte einen Akteur, der Schweizer ist; derzeit ist das Kontingent für ausländische Spieler ausgeschöpft. Ribeiro ist Westschweizer, hat portugiesische Eltern, und er ist der deutschen Sprache einigermassen mächtig.

Ribeiro war demnach naheliegend für die teuerste Mannschaft in der zweithöchsten Spielklasse, der Geld keine Rolle zu spielen scheint, dafür der Aufstieg so gut wie Pflicht ist. Deshalb ist wahrscheinlich, dass aus Zürich eine kleine Transfersumme nach St.Gallen überwiesen wird, zumal Ribeiro noch einen Vertrag bis im Sommer besass, welcher sich bei einer gewissen Anzahl Spiele um ein weiteres Jahr verlängert hätte.

Für die Grasshoppers macht der Wechsel also Sinn, auch weil sie sich in der Offensive schwertun. Doch was bedeutet der Abgang des Flügelspielers, der auch hinter den Spitzen agieren kann, für den FC St.Gallen?

Ribeiro und sein Können blieben verborgen

Fürs Erste einmal gar nicht so viel. Denn man muss festhalten, dass der im Wesen ruhige, fast scheue Ribeiro wie dessen Können dem geneigten Fan mehrheitlich verborgen blieben. Gewiss hatte der Spieler unter Trainer Peter Zeidler seine starken Momente seit der Ankunft im September 2019, aber sie blieben rar und waren kein Vergleich zu jenen Phasen, in denen er weniger zum Zug ab.

Spätestens als Basil Stillhart sich hinter den Spitzen mit Recht mehr und mehr etablierte, da wusste Ribeiro, was es geschlagen hat: Der FC St.Gallen kann eine Sackgasse und allein lobende Worte des Trainers über den Trainingseinsatz nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Denn eigentlich hatte sich Ribeiro bei den Ostschweizern festbeissen und erste Wahl sein wollen nach den missglückten zwei Saisons bei Braga; diesen Wechsel weg von der Jugend des FC Zürich hatte der frischgebackene Familienvater einst «als grossen Fehler» bezeichnet.

André Ribeiro und sein Freund Jérémy Guillemenot.

André Ribeiro und sein Freund Jérémy Guillemenot.

Bild: Andy Müller/Freshfocus

Sportchef Alain Sutter und Zeidler haben sich im FC St.Gallen auch wegen ökonomischer Zwänge auf Projekte spezialisiert, in denen sie gestrandete, hoffnungsvolle Talente zurück in die Spur bringen wollen. Selbstredend verbunden mit der Hoffnung, dass der Verein davon profitiert. So wäre es gewiss falsch, bei Ribeiro von einem missglückten Projekt zu sprechen. Doch den Durchbruch, den hat er trotzdem nicht geschafft, diesen sucht er nun bei den Grasshoppers.

Möglichkeit für eine Kaderjustierung

Mit dem zweiten Blick wird offensichtlich, dass die St.Galler eine nächste Möglichkeit bekommen für eine Kaderjustierung vor Transferschluss. Florian Kamberi, Fabiano Alves, Vincent Rüfli sind ebenfalls bereits weg, Euclides Cabral ist neu gekommen, wie, wenn man so will, nach Verletzungen Musah Nuhu, Nicolas Lüchinger und bald Lorenzo Gonzalez.

Es würde überraschen, suchten die Ostschweizer nicht noch einen zusätzlichen Schuss Würze für die Offensive. Die Meisterschaft ist bis auf Platz eins offen, zuletzt gab es wieder beschwingteren Fussball – und etwas Geld ist trotz Spardruck nun wieder frei.