FC St.Gallen: Auf den Rausch folgt der Kater

Es ist nur eine Niederlage. Und dennoch eine, die den FC St.Gallen mehr schmerzt als andere Niederlagen. Beim 1:2 gegen Luzern verpasst er es ein weiteres Mal, im eigenen Publikum Begeisterung zu wecken. «Das i-Tüpfelchen fehlte», sagt Präsident Matthias Hüppi am Tag nach dem Spiel.

Ralf Streule
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Es war angerichtet: Die von Fans monatelang vorbereitete Choreografie brachte vor dem Spiel Stimmung.  (Bilder: Michel Canonica)

Es war angerichtet: Die von Fans monatelang vorbereitete Choreografie brachte vor dem Spiel Stimmung.  (Bilder: Michel Canonica)

Es war ein Bild mit Symbolcharakter am Samstag in der Nacht, lange nach dem Schlusspfiff. Der auf grün-weiss getrimmte Regiobus, der am Nachmittag noch festlich-fröhlich als FC-St.Gallen-Jubiläumsbus eingeweiht wurde, fuhr vom Stadion in Richtung Innenstadt. Im Gefährt verloren sich einige St.Galler Fans, mit langen Gesichtern und hängenden weissen Fähnchen. Das grosse Geburtstagsfest zum 140-jährigen Bestehen des Clubs endete in einer Katerstimmung.

Das zeigte sich auch bei den Akteuren. Trainer Peter Zeidler sprach von «traurigen Spielern» in der Kabine, die mehr Erwartungen an sich selber gehabt hätten im Heimspiel. Und Präsident Matthias Hüppi sprach von Akteuren, die sich bei ihm persönlich für die Niederlage entschuldigt hätten.

Verpasste Chance vor grosser Kulisse

Die 1:2-Niederlage gegen Luzern schmerzt die St. Galler umso mehr, als dass Xamax gegen die Young Boys am Ostermontag gewinnen konnte und auch die Ostschweizer wieder unter Druck setzt. Vier Punkte liegen die St. Galler noch vor den Neuenburgern auf dem Barrageplatz. Die Niederlage schmerzt aber auch, weil die St. Galler gegen Luzern nicht die schlechtere Mannschaft waren. Und weil sie es nicht geschafft haben, vor knapp 19 000 Zuschauern länger als nur während des Startfuriosos Feuer zu entfachen.

Es ist mittlerweile ein bekanntes Muster: Wenn immer sich den Ostschweizern in dieser Saison die Chance geboten hat, nach soliden Spielen nachzusetzen und vor heimischem Publikum Begeisterung zu wecken, nutzten sie diese nicht. Die Heimbilanz mit sieben Niederlagen, zwei Unentschieden und sechs Siegen ist negativ – und das, obwohl man unter der neuen Führung unbedingt wieder zur «Heimmacht» werden will.

Hüppis Enttäuschung – und seine positive Festbilanz

Präsident Matthias Hüppi: "Die Niederlage tut weh." (Bild: Marc Schumacher/freshfocus)

Präsident Matthias Hüppi: "Die Niederlage tut weh."
(Bild: Marc Schumacher/freshfocus)

«Natürlich, das i-Pünktchen fehlte», sagt Hüppi am Tag nach der Niederlage. «Punkte hätten das Fest perfekt gemacht. Die Niederlage tut weh, zumal es das Ziel ist, die Bindung zum Publikum zu stärken.» Zu gerne hätte Hüppi gesehen, wenn die «grün-weisse Welle», die er seit seinem Antritt propagiert, am Samstag auch sportlichen Schub erhalten hätte. 

«Selten haben wir die Möglichkeit, so viele Leute zu erreichen.»

Er macht keinen Hehl daraus: Begeisterung und starke Zuschauerzahlen sind am Ende auch aus finanzieller Sicht für den Club überlebenswichtig.

Dennoch zieht Hüppi eine positive Festbilanz. Er spricht von der «Extrameile», die hinter den Kulissen von allen Beteiligten gemacht worden sei. «Eine so grosse Sache auf die Beine zu stellen ist nur mit einem funktionierenden Team möglich.» Hüppi spricht aber auch von der aufwendigen Choreografie der Fans, von der Stimmung, die zumindest sporadisch aufkam. «Man hat gesehen, was in diesem Stadion möglich wäre.» Hüppi hatte sich wie Zeidler nach dem Spiel unter die Anhänger gemischt, die vor dem Stadion noch bis um Mitternacht das Geburtstagsfest ausklingen liessen. «Wir spüren den Rückhalt, auch nach der Niederlage. Die Fans waren enttäuscht, aber nicht verärgert.»

St.Gallen fehlt die Durchschlagskraft

Ob am Ende die grossen Erwartungen im ausverkauften Stadion die Spieler zu sehr unter Druck setzten? «Ich denke nicht», sagt Hüppi. «Ich nahm die Stimmung während des Spiels als eher wohlwollend als fordernd wahr.» Gehemmt oder nervös wirkten die St. Galler Spieler tatsächlich nicht. Der Schwung in der ersten halben Stunde reichte aber nicht aus, gegen Luzern zu punkten. Einmal in Rückstand, fehlten den Ostschweizern die Ideen und die Durchschlagskraft in der Offensive.

Dabei gibt es sportlich auch Positives hervorzuheben. Zum Beispiel die Abwehrarbeit, die in der ersten Halbzeit gut funktionierte, mit Ausnahme des Aussetzers des sonst so stabilen Leonidas Stergiou vor dem ersten Gegentor. Oder das Aufbäumen zum Schluss, als Tranquillo Barnetta herrlich zum Anschlusstor traf. Es brachte das Stadion immerhin kurz zum Beben. Das i-Tüpfelchen aber, das setzten die St.Galler nicht. Gegen Basel am Sonntag kommt die nächste Chance – auch dann wird das Stadion wohl gut besucht sein.