FC St.Gallen
Rassismus-Vorwürfe beim FCSG-Heimspiel: Sion-Torhüter Fayulu gibt an, als «Monkey» beschimpft worden zu sein – Espen entschuldigen sich

Das Spiel zwischen dem FC St.Gallen und dem FC Sion endete am Samstagabend mit mutmasslichen rassistischen Äusserungen gegen Sion-Torhüter Fayulu. Die Liga will die Angelegenheit sauber aufarbeiten. Derweil entschuldigt sich der FCSG bei Fayulu und sichert ihm volle Unterstützung zu.

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St.Gallens Nicolas Lüchinger im Gespräch mit Sions Serey Dié und Torhüter Timothy Fayulu vor der Rudelbildung.

St.Gallens Nicolas Lüchinger im Gespräch mit Sions Serey Dié und Torhüter Timothy Fayulu vor der Rudelbildung.

Bild: Claudio Thoma/Freshfocus

(pd/lex/ok) Wurde Sions Torhüter Timothy Fayulu rassistisch beleidigt oder nicht? Diese Frage gilt es zu klären. Nach dem Spiel zwischen dem FC St.Gallen und dem FC Sion ist es auf dem Feld zu tumultartigen Szenen gekommen. Mutmasslich vorausgegangen waren rassistische Äusserungen aus dem Publikum, wie es der Sion-Spieler Serey Dié vor laufender Fernsehkamera gegenüber Nicolas Lüchinger schilderte. Gemäss Serey Dié hätten rassistische Beleidigungen und Affenlaute den Sion-Torhüter zum Weinen gebracht.

Schmähgesang falsch verstanden?

Aus St.Galler Fankreisen ist allerdings zu vernehmen, dass es zu einem Missverständnis gekommen sein könnte. Sions Serey Dié sprach von Affengeräuschen Richtung Torhüter. Es kann aber gut sein, dass ein bekannter Schmähgesang in die Richtung des Schiedsrichters (Hu-Hu-Hu …) falsch verstanden wurde.

Nach dem Spiel sprach der FC Sion in einem Tweet volle Unterstützung für Fayulu aus – der Verein hoffe darauf, dass Sanktionen verhängt würden. Gegenüber «Blick» sagt Präsident Christian Constantin am Sonntag: «Tim weinte nach dem Spiel wegen den Beleidigungen. Sie hätten ihn als ‹Affen› und ‹N…› traktiert.»

Noch an der Pressekonferenz betonte FCSG-Coach Peter Zeidler, Rassissmus habe niemals Platz im FC St.Gallen.

Liga will Vorfall klären

Zum mutmasslichen Rassismus-Eklat äussert sich einen Tag nach dem Spiel Philippe Guggisberg, Sprecher der Swiss Football League. Gegenüber 20 Minuten sagt er:

«Wir müssen das jetzt erst einmal sauber aufarbeiten und klären, ob es zu diesem Vorfall gekommen ist.»
Philippe Guggisberg, Sprecher der Liga.

Philippe Guggisberg, Sprecher der Liga.

KEYSTONE/Peter Schneider

Er kündigt an, dass ab Montag aufgrund der Aussagen ein Verfahren eingeleitet werde. Weiter sagt Guggisberg, dass man sämtliche zur Verfügung stehenden Massnahmen nutzen werde. So unter anderem auf die Videosichtung und auf die Befragung von einzelnen Personen vor Ort. Für die Liga sei klar, dass Rassismus im Stadion keinen Platz habe.

«Wir verurteilen jegliche Form von Diskriminierung.»

FCSG entschuldigt sich – und sichert Unterstützung zu

Am Sonntagnachmittag bezieht der FC St.Gallen in einer Mitteilung Stellung. Darin heisst es:

«Rassismus und Diskriminierung, beleidigendes und respektloses Verhalten und Misstritte unter dem gerne als Entschuldigung angeführten Deckmantel der Emotionen haben beim FC St.Gallen 1879 keinen Platz.»

Jede Art von unsportlicher Aggression und verbaler Gewalt gegenüber Spielern und Schiedsrichtern würde aufs Schärfste verurteilt. Man wolle mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln und in Gesprächen mit den Fans untersuchen, was nach dem Schlusspfiff vorgefallen sei. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, werde konsequent eingeschritten.

In der Mitteilung weist der FC St.Gallen darauf hin, dass sich die St.Galler Fankurve klar und unmissverständlich von jeglicher Form von Rassismus distanziere. Schliesslich entschuldigt sich der Verein bei Sion-Torhüter Timothy Fayulu – ihm und allen anderen Spielern des FC Sion sichere der Verein den Respekt und die volle Unterstützung zu.

Gegenüber dem Blick sagt Fayulu am Sonntag, er sei als «Scheiss Fayulu» und «F... Monkey» (Anm. d. Red.: das englische Wort «Monkey» heisst «Affe») bezeichnet worden. Unter keinen Umständen habe er anschliessend einfach in die Kabine gehen wollen. Das hätte gewirkt, so der Sion-Torhüter, als würde er die Sache verharmlosen wollen.

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