FC ST.GALLEN: Plötzlich ist alles anders

In der Rückrunde war St.Gallens Martin Angha jüngster Captain der Super League, nun ist der U21-Nationalspieler noch Ersatz. Er sagt, er kämpfe um seinen Platz – und appelliert an die Mannschaft.

Patricia Loher
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St.Gallen neuer und alter Captain: Martin Angha (links) und Nzuzi Toko. (Bild: Ralph Ribi)

St.Gallen neuer und alter Captain: Martin Angha (links) und Nzuzi Toko. (Bild: Ralph Ribi)

Noch ist es nicht lange her, da war Martin Angha mit 21 Jahren der jüngste Captain in der Super League. Als ihm St.Gallens Trainer Joe Zinnbauer im Februar die Armbinde übertrug, sagte er: «Ich bin überzeugt, dass Angha auf dem Weg ist, ein sehr guter Captain zu werden.» Damals war die Welt für den Fussballer in Ordnung, er hatte sich nach seinem Wechsel von 1860 München nach St.Gallen in der Innenverteidigung etabliert. Es schien aufwärts zu gehen – mit ihm, mit der Mannschaft.

Doch acht Monate später ist alles anders. St.Gallen ist in der Krise gefangen, an diesem Wochenende droht der letzte Platz; Angha ist nicht mehr Captain und hat seinen Stammplatz verloren. Seit vier Meisterschaftsspielen wartet der 22-Jährige auf einen Einsatz, nachdem er zu Saisonbeginn noch gesetzt war. Die Captainbinde hatte der Zürcher freiwillig abgegeben. Nach einer für ihn, aber auch für die Mannschaft enttäuschenden Rückrunde «wollte ich mich wieder auf den Fussball konzentrieren».

Die Situation nagt an Angha

Doch bald schon verpflichtete St.Gallen mit Karim Haggui einen international erfahrenen Innenverteidiger, die Lage für Angha spitzte sich zu. Zuletzt setzte Zinnbauer je zweimal auf Haggui und Alain Wiss sowie auf Haggui und Roy Gelmi. Letztmals kam Angha beim 0:2 im Heimspiel gegen Lugano zum Einsatz. Eine Erklärung, weshalb er in den vergangenen acht Monaten vom Captain zum Ersatzspieler wurde, habe er nicht, sagt Angha und hält fest: «St.Gallen hat mit mir auch schon Spiele gewonnen.» Es ist spürbar, dass die Situation nagt am Verteidiger. «Die Lage ist nicht schön. Aber ich versuche, positiv zu bleiben.» Einzelgespräche brauche er jedenfalls nicht. «Ich weiss selber, was ich zu tun habe: Gas geben und auf eine nächste Chance hoffen.» Sein Trainer sagt, nach schwierigen Zeiten habe sich Angha zuletzt gefangen. Das sei im Training spürbar. Und vielleicht ist es das Glück des 22-Jährigen, dass er auch als Aussenverteidiger eingesetzt werden könnte. Nur, Angha sagt, er wolle sich in der zentralen Abwehr etablieren. Und sein Ziel ist es, das in St.Gallen zu schaffen. Es gab schon die eine oder andere lose Anfrage für ihn, «aber es war nie ein Club darunter, für den ich bereit gewesen wäre, in St.Gallen alles aufzugeben». Trotzdem stellt sich für einen wie ihn, der in der Schweizer U21-Nationalmannschaft Stammspieler ist, irgendwann die Frage, wie es weitergehen soll, fallen die Einsatzzeiten im Club weiterhin spärlich aus. Sein Vertrag läuft noch bis Sommer 2018. Angha sagt: «Ich habe andere Ansprüche, als auf der Ersatzbank zu sitzen.»

Und in dieser schon schwierigen Situation muss Angha, der die Nachwuchsabteilung des FC Zürich mit 16 Jahren in Richtung Arsenal verliess, dann über Nürnberg und 1860 München nach St.Gallen kam, nach dem Heimspiel gegen Thun auch noch in die Spitzensport-RS nach Magglingen einrücken. Am Morgen steht die militärische Ausbildung, am Nachmittag das Training auf dem Programm. Bis zur Winterpause wird er jeweils nur noch den Freitag und die Wochenenden mit dem FC St.Gallen verbringen.

Zuerst aber steht für die Ostschweizer morgen in Luzern ein wegweisendes Spiel an: Geht es verloren, droht der letzte Platz. Angha sagt, es sei nun an der Zeit, dass das Team Verantwortung übernehme. Es könne nicht sein, dass in der Öffentlichkeit immer nur der Trainer als Sündenbock herhalten müsse. «Es liegt an der Mannschaft, die Sache auf dem Platz zu regeln.» Helfen würde Angha dabei nur allzu gerne.