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FC ST.GALLEN: Leitwolf auf der Ersatzbank: Wie Karim Haggui mit dem Ende Saison drohenden Aus umgeht

Im Sommer läuft Karim Hagguis Vertrag mit den Ostschweizern aus. Dennoch ist eine Trennung nicht zwingend. Weil der 34-jährige Tunesier in St.Gallen nicht mehr das grosse Geld verdienen muss.
Christian Brägger
Karim Haggui sagt: «Ich wünsche mir, dass bald eine Ansage von Alain Sutter kommt.» (Bild: Urs Bucher/Freshfocus (St. Gallen, 22. November 2017))

Karim Haggui sagt: «Ich wünsche mir, dass bald eine Ansage von Alain Sutter kommt.» (Bild: Urs Bucher/Freshfocus (St. Gallen, 22. November 2017))

Christian Brägger

Nein. Joe Zinnbauer hat er nicht mehr gesehen. Gehört hat er vom ehemaligen St.Galler Trainer nach dessen Entlassung ebenfalls nichts mehr. Sagt Karim Haggui. Das erstaunt, weil man dachte, Haggui sei wegen Zinnbauer in die Ostschweiz gekommen. Damals, im Sommer 2016.

Jetzt ist März 2018, und der Winter, mit dem Haggui bis heute nicht ganz Freund geworden ist, zieht sich zurück. Bis Ende Juni hat der Tunesier noch einen Vertrag mit dem FC St.Gallen. Was danach kommt, weiss er nicht. Was danach kommt, weiss auch der Verein nicht. Doppelbelastung mit Gruppenphase in der Europa League? Die Jungen noch mehr fördern? Weiter auf die Erfahrung der Routiniers zurückgreifen? Routiniers wie Haggui? Der Club muss die nächste Saison planen, das auf jeden Fall.

Nach der Winterpause nicht mehr im Kader

Seine Vorrunde nennt Haggui «ordentlich». Er war gesetzt in der Innenverteidigung, spielte einzig gegen Thun nicht über die volle Distanz. Aber dann war Sion der Gast in der ersten Rückrundenpartie, es war zugleich das letzte Spiel vor der Winterpause. Weil St.Gallen eine kleine Baisse hatte, stellte Trainer Giorgio Contini um und setzte Haggui auf die Bank. Seither stand der Spieler nicht mehr im Kader, stattdessen sein Körper im Fokus. In der Vorbereitung im Januar war es der Rücken, der zwickte, jüngst war es eine Entzündung in der Leiste – die beiden für sich leichten Verletzungen warfen Haggui zurück. Seit dieser Woche nun kann er wieder voll belasten.

Im Grunde gäbe Hagguis Fall keinen Anlass zu Diskussionen. Einem 34-Jährigen, der als langsam gilt, nicht immer fehlerfrei agiert, den Zenit überschritten hat und mindestens im Herbst der Karriere steht, gibt man keinen neuen Vertrag. Aber bei Haggui ist es anders, er ist anders. Ein Vorbild, ein Leitwolf, einer, den sie mögen obendrein. Captain Toko etwa sagt: «Haggui ist beliebt. Vor allem ist er eine unglaubliche Respektperson.» Auch Giorgio Contini sagt, Haggui sei fürs Team ein eminent wichtiger Faktor. Unabhängig davon, ob er spiele oder nicht. «Haggui ist alte Schule, sehr diszipliniert. Er ist einer, der alles mitbringt, um ein Eckpfeiler zu sein.»

Die Frage ist aber auch: Will Haggui, ein Spieler, dessen Karriere sich wie ein Beispiel aus dem Lehrbuch zeigt, der viele Jahre in der Bundesliga gespielt hat, will sich so einer die drohende Ersatzrolle überhaupt antun? Zumal auch die Bezüge ziemlich heruntergefahren würden? Haggui lächelt. Er sagt: «Ich muss mein Geld nicht heute verdienen. Sonst hätte ich in meiner langen Karriere etwas falsch gemacht.» Haggui geht es um den Sport, um das Maximum, das er auch in seinem Alter herausholen will. Bis zum Ende. Und das er für sich so festlegt: «Ich will mein privilegiertes Leben bis zum letzten Moment geniessen. Ich will einen guten Abschluss. Und ich will einer Mannschaft und einem ­Verein helfen. Ich habe mir das mit meiner Art verdient – egal, wo es stattfindet.»

Haggui will unbedingt weiterspielen, 16 Jahre Karriere sind nicht genug. So lange es halt gehe und so lange er sich wohl fühle, wolle er das tun, sagt der 82-fache Internationale. Dafür muss er seine Rolle kennen, die nicht mehr unbedingt eine dominante sein muss. Mit Sportchef Alain Sutter gab es im Wintertrainingslager ein erstes Gespräch, doch damals brannte es an anderen Orten im Verein. «Ich weiss nicht, was der Club will. Aber ich wünsche mir, das bald eine Ansage von Sutter kommt. Die Situation muss geklärt werden», sagt Haggui.

Das Reglement besagt, dass ein Spieler ein halbes Jahr vor Vertragsende mit einem neuen Verein offiziell verhandeln darf. Haggui hat das nicht getan, der FC St.Gallen soll erster Ansprechpartner sein. «Es muss alles sauber ablaufen, ich bin so», sagt er. Wieder lächelt Haggui, und es ist nicht ein Lächeln, das etwas kaschieren soll. Es gehört zu seinem Wesen, seiner Ausstrahlung. Dabei wirkt Haggui auf dem Platz doch ganz anders. Dort ist er ein Getriebener, der schon einmal gegenüber Mitspielern die Verbalkeule ausfährt und auch den Schiedsrichter nicht zum Freund hat. Im Umfeld des Vereins, auf und neben dem Trainingsplatz erhält man ein anderes Bild. Haggui sei einer, der sich um die Jungen kümmert – und der Innenverteidiger sagt: «Den Jungen gehört die ­Zukunft, ihnen will ich helfen.»

Haggui wird später Trainer werden – was sonst?

Das ist seine Trumpfkarte, dafür muss er nicht Stammspieler sein. «Wenn St.Gallen erfahrene Profis braucht, auch in der Rolle des Ergänzungsspielers, dann würde ich dies nehmen.» Egal, zu welchen Konditionen und in welcher Funktion. Irgendwie wünscht man sich, der FC St.Gallen möge Haggui weiter beschäftigen. Weil es diesem Hünen dann weiter gut geht, weil er weiter die Kabine spürt, den Geruch dieses heiligen Raumes. Und weil Haggui sagt, dass das Ende der Karriere nicht einfach sein werde für ihn. Immerhin hat der zweifache ­Familienvater vorgesorgt. In Deutschland absolviert er gerade die ­Trainerausbildung für die ­Elite-B-Junioren. Im Fussball, in der Arbeit mit den Jungen sieht er also die Zukunft, wo sonst. Er konnte ein paar Schritte in der Ausbildung überspringen, weil der Deutsche Fussballbund etablierte Bundesligaprofis belohnt.

Haggui hat keine Erwartungen an St.Gallen. Aber er will Klarheit, will bald wissen, was er zu tun hat. Und wo das sein wird. Man werde auf ihn zukommen, hat es geheissen. Egal, was Sutter ihm bescheiden wird: Haggui wird nicht böse sein. Nicht in ­dieser Phase der Karriere.

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