Ein starker Auftritt, zwei Tore und ein wenig Pyros: Der FC St.Gallen gewinnt im Sittener Tourbillon

Der Aufwärtstrend des FC St.Gallen hält an: Dank Treffern von Ermedin Demirovic und Lukas Görtler holen die Ostschweizer beim FC Sion ihren dritten Meisterschaftssieg in Folge. Sie überzeugen beim 2:1 durch eine über weite Strecken abgezockte Spielweise.

Daniel Walt
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Jubel bei den Spielern des FC St.Gallen: Die Ostschweizer holen drei Punkte in Sion. (Bild: Keystone)

Jubel bei den Spielern des FC St.Gallen: Die Ostschweizer holen drei Punkte in Sion. (Bild: Keystone)

Die Tore

  • 0:1, 43. Minute, Ermedin Demirovic. Jérémy Guillemenot kommt vor dem Strafraum der Walliser an den Ball. Er lanciert auf halbrechts seinen neuen Sturmpartner Ermedin Demirovic, der für den verletzten Cedric Itten zum Einsatz kommt. Dieser bezwingt den Walliser Goalie Kevin Fickentscher mit einem strammen Schuss.
  • 0:2, 62. Minute, Lukas Görtler. Boris Babic zieht bei einem Angriff der Espen nach innen und schiesst. Sion-Goalie Fickentscher lässt den Ball nach vorne abprallen. Lukas Görtler ist zur Stelle und trifft nach seiner Torpremiere gegen Servette am vergangenen Samstag erneut für die Ostschweizer.
  • 1:2, 77. Minute, Seydou Doumbia. Nach einem zügig vorgetragenen Angriff der Walliser über rechts steht Seydou Doumbia in der Mitte goldrichtig und erzielt den Anschlusstreffer fürs Heimteam. 

Die Spiel-Analyse

Es ist eine flotte Partie, welche die 8200 Zuschauerinnen und Zuschauer im Stade de Tourbillon zu sehen bekommen. Der FC St.Gallen legt vom Anpfiff an einen forschen Auftritt auf den Rasen und sucht konsequent jede Möglichkeit, um in die Offensive zu gehen. Vieles läuft vorerst über die rechte Angriffsseite der Ostschweizer und den wirbligen Boris Babic.

Die erste Chance der Partie gehört dann aber dem Heimteam: Nach etwas über 20 Minuten zieht Bastien Toma aus rund 20 Metern ab, sein Abschluss geht aber deutlich übers Tor. Nachdem Toma sich ein weiteres Mal aus der Distanz versucht hat, kommen die St.Galler durch Jérémy Guillemenot und Neuzuzug Ermedin Demirovic zu mehreren Topchancen, die sie allerdings nicht nutzen können. Im Gegenzug fällt beinahe der Führungstreffer für die Walliser – Seydou Doumbia sieht seinen wuchtigen Kopfball aber von St.Gallen-Goalie Dejan Stojanovic mirakulös pariert.

Vorsicht, fliegender Goalie: St.Gallen-Keeper Dejan Stojanovic in Aktion. (Bild: Keystone)

Vorsicht, fliegender Goalie: St.Gallen-Keeper Dejan Stojanovic in Aktion. (Bild: Keystone)

Kurz vor der Pause fällt dann doch noch ein Tor, und zwar für die Gäste: Guillemenot wird vor dem Strafraum angespielt. Er lanciert herrlich Demirovic, und dieses Mal verwertet der Angreifer die Topchance mit einem satten Schuss. Die Führung der St.Galler nach 45 Minuten ist nicht gestohlen: Hinten stehen sie zumeist sicher, sie wirken präsent und aggressiv in den Zweikämpfen und spielen sich teils herrliche Art Chancen heraus.

Kurz nach Wiederanpfiff der Partie schrammt Sion in der Person von Seydou Doumbia haarscharf am Ausgleich vorbei. In der Folge bringen die Einheimischen während einiger Zeit aber keine Offensivaktion mehr zustande, die diesen Namen verdient. Das überaus kritische Walliser Publikum quittiert dies bald mit Pfiffen, und Präsident Christian Constantin taucht plötzlich hinter der Trainerbank der Walliser auf. Die Espen ihrerseits überzeugen weiterhin mit einer guten Organisation: Unaufgeregt und abgeklärt halten sie das Heimteam über weite Strecken in Schach. Immer wieder gelingt es ihnen sogar, Nadelstiche zu setzen, so beispielsweise durch Görtler nach knapp einer Stunde und einer herrlichen Kombination. Nach 62 Minuten tun sie das dann erfolgreich: Einen Abschluss von Boris Babic kann Sion-Goalie Kevin Fickentscher bloss nach vorne abwehren. Lukas Görtler erläuft sich die Kugel und schiebt sie am Torhüter vorbei zum 2:0 für die Gäste.

Nachdem die St.Galler ihre Führung während einer Viertelstunde souverän verwaltet haben, schlägt es nach 77 Minuten doch hinter Dejan Stojanovic ein: Eine Flanke von der rechten Angriffsseite kann Seydou Doumbia zum Anschlusstreffer verwerten. Jetzt erwacht das Walliser Publikum und peitscht seine Mannschaft nach vorne. Ein ums andere Mal tauchen die wütend angreifenden Sittener nun vor dem Strafraum der St.Galler auf. Mehr als der Anschlusstreffer gelingt den Einheimischen aber nicht mehr.

Der Beste

Ermedin Demirovic. Was für ein Startelf-Debut für St.Gallens Neuerwerbung! Demirovic trifft zum 1:0 und spielt auch sonst stark. Er verfügt über eine beeindruckende physische Präsenz, hält viele Bälle und beschäftigt die gegnerische Abwehr permanent.

Der Schlechteste

Victor Ruiz. St.Gallens Entdeckung der ersten sieben Spiele zieht im Tourbillon einen nicht so starken Abend ein. Er spielt zwar solid, kann der Partie aber wesentlich weniger seinen Stempel aufdrücken als zuletzt.

Der Lapsus

Fehler gibt es in dieser Partie auf beiden Seiten. Derjenige, der die Medienvertreter am meisten zum Schmunzeln bringt, steht aber auf dem Matchblatt: Das Datum und die Anspielzeit der Partie sind zwar korrekt angegeben, nicht aber der Wochentag. Das Spiel findet auf dem Papier nämlich nicht an einem Mittwoch, sondern an einem Sonntag («dimanche») statt:

Na dann: Schönen Rest des Wochenendes noch, liebe Freunde aus dem Wallis!

Die Pyro-Diskussion

Es war ein regelrechter Pyro-Exzess, den FCSG-Anhänger am vergangenen Samstag im Espenblock zelebrierten: Zum zehnten Geburtstag der Fangruppierung «Saint Brothers» wurde beim Heimspiel gegen Servette gezündet, was das Zeug hielt. Die Wogen gingen daraufhin hoch: Der FC St.Gallen und die Liga verurteilten die Geschehnisse scharf, auf den Club wartet eine Busse in unbekannter Höhe, und sogar eigene Anhänger kritisierten das 90-minütige Dauerzünden im Fanblock.

Wenn der FC St.Gallen jeweils im Sittener Tourbillon spielt, wird traditionell ebenfalls massiv gezündet. Dieses Mal allerdings hielten sich die Espen-Anhänger zurück. Bloss nach den beiden Treffern wurden Fackeln gezündet. Ob es an der massiven Kritik nach dem Exzess vom vergangenen Samstag lag? Oder daran, dass aufgrund der Ansetzung der Partie an einem Wochentag deutlich weniger St.Galler Anhänger ins Tourbillon fuhren als gewöhnlich?

St.Galler Anhänger zünden Pyros nach Lukas Görtlers 2:0. (Bild: Daniel Walt)

St.Galler Anhänger zünden Pyros nach Lukas Görtlers 2:0. (Bild: Daniel Walt)

Die Reaktionen

Betim Fazliji, Verteidiger FC St.Gallen: «Wir wollten von Anfang an Zeichen setzen und aggressiv gegen den Ball arbeiten. Das ist uns gut gelungen. Das 1:0 kurz vor der Pause war wichtig, das 2:0 dann fast noch wichtiger. Der Anschlusstreffer dürfte so nicht fallen. Wir haben die Führung dann aber letztlich noch gut über die Zeit gebracht. »

Peter Zeidler, Trainer FC St.Gallen: «Trotz der Grosschance von Doumbia waren wir in der ersten Halbzeit gut im Spiel. Und eine Pausenführung hilft natürlich immer. Wir wussten dann, dass Sion sehr aggressiv aus der Pause kommen würde, was dann auch der Fall war. Nach dem 2:0 haben wir dann leider den dritten Treffer verpasst, und nach dem Anschlusstor wurde es nochmals schwierig für uns. Letztlich ist der Sieg aber verdient. Nun gilt unsere ganze Konzentration der Vorbereitung des Spiels gegen Thun.»

Stéphane Henchoz, Trainer FC Sion: «In der ersten Halbzeit haben wir nicht auf dem Niveau gespielt, das uns möglich wäre: Wir haben von hinten bis vorne zu viele technische Fehler gemacht, waren zu wenig aggressiv und haben regelmässig die zweiten Bälle verloren. Die zweite Halbzeit war dann etwas besser. Letztlich hätten wir heute aber mehr machen müssen, um etwas aus dieser Partie mitzunehmen. »

Das Spiel im Liveticker nachlesen:

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