Nach Tumulten in Lugano: Daprelàs Foul bleibt präsent

Zum etwa sechsten Mal hat es der FC St.Gallen verpasst, eine wirkliche Euphorie entstehen zu lassen. Nach dem emotionalen 0:1 sperrt die Swiss Football League nun St.Gallens Co-Trainer Ioannis Amanatidis für zwei Spiele. Doch die Aufregungen hatten ihr Gutes.

Christian Brägger
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Tumultartige Szenen kurz vor dem Schlusspfiff. (Bild: KEY)

Tumultartige Szenen kurz vor dem Schlusspfiff. (Bild: KEY)

Runterfahren. Kein einfaches Unterfangen, wenn die A13 zwischen Sufers und Zillis gesperrt ist. Es brauchte in der tiefen Donnerstagnacht viel Geduld und die Fahrkünste von Raphael Hertach, den Car des FC St.Gallen auf der einsamen, alten Landstrasse ins Tal zu lenken.

Runterfahren. Das mussten die St.Galler in Lugano am Ende dieses emotionsgeladenen 0:1. Die Nachspielzeit hatte es in sich gehabt in diesem Wegweiserspiel um den dritten Platz, der vielleicht die Teilnahme möglich macht an der Europa-League-Gruppenphase; sie brächte mindestens drei Millionen Franken Startgage. Nach Domen Crnigojs üblem Foul und der heftigen, irgendwie nachvollziehbaren Reaktion Majeed Ashimerus entlud sich alles.

St.Gallen denkt über Einspruch nach

Es gab Tumulte – und Platzverweise für Staffmitglieder. Weshalb der Disziplinarrichter der Swiss Football League nun St.Gallens Assistenztrainer Ioannis Amanatidis für zwei Spiele sperrt wegen unsportlichen Verhaltens und beleidigenden Äusserungen gegenüber dem auffällig gewordenen Lugano-Teamchef Marco Padalino, dem ebenfalls noch Ungemach droht. Eine Spielsperre erhält zudem Luganos Sportchef Giovanni Manna; St.Gallen denkt über einen Einspruch nach, was eine aufschiebende Wirkung brächte.

Am Tag nach den Vorfällen sagt Trainer Peter Zeidler, die Causa «Cedric Itten und Fabio Daprelà» sei in der aufgeheizten Atmosphäre wohl wieder präsent geworden. «Das Thema begleitet die Mannschaft über Monate, im Unterbewusstsein kam das nun hoch, weil alles erstmals wieder so richtig präsent war.» Nur, die Szenen, denen viele Provokationen von Lugano-Seite vorausgegangen waren, sagten auch etwas aus über den Teamgeist im FC St.Gallen. Die Mannschaft stand in der Not und Hektik zusammen, wehrte sich mit vereinten Kräften, das Wir-Gefühl, das man auf dem Platz nicht immer sieht, war präsent.

So blieb das Spiel das eine, möglicherweise bedeutungsschwere Ereignis für die nähere Zukunft des FC St.Gallen. Das andere ist die Wahl vom Samstag des neuen SFV-Präsidenten, weil je nach Ausgang Alain Sutter als künftiger Manager der Nationalteams in Frage kommt. Ein klares Dementi diesbezüglich fehlt vom Sportchef des FC St.Gallen, aber das könnte auch ein Jux des Berners sein, um zu signalisieren, man solle doch bitte nicht alles so ernst nehmen. In Verbandskreisen soll Sutter dem Vernehmen nach der Topkandidat sein. Bei einer Wahl von Jean-François Collet, dem Vertreter der Swiss Football League, dürfte indes Peter Knäbel aussichtsreicher Favorit auf den Posten sein.