FC St.Gallen
Ein 1:1 im Sittener Gefrierschrank – doch die Espen müssen dem verschossenen Elfmeter von Quintillà nachtrauern

Mit einem letztlich wohl gerechten Unentschieden bleiben die St.Galler im Tabellenmittelfeld. Wenigstens verlieren sie trotz Überlegenheit und leichtem Chancenplus dieses Mal nicht in der Nachspielzeit.

Christian Brägger
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In diesem Duell gegen gegen Roberts Uldrikis bleibt St.Gallens Goalie Lawrence Ati Zigi Sieger.

In diesem Duell gegen gegen Roberts Uldrikis bleibt St.Gallens Goalie Lawrence Ati Zigi Sieger.

Bild: Urs Lindt/Freshfocus

Die Spielwertung

Spannend und intensiv ist das zweite Aufeinandertreffen zwischen Sion und St.Gallen alleweil. Aber längst nicht mehr so gut wie vor zehn Tagen. Letztlich ist die Punkteteilung gerecht, das Spiel könnte auf beide Seiten kippen. Spielnote: 3,5

Die Tore

  • 1:0, 4.Minute, Anto Grgic: Goalie Lawrence Ati Zigi vereitelt eine Chance, St.Gallen will sich spielerisch aus der Umklammerung befreien, schafft dies aber nicht. Anto Grgic schiesst nochmals aus der Distanz – und trifft Musah Nuhus Unterarm: Grgic, der Dreitoremann  vor zehn Tagen gegen St.Gallen, lässt sich die Penaltymöglichkeit nicht entgehen.
  • 1:1, 51.Minute, Jérémy Gillemenot: Kwadwo Duah passt seitlich in den Sechzehner der Sittener. Dort steht Jérémy Guillemenot sträflich alleine und platziert einen strammen, tückischen Aufsetzer in die weite Torecke. 

Die Spielanalyse

Der FC Sion hat unter der Woche das Ausscheiden im Cup gegen Aarau verdauen müssen, während St.Gallen nach drei Niederlagen in Serie bei Servette einen guten Punkt geholt hat. Und es nun beim zweiten Auftritt innert zehn Tagen im Wallis unbedingt besser machen will als damals beim 2:3. So wird es zwischen diesen beiden Teams hinsichtlich Klubpolitik (Trainer FC Sion) und Tabellenplatz (beide Mannschaften) wieder einmal ein kleines Wegweiserspiel, in welches St.Gallens Trainer Peter Zeidler in der Innenverteidigung Musah Nuhu schickt. Während Leonidas Stergiou auf die rechte Abwehrseite ausweicht.

In diese letzte Etappe ihrer Tour de Romandie starten die Ostschweizer denkbar schlecht und geraten bei Minustemperaturen bereits nach vier Minuten und einem verwandelten Handspenalty von Anto Grgic in Rückstand. Danach sind die St.Galler endlich wach, Lukas Görtler kommt zu einer guten Möglichkeit. Dank Kwadwo Duah gibt es für den FC St.Gallen in der 14. Minute die Ausgleichschance schlechthin, nachdem er im Sechzehner von Jean Ruiz gefoult worden ist: Doch Jordi Quintillà scheitert kläglich vom Elfmeterpunkt – wie schon in der Wintervorbereitung gegen Altach.

Captain Jordi Quintillà ist nach dem verschossenen Penalty untröstlich.

Captain Jordi Quintillà ist nach dem verschossenen Penalty untröstlich.

Bild: Laurent Gilliéron/KEYSTONE

In der 24.Minute hat Jérémy Guillemenot eine Grosschance, statt zu schiessen, macht er aber den einen Haken zuviel. St.Gallen ist nun spielerisch und vom Ballbesitz her drückend überlegen, ohne dabei für richtige Gefahr vor dem Tor von Timothy Fayulu zu sorgen. Im Gegenteil: Es braucht in der 32. Minute Zigi, der gegen Roberts Uldrikis Schlimmeres verhindert. Und immer wieder erhitzen sich die Gemüter, das Spiel ist, wie so oft gegen Sion, von sehr vielen Nickligkeiten und Emotionen geprägt. Zählbares ereignet sich bis zur Pause aber nicht mehr.

In der zweiten Halbzeit kommen die Ostschweizer früh zum Ausgleich. Guillemenot bezwingt Fayulu mit einem Aufsetzer in die weite Torecke. Noch immer gibt es hitzig geführte Zweikämpfe, und Spieler bleiben mehrmals am Boden liegen nach Zweikämpfen in der Luft.

St.Galler Jubel (Guillemenot, Duah) nach dem Ausgleich.

St.Galler Jubel (Guillemenot, Duah) nach dem Ausgleich.

Bild: Urs Lindt/Freshfocus

Mit dem 1:1 bleiben die Gäste spielbestimmend, die Heimmannschaft von Trainer Fabio Grosso lauert auf Gegenstösse. Nach einem Freistoss in den Sechzehner aus dem Mittelfeld sieht Zigi in der 67. Minute für einmal nicht gut aus und faustet am Ball vorbei, der eingewechselte Guillaume Hoarau köpfelt aber knapp am Tor vorbei.

Das Spiel bleibt bis zum Ende abwechslungsreich wie hitzig, auch wenn wenig Nennenswertes mehr passiert und es beim 1:1 bleibt. In der Schlussminute muss Zigi noch einmal mit einer Showeinlage retten, als er zu weit vor dem Tor steht. Mit dem Unentschieden verharrt St.Gallen im Tabellenmittelfeld nach 19 Spielen, die Sittener stecken weiterhin im Abstiegskampf fest.

Die Noten

Lawrence Ati Zigi: Note 4,5. Mit Glück, als er am Ball vorbei faustet. Ansonsten stark, besonders bei der Uldrikis-Grosschance (32.). Und zum Schluss gibts noch eine coole Showeinlage.
14 Bilder
Musah Nuhu: Note 4,5. Erstmals nach 21 Monaten und der schweren Verletzung in der Startformation. Pech beim Handspenalty, physisch präsent, ein paar technische Mängel.
Leonidas Stergiou: Note 4,5. Beginnt erstmals als Rechtsverteidiger. Schöne Rushes, deutet Potenzial auf der Position an, die er in der Jugend bereits spielte.
Basil Stillhart: Note 3,5. Zeigte schon bessere Auftritte, unüblich viele Fehlzuspiele. Kämpferisch einwandfrei.
Jordi Quintillà: Note 3,5. Scheitert in der 14. Minute kläglich vom Elfmeterpunkt. Fädelt immerhin das 1:1 ein. Aber er kann das alles viel besser.
Jérémy Guillemenot: Note 5. Agil, der beste St.Galler, auch wenn er einmal zu lange beim Abschluss zögert. Sein Tor ist top! Muss angeschlagen raus.
Victor Ruiz: Note 3,5. Bis zur Auswechslung kaum sichtbar. Bleibt unscheinbar in dieser von Arbeit, Kampf und Intensität geprägten Begegnung.
Lukas Görtler: Note 4. Wichtige Figur für Grünweiss. Aber der Kämpfer lamentiert zu viel, begibt sich oft auf Nebenschauplätze. Fokus behalten!
Thody Élie Youan: Note -. Kommt für Duah (76.) – zu spät für eine Note. Er kann nichts Entscheidendes beitragen.
Betim Fazliji: Note 4,5. Grundsätzlich solid. Strahlt Ruhe aus, zweikampfstark. Angriffsauslösung könnte besser sein.
Kwadwo Duah: Note 4. Pass zum Ausgleich (51.), auch holt er den Penalty heraus. Ansonsten wenig Torgefahr.
Boubacar Traore: Note 4,5. Ersetzt zuletzt schwachen Cabral. Zeigt seine beste Leistung im St. Galler Dress. Offensiv bleibt Traorè unauffällig.
Tim Staubli: Note 3,5. Für Guillemenot (69.) eingewechselt, spielt danach auf Zehnerposition. Etwas mutlos.
Boris Babic: Note 3,5. Kommt für Ruiz (69.). Bemüht, aber das Selbstvertrauen früherer formstarker Tage fehlt.

Lawrence Ati Zigi: Note 4,5. Mit Glück, als er am Ball vorbei faustet. Ansonsten stark, besonders bei der Uldrikis-Grosschance (32.). Und zum Schluss gibts noch eine coole Showeinlage.

Der Beste

Jérémy Guillemenot: Zwar zögert der 23-jährige Stürmer einmal zu lange, aber der Westschweizer ist in Form, agil, läuft viel, und macht den Ausgleich eiskalt. Eine Viertelstunde nach seinem dritten Saisontreffer muss Guillemenot leider angeschlagen vom Platz.

Der Schlechteste

Jordi Quintillà: Der Captain ist spielerisch gewiss nicht der Schlechteste, aber wie er den Foulpenalty verschiesst, ist schon sehr bitter. Vor allem wenn man bedenkt, dass dies nicht das erste Mal war.

Das Wahnsinnsgerücht

Michael Lang.

Michael Lang.

Bild: Imago

Das Gerücht schlummert schon seit geraumer Zeit, der «Blick» hat es nun aufgenommen: Michael Lang könnte vor der Rückkehr zum FC St.Gallen stehen, zu seinem Stammverein. 2011 zog das Eigengewächs aus Egnach in die weite Fussballwelt, zu GC, zum FC Basel, in die Bundesliga zu Mönchengladbach und zu Werder Bremen, wohin er für ein Jahr verliehen wurde. Bei den «Fohlen» hat Lang unter Trainer Marco Rose in dieser Saison – wie davor auch – keinen Kredit, und weil er es vielleicht doch noch an die EM im Sommer mit der Schweizer Nationalmannschaft schaffen will, braucht er Spielpraxis. Zudem: Lang kann als Aussen- wie Innenverteidiger auflaufen. Wie auch im rechten Mittelfeld. Der Vertrag mit Gladbach läuft bis 2022.

Aufgefallen I

Musah Nuhu spielt erstmals seit dem 25.Mai 2019 wieder von Beginn an.

Musah Nuhu spielt erstmals seit dem 25.Mai 2019 wieder von Beginn an.

Bild: Laurent Gilliéron/KEYSTONE

Musah Nuhu ist wieder zurück. Tatsächlich stand der 24-jährige Ghanaer letztmals am 25. Mai 2019 gegen Zürich von Beginn an auf dem Platz. Zeidler bringt ihn dieses Mal auch, um der Defensive mehr Stabilität zu verleihen, vor allem, was die hohen Bälle anbelangt. Vor zehn Tagen bekundeten die St.Galler gegen Sion hinsichtlich Lufthoheit in der eigenen Platzhälfte viel Mühe. Nuhu hat dann früh grosses Pech, dass er im eigenen Sechzehner angeschossen wird und es Handspenalty gibt. Ansonsten macht er seine Sache gut!

Aufgefallen II

Wie in den vergangenen vier Spielen kassieren die Ostschweizer erneut einen Penalty, da muss man sich langsam Sorgen machen! Wie vor zehn Tagen verwandelt Anto Grgic auch dieses Mal.

Aufgefallen III

Christian Constantin: Wie der Präsident seine Sittener im Tourbillon lautstark antreibt, ist ein Ereignis für die Einen, ein Ärgernis für die Anderen.

Die Reaktion

Peter Zeidler: «Psychologisch war es wichtig, dass wir nach der Negativserie zweimal nicht verloren haben. Unsere erste Halbzeit war mit das Beste, was ich von uns in dieser Saison gesehen habe. In der zweiten Halbzeit war der Ball gefühlt zur Hälfte in der Luft, wir haben es nicht fertig gebracht, ihn auf dem Boden zu halten und unser Spiel durchzuziehen.»

Das Spiel im Liveticker nachlesen:

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