FC St.Gallen
Die Espen trotzen der Krise und gewinnen nach frühem Rückstand in Überzahl 2:1

Der FC St.Gallen gewinnt erstmals nach fünf sieglosen Spielen wieder. Gegen Luzern liegen die Ostschweizer lange zurück, ehe sie in Überzahl mit einer Willensleistung die Wende schaffen. Mit den drei kapitalen Punkten rücken sie auf den vierten Tabellenplatz vor und verschaffen sich nach hinten Luft.

Christian Brägger
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St.Galler Jubel nach Kwadwo Duahs Treffer zum 2:1.

St.Galler Jubel nach Kwadwo Duahs Treffer zum 2:1.

Bild: Gian Ehrenzeller/KEYSTONE

Die Spielwertung

Es ist nicht das Gelbe vom Ei, dass die beiden Mannschaften an diesem Abend im Kybunpark zeigen. Aber die St.Galler kämpfen sich ins Spiel zurück und gewinnen schliesslich in Überzahl absolut verdient 2:1. Spielnote: 4

Die Tore

  • 0:1, 14. Minute, Dejan Sorgic: Leonidas Stergiou verliert einen Zweikampf in der Mitte und Filip Ugrinic hat danach auf der linken Seite bei einem Gegenstoss viel zu viel Platz, er schiesst. St.Gallens Goalie Lawrence Ati Zigi lässt den Ball nach vorne abprallen, der mitgelaufene Dejan Sorgic hat keine Mühe, die Führung für das Celestini-Team zu erzielen. 
  • 1:1, 58. Minute, Victor Ruiz: Kwadwo Duah wird im Sechzehner von Martin Frydek umgerissen, es gibt die rote Karte für den Luzerner nach dieser Notbremse: Victor Ruiz –Jordi Quintillà schiesst nach seinen Fehlversuchen nicht mehr – verwandelt sicher. 
  • 2:1, 72. Minute, Kwadwo Duah: Der Stürmer steht nach einer scharfen Hereingabe von Victor Ruiz goldrichtig und vollstreckt eiskalt aus wenigen Metern. 

Die Spielanalyse

In dieses Nachtragsspiel der 16. Runde starten die St.Galler in derselben Besetzung wie gegen Sion. Und sie tun dies sachlich, mit einem gewissen Sicherheitsdenken. Victor Ruiz hat nach knapp zehn Minuten eine Chance aus der Distanz, aber dann gibt es die kalte Dusche, auch weil das Heimteam nicht zwingend ist: Knipser Dejan Sorgic ist zur Stelle mit seinem neunten Saisontor, nachdem Goalie Lawrence Ati Zigi einen nicht einfach zu haltenden Schuss nach vorne abklatschen lässt.

Boubacar Traorè versteht die Welt nach seiner Schwalbe nicht mehr.

Boubacar Traorè versteht die Welt nach seiner Schwalbe nicht mehr.

Bild: Marc Schumacher/Freshfocus

St.Gallen scheint geschockt, findet nur sehr langsam wieder ins Spiel. Zudem fabriziert Boubacar Traorè in der 19.Minute eine mit der gelben Karte geahndete Schwalbe, statt durchzulaufen. Denn dann hätte es Foulpenalty geben müssen! Jérémy Guillemenot und Lukas Görtler kommen in der Folge zu gefälligen Abschlüssen aus der Distanz, die nicht schlecht sind, aber auch nicht gut genug, um Goalie Marius Müller zu bezwingen. Auf der Gegenseite merkt man einem emotionslos wirkenden FC St.Gallen die Verunsicherung an, was besonders an den Fehlpässen und Abwehraktionen offenbar wird. Schliesslich pariert Müller auch Kwadwo Duahs Kopfball.

Und trotzdem: In Rückstand dürfte die Mannschaft von Trainer Peter Zeidler gegen die doch bieder wirkenden Luzerner auch anhand des Ballbesitzes von 61 Prozent nie und nimmer liegen bis zur Pause. Nach dieser vergibt Pascal Schürpf die erste gute Möglichkeit, Sekunden später gleich nochmals. Und man spürt: Es wird für den FC St.Gallen sehr sehr schwierig an diesem Abend im Kybunpark.

Es ist nicht Jordi Quintillàs Abend.

Es ist nicht Jordi Quintillàs Abend.

Bild: Marc Schumacher/Freshfocus

Es läuft die 55.Minute, als Kwadwo Duah regelwidrig umgerissen wird von Luzerns Verteidiger Martin Frydek, der gleich auch noch wegen der Notbremse eine harte, aber doch vertretbare rote Karte bekommt. Victor Ruiz schiesst – und trifft resolut in die hohe Torecke: 1:1. Die St.Galler bleiben sofort dran, Görtler hat gleich die nächste Chance, doch Müller hält. Nun wirken die Ostschweizer endlich wach, sind präsent, zeigen Willen. Stefan Knezevic hat nach einem Luzern-Corner eine Kopfballchance, aber Zigi ist auf dem Posten.

Victor Ruiz verwandelt den Foulpenalty souverän.

Victor Ruiz verwandelt den Foulpenalty souverän.

Bild: Marc Schumacher/Freshfocus

Auch Basil Stillhart kommt zu einem guten Abschluss, der aber nicht für ein Tor genügt. Doch die St.Galler riechen nun Lunte, die Luzerner bringen den Ball nicht weg, nach einem scharf getretenen Ruiz-Pass durch den Sechzehner steht Duah plötzlich völlig frei und trifft aus kurzer Distanz.

Danach entwickelt sich ein offener Schlagabtausch, die St.Galler bleiben spielbestimmend. Duah hat nochmals eine Chance, auf der anderen Seite bleibt Varol Tasar hängen. Kurz vor Spielende suchen die Gäste in Unterzahl den Ausgleich, aber er fällt nicht mehr, vielmehr behalten die Ostschweizer den Ball in ihren Reihen, müssten gar noch das dritte Tor erzielen. Das ist aber nicht mehr nötig und sie gewinnen nach zuletzt fünf sieglosen Auftritten dieses kapitale Spiel. Und verschaffen sich mit dieser Willensleistung und dem vierten Tabellenplatz Luft nach hinten.

Die Zweikämpfe werden intensiv geführt.

Die Zweikämpfe werden intensiv geführt.

Bild: Martin Meienberger

Der Beste

Kwadwo Duah: Der Stürmer holt den Penalty zum Ausgleich heraus - danach sind die Luzerner nur noch zu Zehnt. Und Duah trifft in der 72.Minute zum 2:1.

Lawrence Ati Zigi: Note 4. Am 0:1 nicht schuldlos, weil er den Ball abprallen lässt. Danach ist Zigi der Zigi, wie ihn St.Gallen braucht und das Publikum liebt.
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Musah Nuhu: Note 4. In der Luft stark, was dem St.Galler Spiel eine neue Qualität gibt. In den Zweikämpfen okay.
Leonidas Stergiou: Note 4,5. Verliert im Zentrum den Zweikampf vor dem 0:1. Zeigt danach eine beschwingte Partie.
Basil Stillhart: Note 4. Licht (Engagement, Schüsse) und Schatten (Fehlzuspiele) wechseln sich bei ihm ab.
Jordi Quintillà: Note 3,5. Vom Spanier erwartet man immer mehr, gewiss mehr als einen guten Freistoss. Es wäre gut, würde er seine Zukunft klären.
Jérémy Guillemenot: Note 4,5. Macht gute Dinge, wie den Pass, der zum Penalty führt. Manchmal fehlt vor dem Tor die Zielstrebigkeit/Durchschlagskraft.
Victor Ruiz: Note 5. Versucht viel. St.Gallen hat wieder einen sicheren Penaltyschützen! Und den Assist zum 2:1 gibt der Spanier grad auch noch.
Lukas Görtler: Note 3,4. Drei, vier Abschlüsse. Spielerisch aber dieses Mal bescheiden. Wirkt gar etwas müde.
Thody Élie Youan: Spät für Duah (88.) eingewechselt mit Yannis Letard für Ruiz.
Betim Fazliji: Note 4,5. Wie ein Routinier ruhig, umsichtig. Die nächste Stufe wäre mehr Einfluss aufs Spiel.
Kwadwo Duah: Note 5. Der Matchwinner holt den Penalty und die rote Karte heraus, erzielt das Siegtor. Müsste aber die Begegnung früher entscheiden.
Boubacar Traore: Note 4. Wirkt manchmal leichtsinnig. Technisch ist «Bouba» beschlagen, hat gute Flügelläufe. Müsste sich cleverer anstellen, als er eine gelbe Karte (19.) holt statt den Foulpenalty für St.Gallen.
Alessandro Kräuchi: Note 4. Hereinnahme für Nuhu (64.) Wirft sich einmal in einen Schuss.
Boris Babic: Note 4,5. Kommt für Guillemenot (65.). Bringt neuen Schwung, am Siegtreffer noch leicht beteiligt.
Euclides Cabral. Kommt für Traoré (76.).

Lawrence Ati Zigi: Note 4. Am 0:1 nicht schuldlos, weil er den Ball abprallen lässt. Danach ist Zigi der Zigi, wie ihn St.Gallen braucht und das Publikum liebt.

Der Schlechteste

Jordi Quintillà: Er ist nicht in Form, zeigt immerhin einen guten Freistoss. Vermutlich ist er an diesem Abend nicht der Schlechteste, aber vom Captain erwartet man einfach mehr. Auch sehr unauffällig: Lukas Görtler. Der Deutsche holt zudem die gelbe Karte und fehlt nun gegen Vaduz gelbgesperrt.

Der VAR-Schiedsrichter

Alain Bieri, ein alter Bekannter im Kybunpark. Bieri ist während der Begegnung gegen Luzern der Video Assistant Referee in Volketswil, er fiel in St.Gallen besonders bei jenem 3:3 gegen YB vor einem Jahr auf, als er einen von Zigi gehaltenen Handselfmeter in der Nachspielzeit wiederholen liess. Und nicht zuletzt, als er gegen Lugano vor ein paar Wochen den Platzschiedsrichter anwies, eine Szene nochmals anzuschauen. Wonach es schliesslich Penalty gab und der FC St.Gallen 0:1 verlor.

Fünf Spiele ohne Sieg – gegen Luzern mussten endlich mal wieder drei Punkte her.
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Dass zuerst die Gäste aus Luzern jubelten, machte die Sache für die St.Galler nicht einfacher.
Die beiden Mannschaften lieferten sich ein umkämpftes Spiel. Schiedsrichter Stefan Horisberger zückte einige Male die Gelbe Karte und einer sah sogar Rot: Luzerns Verteidiger Martin Frydek.
Kurz darauf erzielt Victor Ruiz per Penalty den Ausgleich.
In der 72. Minute trifft Kwadwo Duah zum 2:1.
Inzwischen dürfte FCSG-Trainer Peter Zeidler gefallen, was sein Team auf dem Platz zeigt.
Immer mittendrin: Mittelfeldspieler Lukas Görtler.
Erleichterung bei Goalie Lawrence Ati Zigi nach dem Schlusspfiff...
... und bei Verteidiger Leonidas Stergiou.
Alter Bekannter: Stefan Wolf, ehemaliger Verwaltungsrat des FC St.Gallen und neuer Präsident des FC Luzern.

Fünf Spiele ohne Sieg – gegen Luzern mussten endlich mal wieder drei Punkte her.

Bild: Freshfocus

Aufgefallen

Stefan Wolf, der früherer Verwaltungsrat, mit blauweissem Luzern-Mundschutz. Der neue Präsident der Zentralschweizer wird vor dem Spiel umgarnt von den Aktionären des FC St.Gallen. Und vom früheren Verwaltungsrat der Ostschweizer. Mittlerweile ist es ja so, dass sie nicht nur Spieler für andere Vereine ausbilden, sondern auch Personen für Führungsämter – dies als kleine Randbemerkung.

Die Reaktionen

Peter Zeidler: «Wir freuen uns sehr über den Sieg. Man hat gespürt, dass Luzern Selbstvertrauen hat. Sie erteilten uns zu Beginn eine Lektion, blieben klar. Wir haben bis zur Pause gar nicht so schlecht gespielt. Der Penalty und die rote Karte haben uns dann in die Karten gespielt. Wir machten danach Druck, aber Luzern blieb gefährlich. Wichtig war, dass wir wieder einmal gewinnen.»

Fabio Celestini: «Die rote Karte war nicht zu streng. Es war ein klarer Penalty.»

Das Spiel im Liveticker nachlesen:

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