FC St. Gallen
«Intervention des VAR nicht angebracht»: Das sagt Schiedsrichter-Chef Wermelinger zum umstrittenen Entscheid im gestrigen FCSG-Spiel

Die Wogen gingen hoch, als Schiedsrichter Lukas Fähndrich im gestrigen Spiel zwischen dem FC St.Gallen und Servette dem Genfer Spieler Gaël Ondoua zunächst die rote Karte zeigte, diese dann nach Video-Konsultation wieder zurückzog. Nun sagt auch der Schiedsrichter-Chef Daniel Wermelinger, dass die VAR-Intervention falsch war. Nicht zum ersten Mal muss er Fehler der Videoschiedsrichter einräumen – auch letztmals waren die St.Galler die Benachteiligten.

Ralf Streule
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Schiedsrichter Lukas Fähndrich zeigt Servette-Mittelfeldspieler Gaël Ondoua die rote Karte – vorerst.

Schiedsrichter Lukas Fähndrich zeigt Servette-Mittelfeldspieler Gaël Ondoua die rote Karte – vorerst.

Patrick B. Kraemer / KEYSTONE

Mit dem Videoschiedsrichter wird der FC St.Gallen nicht so richtig glücklich. Ganz im Gegenteil sogar. Zum x-ten Mal fühlen sich die Anhänger vom VAR betrogen. Und zum zweiten Mal in Folge meldet sich nun der Schiedsrichter-Chef Daniel Wermelinger und gibt dem St.Galler Ärger quasi seine Berechtigung.

Jérémy Guillemenot war in der 70. Minute vielversprechend durchs Mittelfeld geprescht, als er von Gaël Ondoua von hinten per Tackling zu Fall gebracht wurde. Schiedsrichter Lukas Fähndrich zeigte sogleich die rote Karte - doch der VAR intervenierte und Fähndrich liess sich vom Video umstimmen. Aus der roten wurde eine gelbe Karte. Die St.Galler Sicht war klar: Die rote Karte wäre gerechtfertigt gewesen, da der Servettien keine Chance auf den Ball hatte und das Tackling nur dem Gegner galt. Zumindest aber, so führte auch St.Gallens Trainer Peter Zeidler nach dem Spiel aus, gehe es nicht an, dass der VAR eingreife - weil dieser nur bei klaren Fehlentscheidungen intervenieren darf.

Wermelinger nimmt Fähndrich in Schutz

Genau in diesem Punkt gibt ihm nun auch der Schweizer Schiedsrichterchef recht. Wermelinger sagt auf Anfrage:

«Die Intervention des Video Assistant Referee war nicht angebracht, weil es faktisch kein klarer und offensichtlicher Fehlentscheid von Schiedsrichter Lukas Fähndrich war. Das zeigte sich bei der internen Aufarbeitung nach Spielschluss rasch.»
Schiedsrichter Lukas Fähndrich mit roter Karte

Schiedsrichter Lukas Fähndrich mit roter Karte

Patrick B. Kraemer / KEYSTONE
Schiedsrichter Lukas Fähndrich mit gelber Karte


Schiedsrichter Lukas Fähndrich mit gelber Karte

Marc Schumacher / freshfocus

Er fügt an, dass es sogar nachzuvollziehen gewesen wäre, wenn Fähndrich die rote Karte hätte stehen lassen. Er nimmt den Schiedsrichter für seinen Entscheid, umzuschwenken, aber in Schutz. «Isoliert muss man die daraus folgende Sanktion von Fähndrich betrachten: Es handelt sich um einen Fussangriff von hinten, mit hohem Tempo und ohne Aussicht, den Ball spielen zu können. Die detaillierte Analyse der TV-Bilder zeigte aber auch, dass die Kontaktintensität (kein Vollkontakt, kein Einsatz der Stolle) nicht brutal war. Es gab also durchaus nachvollziehbare Argumente dafür, dass die ausgesprochene gelbe Karte – nach Konsultation der TV-Bilder – aus regeltechnischer Sicht ihre Berechtigung hatte.»

Schon beim 0:1 gegen Lugano griff der VAR gemäss Wermelinger fälschlicherweise ein

Aus St.Galler Sicht noch ärgerlicher war die VAR-Intervention im Spiel gegen Lugano von Ende Januar, als die Tessiner in den Schlussminuten per Penalty zu einem schmeichelhaften 1:0-Sieg gekommen waren. Eine Aktion von Tim Staubli im Strafraum war zunächst nicht geahndet worden, erst die VAR-Intervention führte zum Penaltypfiff. Auch damals sprach Wermelinger im Nachgang von einem Fehler: «Der VAR hätte nicht eingreifen dürfen.» Die Szenen aber seien intern aufgearbeitet worden.

Während jene Situation in der Schlussphase der Partie gegen Lugano mit grosser Sicherheit spielentscheidend war, sieht die Sachlage im Servette-Spiel etwas anders aus. Gut möglich, dass die St. Galler am Mittwoch gegen die starke Genfer Abwehr auch in Überzahl kaum mehr zu Chancen gekommen wären. Und so hielt Zeidler am Ende des Spiels fest: «Ich sage nicht, dass wir das Spiel in Überzahl gewonnen hätten. Es soll keine schlechte Ausrede sein.» Diskussion beendet?

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