FC ST.GALLEN: Einfach nur schlecht

Der FC St.Gallen ist in Luzern chancenlos. Er verliert deswegen nur 0:3, weil der Gegner fünfmal die Latte trifft. Trainer Joe Zinnbauer ist mehr als angezählt, es will einfach nicht passen.

Christian Brägger/Luzern
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Roy Gelmi trottet nach der Klatsche gegen den FC Luzern vom Platz. (Bild: URS FLUEELER (KEYSTONE))

Roy Gelmi trottet nach der Klatsche gegen den FC Luzern vom Platz. (Bild: URS FLUEELER (KEYSTONE))

Joe Zinnbauer war dünnhäutig, bedient, mies gelaunt. Jetzt noch an die Pressekonferenz, als Trainer des Tabellenletzten, dort aufs Podium, ausgestellt sein, sich den kritischen Fragen stellen. Dies so unmittelbar nach diesem blamablen 0:3, gegen diesen angezählten FC Luzern, der davor in sechs Meisterschaftsspielen lediglich einen Punkt geholt hatte. Das konnte nicht gutgehen. Als das kurze Gespräch – es dauerte 150 Sekunden – auf seine Person und Position gelenkt wurde, da wurde es ihm zu bunt. «Wollen Sie über mich reden oder über das Spiel? Ich rede nur über die Partie.» Keine weiteren Fragen mehr, wortloser Abgang. Das verdutzte die anwesende Journalistenschar, so hatten sie den Coach des FC St.Gallen noch nie erlebt.

Doch Zinnbauer hätte am Ende auch mit salbungsvollen Worten keine Kosmetik betreiben können, die Meinung war gemacht, weil alle es gesehen hatten: St.Gallen hatte eine inferiore Leistung abgeliefert in dieser von Zinnbauer als Sechs-Punkte-Spiel bezeichneten Affiche. Im Eiltempo hatte er sie in aller Deutlichkeit resümiert: «Es gibt nichts zu analysieren. Das Beste war das Resultat. Anfangs haben wir noch gut gespielt, der Rest war einfach nur schlecht. Das habt Ihr doch gesehen.»

St.Gallens Silvan Hefti im Spiel gegen Luzerns Joao Oliveira. (Bild: Keystone)
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Luzerns Tomi Juric (r.) schiesst das 1:0 für den FC Luzern. St.Gallens Karim Haggui kommt zu spät. (Bild: Keystone)
Kämpfen um jeden Ball: Luzerns Tomi Jurict gegen Espe Karim Haggui. (Bild: Keystone)
St.Gallens Roman Buess. (Bild: Keystone)
Luzerns Tomi Juric feiert sein Tor mit den Fans. (Bild: Keystone)
Die Luzerner, hier mit Jerome Thiesson gegen St.Gallens Silvan Hefti, waren am Ende das stärkere Team. (Bild: Keystone)
Lässt sich feiern: Luzerns Tomislav Puljic, der Schütze zum 2:0. (Bild: Keystone)
Per Kopf erzielt Tomislav Puljic für Luzern das 2:0. (Bild: Keystone)
Freude herrscht bei Tomislav Puljic. (Bild: Keystone)

St.Gallens Silvan Hefti im Spiel gegen Luzerns Joao Oliveira. (Bild: Keystone)


Den Faden nach neun Minuten verloren
In der Tat war, bis auf die Startminuten, alles einfach nur schlecht. Spätestens ab der neunten Minute, als Albert Bunjaku auf der Seite den Ball nicht annehmen konnte. Markus Neumayr erbte, passte scharf in die Mitte, Luzerns Tomi Juric vollendete im Stile eines Topstürmers, Goalie Daniel Lopar war chancenlos. Die Partie war von diesem Zeitpunkt an gelaufen, der FC St.Gallen in der Swissporarena vor fast 11?000 Zuschauern wieder verunsichert wie eh und je. Luzern kam reihenweise zu Topchancen – alleine in der 35.?Minute traf es zweimal die Latte, vor der Pause ein weiteres Mal. Immerhin stand es bis dahin nur 0:1, man hoffte auf die zweiten 45 Minuten, es konnte nur besser werden. Man hoffte vergebens, Luzern blieb überlegen. Tomislav Puljic traf in der 57. Minute mit dem Kopf zum 2:0, zwölf Minuten später erzielte Christian Schneuwly das verdiente 3:0, dazu setzten die Zentralschweizer nochmals zwei Abschlüsse an die Latte.

Enttäuscht, zerknirscht, ratlos: Joe Zinnbauer nach der jüngsten 0:3-Pleite beim FC Luzern. (Bild: URS FLUEELER (KEYSTONE))
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Voller Hoffnungen: Joe Zinnbauer am 22. September 2015 vor seinem ersten Spiel als FCSG-Trainer. (Bild: Urs Bucher)
Mit einem späten Treffer sicherte Roy Gelmi (rechts) Joe Zinnbauer in dessen erstem Spiel als FCSG-Trainer die ersten drei Punkte. (Bild: Urs Bucher)
Grosser Jubel bei Joe ZInnbauer nach Abpfiff: Die ersten drei Punkte sind im Trockenen. (Bild: Urs Bucher)
26. September 2015: Zinnbauers erstes Gegentor als FCSG-Trainer. Shani Tarashaj trifft für GC. Der Match ging schliesslich 1:1 aus. (Bild: ANTHONY ANEX (KEYSTONE))
4. Oktober 2015: Die St.Galler bejubeln die Führung gegen Sion. Schlussresultat: 1:1. (Bild: ANTHONY ANEX (KEYSTONE))
Der Match gegen Sion blieb vielen vor allem wegen der emotionalen Verabschiedung von Ex-Trainer Jeff Saibene in Erinnerung. (Bild: Benjamin Manser)
Zinnbauers erste Pleite: Am 18. Oktober 2015 gingen die St.Galler in Lugano sang- und klanglos mit 1:3 ein. (Bild: DAVIDE AGOSTA (TI-PRESS))
Später 2:2-Ausgleich: Am 24. Oktober 2015 rettete Dzengis Cavusevic dem FCSG in der Nachspielzeit auswärts beim FCZ einen Punkt. (Bild: WALTER BIERI (KEYSTONE))
Jubel am 1. November 2015: Der FC St.Gallen hat mit dem 1:0 gegen Luzern Revanche genommen für die Cuppleite gegen denselben Gegner wenige Tage zuvor. (Bild: Benjamin Manser)
Auswärtssieg in Thun: Die Berner Oberländer haben in der ersten halben Stunde dreimal den Pfosten getroffen- dank Toren von Egar Salli (Bild) und Danijel Aleksic gewann der FCSG am 8. November 2015 trotzdem. (Bild: MARCEL BIERI (KEYSTONE))
Gross war die Vorfreude der Fans auf den Hit gegen Branchenprimus Basel am 22. November 2015... (Bild: Urs Bucher)
Als dann der Schnee kam, drehte St.Gallen auf: 2:1-Sieg gegen den FCB. (Bild: Urs Bucher)
Ein enttäuschter Daniel Lopar am 28. November 2015 - 1:2-Auswärtsniederlage bei den Young Boys. (Bild: PETER KLAUNZER (KEYSTONE))
Am 6. Dezember 2015 kam der Samichlaus in die Arena - und die Espen waren gegen Vaduz wieder einmal die Chläuse: Es gab nur ein erknorztes 2:2 gegen die Ländle-Kicker. (Bild: Beat Belser)
An diesem Match war auch Ex-Espe Tranquillo Barnetta im Stadion. (Bild: GIAN EHRENZELLER (KEYSTONE))
Guter Auftritt, keine Punkte: Am 7. Februar 2016 verliert der FCSG zum Auftakt der Rückrunde daheim 1:2 gegen Thun. (Bild: Ralph Ribi)
Am 21. Februar 2016 sorgten St.Galler Chaoten für einen Spielunterbruch in Luzern. Grünweiss gewann schliesslich mit 1:0. (Bild: URS FLUEELER (KEYSTONE))
Ein skeptischer Joe Zinnbauer am 28. Februar 2016: Sein Team erzielt im Heimspiel gegen Lugano drei Tore - es gibt aber trotz einer 2:0-Führung nur einen Punkt. (Bild: NICK SOLAND (KEYSTONE))
7. März 2016: Frühes Rot für Mario Mutsch. Trotzdem gewinnen die Ostschweizer nach einer überzeugenden Leistung 2:0 gegen GC. (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))
Joe Zinnbauer freut sich über die drei Punkte gegen GC trotz einer 75-minütigen Unterzahl. (Bild: Urs Bucher)
Feurige St.Galler Fans am 13. März 2016 in Basel. Die Ostschweizer überzeugen, gehen schliesslich aber trotzdem mit einer 2:4-Niederlage vom Platz. (Bild: GEORGIOS KEFALAS (KEYSTONE))
Zehn Punkte für diese Choreo der Espen-Fans - null für die Mannschaft: 2:3-Heimpleite gegen YB am 19. März 2016. (Bild: Ralph Ribi)
0:4 beim FC Zürich am 2. April 2016 - die Talfahrt von Joe Zinnbauers Mannen nimmt ihren Lauf. (Bild: WALTER BIERI (KEYSTONE))
Die nächste Niederlage: 10. April 2016 - Vaduz besiegt den FCSG 3:0. Gianluca Gaudino stellt sich nach dem Match den Espen-Fans. (Bild: GIAN EHRENZELLER (KEYSTONE))
Ausgleichtreffer im Wallis: Daniel Lopar kassiert am 13. April 2016 das 1:1 nach einer frühen Führung der Espen. (Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT (KEYSTONE))
Die Mutter aller Heimpleiten: St.Gallen - Basel 0:7, heisst es am 17. April 2016. Eine halbe Stunden halten die Espen einigermassen mit - danach spielen sie sich ins Elend. (Bild: Benjamin Manser)
Kurzes Zwischenhoch: Wenige Tage nach dem Basel-Debakel bezwingen die St.Galler - im Bild Edgar Salli und Danijel Aleksic - Sion mit 2:1. (Bild: GIAN EHRENZELLER (KEYSTONE))
Drei Tage nach dem Sion-Heimsieg ist die Hausse bereits wieder vorbei: GC - FCSG 2:0 (23. April 2016). (Bild: WALTER BIERI (KEYSTONE))
Die nächste Vaduz-Pleite, und die nächste Aussprache mit den empörten Fans: Am Tag der Arbeit haben die St.Galler keinen Bock, sich zu zerreissen - und verlieren daheim mit 1:3. (Bild: SEBASTIAN SCHNEIDER (KEYSTONE))
Tor für den FCSG! Albert Bunjaku trifft am 7. Mai 2016 - Schlussresultat: Thun - St.Gallen 2:2. (Bild: PETER SCHNEIDER (KEYSTONE))
Keine Chance in Bern: Am 12. Mai 2016 verlieren die Espen 1:3 bei YB und kommen immer mehr in den Abstiegsstrudel. (Bild: DANIEL TEUSCHER (PHOTOPRESS))
Der Befreiungsschlag: Am 16. Mai 2016 brillieren die Espen beim 3:0 gegen den FCZ - sie haben sich den Ligaerhalt damit faktisch gesichert. (Bild: Ralph Ribi)
Nach dem Ligaerhalt könnten die St.Galler am 22. Mai 2016 befreit aufspielen gegen den FC Luzern. Sie gehen daheim 1:4 unter und verärgern ihre Anhänger ein weiteres Mal. (Bild: Urs Bucher)
Auch im letzten Spiel der Saison 2015/2016 lässt sich St.Gallen gehen und unterliegt Lugano auswärts mit 0:3. Die Tessiner sichern sich damit auf Kosten des FC Zürich den Ligaerhalt. (Bild: GABRIELE PUTZU (KEYSTONE/TI-PRESS))
Neue Saison, neue Hoffnung - und endlich eine FCSG-Hymne - sie liegt vor dem ersten Match der Saison 2016/2017 in der AFG Arena auf. (Bild: Benjamin Manser)
Hymne hin oder her: St.Gallen findet im ersten Saisonspiel gegen YB den Takt nicht, hat praktisch keine Torchancen und verliert mit 0:2. (Bild: Benjamin Manser)
Zweites Saisonspiel, zweite Niederlage: 1:2 in Sion am 30. Juli 2016. (Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT (KEYSTONE))
Endlich wieder St.Galler Jubel: Am dritten Spieltag der neuen Saison bezwingen die Espen GC mit 2:1. (Bild: Ralph Ribi)
Die nächste Niederlage folgt auf dem Fuss: Am 11. August 2016 verlieren die St.Galler bei Aufsteiger Lausanne mit 0:1 - Joe Zinnbauer im Gespräch mit Assistent Daniel Tarone. (Bild: JEAN-CHRISTOPHE BOTT (KEYSTONE))
Auch in der neuen Saison müssen sich die St.Galler nach dem Spiel bei Vaduz ihren Anhängern erklären - im Ländle setzt es am 21. August 2016 eine 0:2-Pleite ab. (Bild: GIAN EHRENZELLER (KEYSTONE))
Beste Rahmenbedingungen im Kybunpark am 28. August 2016 vor dem Heimspiel gegen Luzern... (Bild: Urs Bucher)
... und auch für die Espen scheint die Sonne: Klares 3:0 nach einer tollen Leistung gegen den FC Luzern. (Bild: Urs Bucher)
Doch die St.Galler Anhänger werden bereits im nächsten Heimspiel wieder bitter von ihren Lieblingen enttäuscht: 0:2 gegen Lugano nach einem ganz schwachen Auftritt. (Bild: Urs Bucher)
Immer, wenn Joe Zinnbauer und seine Mannen das Messer am Hals haben, gewinnen sie - so auch am 20. September 2016: 2:1 beim FC Thun. (Bild: PETER SCHNEIDER (KEYSTONE))
Gut gespielt und trotzdem verloren: Ein Anhänger beim 1:3 des FC St.Gallen gegen Basel am 24. September 2016. (Bild: Benjamin Manser)
Ausgleich in der Nachspielzeit: Die St.Galler feiern Torschütze Albert Bunjaku (vorne links) beim 2:2 bei YB. (Bild: ANTHONY ANEX (KEYSTONE))
Es geht einfach nicht gegen Vaduz: Enttäuschte St.Galler trotten am Sonntag nach der 0:2-Heimniederlage vom Feld. (Bild: GIAN EHRENZELLER (KEYSTONE))
"Zinnbauer raus!", schallte es dem FCSG-Trainer nach der jüngsten Heimniederlage von den Rängen entgegen. (Bild: GIAN EHRENZELLER (KEYSTONE))
Joe Zinnbauer während der jüngsten Pleite seines Teams beim FC Luzern. (Bild: URS FLUEELER (KEYSTONE))

Enttäuscht, zerknirscht, ratlos: Joe Zinnbauer nach der jüngsten 0:3-Pleite beim FC Luzern. (Bild: URS FLUEELER (KEYSTONE))


Bankrotterklärung
St.Gallen seinerseits blieb ohne Torchance, es hätte höher verlieren müssen, so sehr stand es Spalier. Zwar fehlte es nicht am Einsatz, dafür an der spielerischen Qualität. Und es war bedenklich, dass niemand ausser Lopar auch nur annähernd seine Normalform fand. Vielmehr offenbarte sich teilweise gar Überforderung.
Zinnbauer hatte die Niederlage gegen Vaduz noch als «Ausrutscher» bezeichnet, dieser Auftritt kam nun einer Bankrotterklärung gleich. Er haftet ihm an, seine neuerlichen Rochaden hatten wieder nicht gefruchtet. Gewiss hatte der Deutsche kein schönes Spiel erwartet, aber ein solches? Der Zustand des Teams hinterliess grosse Ratlosigkeit, was wenig Gutes und Unruhe für die heutige Generalversammlung des Vereins verheisst. Es bleibt wohl fraglich, ob Zinnbauer die Spieler wieder aufrichten kann – und darf. Stellung bezog Captain Toko: «Unsere Leistung war eine Katastrophe. Der Coach gibt die Taktik vor, aber er kann sich ja nicht selbst aufstellen. Wir stehen auf dem Platz.»

"Es ist zwölf Uhr": Lesen Sie hier den Kommentar unseres Sportredaktors Christian Brägger