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Der FC St.Gallen und die Suche nach dem verlorenen Pünktchen

Nach dem knapp verlorenen Rennen um die Europa League sitzt die Enttäuschung beim FC St. Gallen tief. Doch wäre der dritte Platz nicht zu viel Lohn für eine inkonstante Saison gewesen? Nur: Diese Frage stellt sich bei allen Teams im Tabellenmittelfeld.
Ralf Streule
Tranquillo Barnetta (Mitte) hätte dem FC St.Gallen in seinem letzten Spiel gerne noch zur Europa-League-Qualifikation verholfen. (Bild: Claudio Thoma/Freshfocus)

Tranquillo Barnetta (Mitte) hätte dem FC St.Gallen in seinem letzten Spiel gerne noch zur Europa-League-Qualifikation verholfen. (Bild: Claudio Thoma/Freshfocus)

Dem 30. August dieses Jahres wird die Vereinsführung des
FC St. Gallen nicht gerade entgegenfiebern. Die Auslosung zur Europa League wird dann stattfinden. Lugano erfährt, ob es allenfalls mit Wolfsburg, Arsenal, Sevilla oder Mönchengladbach in eine Gruppe eingeteilt wird. Eine denkbare knappe Entscheidung, eine Zentimeter-Entscheidung, hat den Tessinern diese Ausgangslage beschert.

Sie hatten am Samstag beim 3:3 gegen die Grasshoppers zwar gepatzt, St. Gallen aber nahm dieses Geschenk nicht an und spielte in Zürich auch nur 1:1. Der Moment, in dem St. Gallens Mittelfeldspieler Majeed Ashimeru kurz vor Saisonende die Grosschance gegen Zürich vergibt – eben: um Zentimeter–, wird dem St. Galler Fan wohl noch lange immer wieder in Erinnerung gerufen. Zum Beispiel am 30. August.

Zeidler sagt, es gebe Wichtigeres als Fussball

Die Enttäuschung bei den St. Gallern war grenzenlos. Und es hatte fast etwas Rührendes, wie Trainer Peter Zeidler eine Stunde nach Spielende mit gebrochener Stimme in die Mikrofone sagte, es gebe Wichtigeres als Fussball. Und damit dennoch irgendwie verriet, dass die Verarbeitungszeit in den Ferien noch etwas länger andauern könnte.

Wenn zwischen dem dritten und sechsten Platz nur das Torverhältnis entscheidet, dies nach 36 Runden, erinnert das an einen Hunderstelskrimi in einem Skirennen – oder an ein Tor im Eishockey, das erst vier Zehntelsekunden vor dem Schlusspfiff fällt. «Zufall!», möchte man denken, erhält aber schnell entgegnet: Im Sport gibt es keine Zufälle, am Ende hat die Tabelle ihre Richtigkeit.

Hätten es die St.Galler mit einem Torverhältnis von Minus Neun und einer grossen Inkonstanz verdient, auf den dritten Rang zu klettern? Diese Frage wurde am Samstag nach dem Spiel oft gestellt. Sie kann aber genauso auf St. Gallens Gegner angewendet werden. Hat es Lugano verdient, mit einer schwachen Hinrunde und nur zehn Siegen die Millionen abzukassieren? Wäre Thun, nach zuletzt 15 Spielen mit nur zwei Siegen, ein verdienter Europa-League-Teilnehmer gewesen? Thun wäre zum Handkuss gekommen, wenn Lugano gegen GC am Samstag nicht in letzter Minute das 3:3 erzielt hätte. Inkonstant waren alle diese Teams, zur Gruppe gesellen sich auch der FC Zürich, Sion und Luzern. Der harte finanzielle Schnitt, den Europas Fussball in den nationalen Ligen ansetzt, wirkt bei dieser Konstellation besonders skurril.

St.Gallen zieht die Inkonstanz durch die ganze Saison

Die Inkonstanz der genannten Teams unterscheidet sich in einem wichtigen Punkt. Liessen Zürich und Thun auf einen starken Herbst einen schwachen Frühling folgen (nur noch 19 bzw. 18 Punkte in der Rückrunde), machte Lugano mit einem starken Saisonschluss die 46 Punkte voll. St. Gallen fällt aus dem Rahmen. Waren die anderen Teams immerhin in gewissen Phasen konstant, zogen die Ostschweizer die Inkonstanz quasi durch die ganze Saison. Je 23 Punkte holten sie in der Vor- und Rückrunde. Womit sie immerhin den Ruf des schlechten Rückrundenteams etwas ablegen können – in den vorangegangenen Spielzeiten holten sie nach der Winterpause 20 und 21 Punkte. Die Schwankungen waren dafür von Spiel zu Spiel umso grösser.

Enttäuschung bei St.Gallens Musah Nuhu und Zürichs Stephen Odey. (Bild: Claudio Thoma/Freshfocus)

Enttäuschung bei St.Gallens Musah Nuhu und Zürichs Stephen Odey. (Bild: Claudio Thoma/Freshfocus)

Der Wille war im Letzigrund erst spät erkennbar

Diese Schwankungen dürften mit Zeidlers Offensivfussball zu tun haben, der attraktiv wirken kann, aber eben auch dem geschickt verteidigenden Gegner Räume für Konter öffnet. Diesbezüglich hat sich das Team zuletzt etwas stabilisiert. Zeidler wird pragmatischer – was kein schlechtes Zeichen für die kommende Saison sein muss. Auch der Auftritt der St. Galler im Letzigrund war kein schlechter – es waren mehr Automatismen im Spiel erkennbar als zu Beginn der Saison, auch als zu Beginn der Rückrunde. Torschütze Jérémy Guillemenot oder Dereck Kutesa zeigten starke Leistungen, sie sind jung und im Aufwind. Und auch Cedric Itten zeigte bei seiner Rückkehr mit einem Kurzeinsatz, dass er bereit ist. Was im Letzigrund hingegen enttäuschte: Der Wille, das Tor zur Europa League aufzustossen, war erst sehr spät erkennbar.

Will man sich aus Sicht der St. Galler auf die Suche nach dem fehlenden Pünktchen machen, muss man dies aber nicht am Samstag tun. Viel eher stösst man auf die Partien gegen Luzern oder Lugano. Zu viele einfache Zähler sind den Ostschweizern in diesen Partien entgangen. Ein Knackpunkt war wohl das 2:2 im Kybunpark gegen Lugano, als nicht nur Itten für ein halbes Jahr ausser Gefecht gesetzt wurde, sondern St.Gallen auch noch ein 2:0 vergab. Fairerweise sei gesagt: Aus St Galler Sicht waren dafür die Punkte gegen Xamax nicht allesamt verdient. Am Ende hat die Tabelle halt vielleicht doch recht – auch in dieser Knappheit.

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