FC St.Gallen, Deine Trainer...

FUSSBALL. Marcel Koller ist der erfolgreichste Trainer in der Geschichte des FC St.Gallen. Zu dieser Einschätzung gibt es keine schlagenden Gegenargumente. Ein Blick zurück mit einordnenden Bemerkungen.

Fredi Kurth
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Drei Trainer, drei Epochen: Roger Hegi, Marcel Koller und Rolf Fringer (von links). (Bild: Keystone)

Drei Trainer, drei Epochen: Roger Hegi, Marcel Koller und Rolf Fringer (von links). (Bild: Keystone)

Es ist ein schöner Zufall, dass der FC St.Gallen just in diesen Tagen den 96. Namen für seine Trainerliste sucht, wo auch sein erfolgreichster Teamchef wieder jubelt: Marcel Koller, der Meistertrainer zur Jahrtausendwende, hat den österreichischen Fussball mit der Qualifikation zur Euro-Endrunde aus dem Dornröschenschlaf geholt. Ihm sei überlassen, welchen der beiden Triumphe er höher einschätzt.

In der Ostschweiz jedenfalls bleibt der Zürcher die unbestrittene Nummer 1 unter all jenen Trainern, die den FC St.Gallen auf die europäische Landkarte gebracht haben. Koller gelang das Kunststück Meistertitel ein Jahr später beinahe noch ein zweites Mal. Mit dem Eliminieren von Chelsea im Uefa-Cup gelang seinen Akteuren zudem der grösste Erfolg in einem internationalen Klubwettbewerb. Koller sagt, er sei mit seinem Projekt in Österreich noch nicht am Ende. Mehr als wahrscheinlich ist jedoch, dass er bald auch bei renommierten Klubs ein gefragter Mann sein wird.

Sing, der einzige Cupsieger
Sind Titelgewinne das Mass aller Dinge für das Prädikat "erfolgreich", ist auch der Deutsche Albert Sing zu erwähnen, der 1969 als einziger St.Galler Trainer die Cuptrophäe in die Höhe stemmen konnte. Aber dieses Kriterium macht ihn noch nicht zu Kollers erstem Verfolger, selbst wenn er nach dem Cupsieg auch den Ligaerhalt mit dem Aufsteiger schaffte. Aber es sind doch drei Trainer noch vorher zu erwähnen, die zumindest in der Nachkriegszeit die Mannschaft in der Meisterschaft auf ein höheres Niveau hievten.

Sommer, Johannsen, Saibene
Sings Landsmann Helmuth Johannsen (1981 bis 1985) machte St.Gallen nach einer Saison Anlaufzeit zu einem Spitzenklub, der sich zweimal für den Uefa-Cup qualifizierte und der mit über 16'000 Zuschauern im Heimspiel gegen Inter Mailand (0:0, Trainer dann Werner Olk) die grösste Masse ins Espenmoos brachte.

Willy Sommer, der von 1975 bis 1981 die längste Trainerära auf dem Espenmoos verbrachte, darf ebenfalls noch vor Albert Sing eingestuft werden. Der Solothurner schmiedete aus einem Abstiegskandidaten mit vielen namenlosen Spielern eine Mannschaft, die auch mal vorne mitmischte und mit ihrer Heimstärke immer wieder die Spitzenteams ärgerte. 1977 führte er sie zudem in den Cupfinal (0:1 gegen YB). Sommer war der Erfolgstrainer par excellence, der mit Solothurn in die Nationalliga B und mit Fribourg von der 1. Liga in die NLA aufstieg und Winterthur ebenfalls in die Elite des Schweizer Fussballs brachte.

Last, but not least reiht sich Jeff Saibene weit vorne auf der Ehrentafel der St.Galler Cheftrainer ein. Ihm gelang nicht nur der Aufstieg, sondern mit dem dritten Rang in der Super League und Erfolgen über Spartak Moskau, Swansea und Kuban Krasnodar Aussergewöhnliches auf allen Ebenen.

Die Aufsteiger
Auch jene Männer an der Seitenlinie, denen das Kunststück des direkten Wiederaufstiegs gelang, haben sich Lorbeeren geholt. Und das war 1971 (Zeljko Perusic), 1994 (Uwe Rapolder), 2009 (Uli Forte) und 2012 (Jeff Saibene) nach jedem Abstieg der Fall. Ein Aufsteiger war auch Spielertrainer Otto Pfister, (1965 aus der 1. Liga in die NLB), der später als Nationaltrainer diverser afrikanischer Nationalteams auf sich aufmerksam machte. René Brodmann schaffte es als Spielertrainer, den FC St.Gallen 1968 nach 18-jähriger Flaute mit Abstieg bis in die Drittklassigkeit zurück in die höchste Liga zu führen.

Der Euphorische und der Verhinderte
Eine besondere Rolle bei der Zuordnung nimmt Kurt Jara ein, der von 1988 bis 1991 die Zamorano-Welle auslöste, eine euphorische Phase mit fantastischen Spielen und Siegen sowie einem Wintermeistertitel. Unter dem Strich blieb dann aber doch die Ernüchterung, sich nie für einen internationalen Wettbewerb qualifiziert zu haben. Im Zusammenhang auch mit finanziellen Problemen folgte im Sommer 1993 der Abstieg, allerdings fast zwei Jahre nach Jaras Verabschiedung. Im Herbst 1991 hatte Heinz Bigler den entlassenen Österreicher abgelöst. Er schaffte aus fast aussichtsloser Situation noch die Finalrunde, musste aber im Frühjahr ohne sportlich sichtbares Motiv - vermutlich als einziger erfolgreicher Trainer - den Platz wieder räumen. Bigler, der verhinderte Trainer - eine spezielle Kategorie.

Konstanz mit Hegi und Schadegg
Insgesamt drei positive Jahre verzeichnete Roger Hegi mit der Cupfinal-Teilnahme 1998 und dreifacher Qualifikation für die Finalrunde, zu jener Zeit keine Selbstverständlichkeit. Nachfolger Marcel Koller erkannte dennoch einen Mangel: "Die Spieler wussten gar nicht, dass die Saison nach dem Sichern der Finalrunde noch weiter ging."Gusti Lehmann führte St.Gallen 1945 in den Cupfinal (verlorenes Auswärtsspiel bei den Young Boys), und Markus Frei coachte das Team 1987 in die Finalrunde. Coach Kurt Schadegg, immerhin vier Jahre im Amt, schaffte in einer schwierigen Zeit die Besitzstandswahrung in der Nationalliga A und coachte die Mannschaft beim legendären Abstiegsentscheidungssieg beim 4:1 gegen Luzern 1972 auf dem Zürcher Hardturm.

Die Kategorie "Weniger erfolgreich"
Biglers Nachfolger Leen Looijen versuchte holländisches Profiverhalten der Mannschaft beizubringen, zum Beispiel, indem er die Mannschaft den ganzen Tag, also auch über Mittag, auf dem Trainingsgelände bei sich haben wollte. Für den Fachmann, in Holland sehr angesehen, konnte sich aber wegen ausbleibender Erfolge kaum jemand richtig erwärmen. Nach der Winterpause blieb es Ernst Hasler knapp versagt, den ersten Abstieg seit 23 Jahren zu verhindern. Neben Loojien konnten auch die Deutschen Werner Olk und Uwe Klimaschewski die Erwartungen nicht erfüllen und wurden 1986 und 1987 nach kurzem Gastspiel verabschiedet.

Fünf "Versager" im Schatten von Marcel Koller
Noch fehlt die Einstufung der Trainer nach der Jahrtausendwende. Sie alle hatten die undankbare Aufgabe, die Mannschaft in der Nachmeister-Phase zu übernehmen. Gérard Castella, Heinz Peischl, Ralf Loose, Rolf Fringer und Krassimir Balakow konnten den Abschwung nicht verhindern und erschienen in den Augen der nun sehr anspruchsvoll gewordenen Anhänger als Versager, obwohl einige von ihnen aus heutiger Optik gute Arbeit leisteten. Das Schlimmste war aber nicht mehr abzuwenden: Mit dem Einzug in die AFG Arena war der Auszug aus der Super League verbunden. Erst Uli Forte schaffte dann die Trendwende. Mit 25 Siegen (!) in 30 Spielen beherrschte St.Gallen die Challenge League wie kein anderer Aufsteiger zuvor und danach. Die erste Super-League-Saison im neuen Stadion beendete Fortes Team auf Rang 6.

Es gibt nur einen Meistertrainer...
Und welchen Platz räumen wir nun dem Meistertrainer von 1904 ein, der Gleiches vollbracht hat wie Marcel Koller und dem der FC St.Gallen das Anhängsel "zweifacher Schweizer Meister" verdankt? Es gibt niemanden, der in gängigen Publikationen als solcher erwähnt wäre. Der erste Coach, der im Trainer-Spiegel von "Ein Jahrhundert FC St.Gallen, 1879-1979" aufgeführt ist, heisst John Reynolds. Der Engländer war von 1912 bis 1914 auf dem Espenmoos tätig. Davor und danach bis 1920 sind die jeweiligen Captains mit der Trainingsleitung beauftragt worden. Bis 1930 waren häufig mehrere Leute im Einsatz, in einer Saison werden sogar vier Namen erwähnt. Einmal ist ein gewisser Viktor Goldfarb als zuständig für das Hallentraining aufgeführt. In der Zeit bis Ende des Zweiten Weltkriegs übernahmen vorwiegend Spielertrainer die Trainingsgestaltung.

Die lange Liste der Trainer widerspiegelt nicht zuletzt die weitreichende Entwicklung des Fussballs.