FC ST. GALLEN: Erlösung nach 157 Monaten

Nach elf unbefriedigenden Auftritten gegen Vaduz gewinnen die Ostschweizer am Samstag 2:0 und damit erstmals in der Super League gegen die Liechtensteiner. Unter den Torschützen: Tranquillo Barnetta.
Christian Brägger
Ein Stein vom Herzen gefallen: Rückkehrer Tranquillo Barnetta. (Bild: Benjamin Manser)

Ein Stein vom Herzen gefallen: Rückkehrer Tranquillo Barnetta. (Bild: Benjamin Manser)

Das Spiel hatte die Eltern Andrea und «Willo» Nerven gekostet. Doch nun endlich, in der 78. Minute, da durften sie es tun: Ihre Freude in die Nacht hinausschreien und auf ihren Sitzplätzen der Haupttribüne bis über alle Ohren strahlen. Unten auf dem Rasen, da jubelte ihr Sohn Tranquillo Barnetta mit dem Team über seinen verwerteten Penalty. Mit ihnen die meisten der knapp 12 500 Zuschauer im Kybunpark, die soeben Zeitzeuge zweier historischer Ereignisse geworden waren. Endlich würde St. Gallen gegen Vaduz nach elf erfolglosen Versuchen in der Super League den Bann brechen. Und endlich hatte «ihr» Urgestein für «ihren» FC St. Gallen wieder getroffen, im 13. Spiel seit der Rückkehr, nach all den Jahren in der Fremde. Danach wechselte St. Gallens Trainer Giorgio Contini den Torschützen aus, der am Ende der Kräfte war.

Karim Haggui: Note 6. Wenn ein Verteidiger ein Tor erzielt, das zweite indirekt ebenfalls und hinten die Null steht, dann ist er der Matchwinner. Dann fällt es auch nicht ins Gewicht, dass der Routinier zu Beginn ein paar Fehlpässe produzierte. (Bild: PD)
Albian Ajeti: Note 3. Findet nie die Bindung zum Spiel, ein Schuss ans Aussennetz sind für die Sturmhoffnung definitiv zu wenig. Zudem oft zu eigensinnig, vergisst manchmal, dass neben ihm auch besser postierte Spieler stehen. (Bild: PD)
Danijel Aleksic: Note 4. Technik muss ihn niemand lehren. Zudem zeigt sich der Serbe einsatzfreudig und scheint seine neue Chance unter Contini nutzen zu wollen. Seine Freistösse sind aber leider nicht mehr jene früherer Tage, respektive Monate, respektive Jahre. (Bild: PD)
Marco Aratore: Note 5. In der ersten Halbzeit eher auf Sparflamme, nimmt der Juve-Fan im zweiten Durchgang gegen Ende der Partie Fahrt auf. Wechselt oft die Position, gewiss keine Fehlbesetzung auf dem Flügel. (Bild: PD)
Tranquillo Barnetta: Note 5. Quillo ist einer der Gewinner unter Contini – weil das taktische Korsett auf Barnetta weniger hemmend wirkt. Erzielt endlich das erste Tor seit seiner Rückkehr, der Knoten ist geplatzt. Das lässt hoffen. (Bild: PD)
Roman Buess: Note 4. Dem eingewechselten Stürmer merkt man die Verunsicherung an, nicht mehr zur Startformation zu gehören. Wirkt manchmal verkrampft. Doch Buess fügt sich vom Einsatz und Willen her nahtlos ins Gefüge ein. (Bild: PD)
Roy Gelmi: Note 4. Ein paar gute Seitenwechsel, lässt hinten mit seinem guten Stellungsspiel wenig zu. Dennoch unterlaufen dem 22-Jährigen immer mal wieder Abspielfehler in der Angriffsauslösung. (Bild: PD)
Daniel Lopar: Note 4. Zu Beginn Unsicherheiten bei Eckbällen. Danach der gewohnt sichere Rückhalt an einem Abend, an dem er sich eigentlich nie auszeichnen muss – weil die Vaduzer im Sturm letztlich zu harmlos sind. (Bild: PD)
Mario Mutsch: Note 4. Als wäre er nie weggewesen. Letztmals spielte der Luxemburger vor sieben Monaten durch, den gegen Vaduz verletzten Silvan Hefti ersetzt er brillant. Hat eine gute Ballbeherrschung, an seinen Flanken könnte er noch arbeiten. (Bild: PD)
Sejad Salihovic: Note 4. Man sieht in fast jeder Aktion, dass der frühere Hoffenheimer so richtig gut Fussball spielen kann. Technisch ist das 1A. Doch dem Spiel nach vorne vermag der Bosnier den Stempel nicht so richtig aufzudrücken. (Bild: PD)
Yannis Tafer: Note 4. Wird ebenfalls eingewechselt, nachdem er im ersten Spiel unter Contini in Lausanne noch beginnen durfte. Es ist durchaus möglich, dass sich das schriftliche Angebot, das bei Sportchef Christian Stübi eingetroffen ist, auf Tafer bezieht. (Bild: PD)
Nzuzi Toko: Note 4. Toko ist Toko: Heisst kämpfen, was das Zeug hält, antreiben – und wenn nötig auch einmal austeilen. Von ihm geht leider noch zu wenig Torgefahr aus, was wohl auch an seiner defensiv interpretierten Rolle liegt. (Bild: PD)
Andreas Wittwer: Note 4. Der gewohnt emsige Arbeiter auf der linken Seite, im Spiel nach vorne immer anspielbar. Könnte vielleicht das eine oder andere Mal mit mehr Mut mehr Zug aufs gegnerische Tor entwickeln. (Bild: PD)
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FCSG - FC Vaduz: Die Noten der Spieler


Von der Lust zur Last

Es schien beinahe wie verhext, so, als ob Barnetta dieser Treffer nie mehr gelingen würde. Als ob die Lust, ihn zu erzielen, zu einer Last würde, gar zu einer Verkrampfung führte. Über 13 Jahre oder fast 157 Monate mussten die Anhänger auf diesen einen Moment warten. Die meisten erinnerten sich wohl nicht mehr an sein letztes Erfolgserlebnis für die Ostschweizer im April des Jahres 2004. Damals, im Letzigrund, gegen den FC Zürich.

Nach dem Schlusspfiff wollte Barnetta die Bedeutung seines Treffers nicht überhöhen. «Ich erziele ja nicht 15 oder 20 Tore in der Saison. Von daher war es mehr von aussen ein Thema, wann ich erstmals treffe.» Das Wichtigste sei der Sieg, sagte er. «Die Erleichterung ist gross, dass wir die Negativserie beenden konnten.» Deswegen und nicht wegen meines Tores sei ihm ein Stein vom Herzen gefallen.

Dabei war es doch gerade auch der offensive Mittelfeldspieler gewesen, der nach gutem Auftakt in die Rückrunde unter Trainer Joe Zinnbauer leistungsmässig zusehends abbaute. Über den man sich langsam begann zu fragen, wie gut er tatsächlich mit seinen fast 32 Jahren noch sein kann. Und für den Zinnbauer schliesslich im Spiel gegen die Young Boys lediglich noch für zwei Minuten Verwendung fand – in der Woche darauf wurde der Coach freigestellt.

Der St.Galler Sejad Salihovic, oben, gegen den Liechtensteiner Philipp Muntwiler. (Bild: Benjamin Manser)
Die St.Galler Torschützen Karim Haggui, links, und Tranquillo Barnetta feiern den 2:0-Sieg. (Bild: Benjamin Manser)
Der St.Galler Danijel Aleksic bejubelt den Treffer zum 1:0 von Karim Haggui. (Bild: Benjamin Manser)
Torjubel der St.Galler nach dem 1:0 durch Karim Haggui, links, hier mit Nzuzi Toko. (Bild: Benjamin Manser)
Der St.Galler Marco Aratore, rechts, gegen den Liechtensteiner Axel Borgmann. (Bild: Benjamin Manser)
Nzuzi Toko bejubelt das 2:0 für die St. Galler. (Bild: Benjamin Manser)
Der St.Galler Roman Buess, links, gegen den Liechtensteiner Philipp Muntwiler. (Bild: Benjamin Manser)
Tranquillo Barnetta feiert den St.Galler Sieg. (Bild: Benjamin Manser)
Tranquillo Barnetta (Bild: Benjamin Manser)
Der St.Galler Albian Ajeti, links, gegen den Liechtensteiner Simone Grippo. (Bild: Benjamin Manser)
St. Gallen's Albian Ajeti gegen Vaduz' Philipp Muntwiler im Zweikampf. (Bild: Keystone)
Marco Aratore behauptet sich gegen Simone Grippo. (Bild: Keystone)
Marco Aratore im Angriff auf Goalie Benjamin Siegrist. (Bild: Werner Schaerer)
Torjubel der St. Galler zum 1:0 durch Karim Haggui. (Bild: Benjamin Manser)
Philipp Muntwiler im Zweikampf gegen Albian Ajeti. (Bild: Werner Schaerer)
St. Gallen's Albian Ajeti im Spiel zwischen dem FC St. Gallen und dem FC Vaduz. (Bild: Keystone)
Vaduz' Axel Borgmann gegen St. Gallen's Andreas Wittwer. (Bild: Keystone)
Tranquillo Barnetta bejubelt sein Tor zum 2:0. (Bild: Benjamin Manser)
Es ist Tranquillo Barnettas erstes Tor seit seiner Rückkehr zum FCSG. (Bild: Benjamin Manser)
Die St. Galler feiern ihren 2:0 Sieg. (Bild: Benjamin Manser)
Stefan Hernandez, der neue Präsident des FC St. Gallen, wohnte dem Match bei. (Bild: Keystone)
St. Gallens Trainer Giorgio Contini freut sich über den Treffer zum 1:0. (Bild: Keystone)
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Der FCSG gewinnt gegen seinen Angstgegner

Unter Contini, dem neuen Chef an der Seitenlinie, scheint sich nun nicht nur Barnetta, sondern die ganze Mannschaft zu stabilisieren. Zwei Partien ohne Gegentor und mit sechs Punkten, dazu der erste Heimsieg nach zuletzt einem Zähler aus fünf Heimauftritten sowie das wiedergefundene Glück zeugen davon. Damit aber nicht genug, zumal auch Barnetta sagte, was gegen Vaduz alle im Stadion gesehen hatten: «Der FC St. Gallen war eine Einheit. Jeder ging für den anderen, selbst wenn nicht alles funktioniert hat. Wir wollten unbedingt.» Vergleichen wollte Barnetta die beiden Coaches, die unterschiedlicher nicht sein könnten, jedoch nicht. «Natürlich geht bei einem Trainerwechsel ein Ruck durch die Mannschaft. Doch so viel kann der neue Mann in der kurzen Zeit auch nicht bewirken.» Es gehe letztlich um Nuancen, die anders seien. Vier Spiele hat der FC St. Gallen noch zu absolvieren, bereits morgen tritt er auswärts ab 19.45 Uhr in Lugano an. Und auch weil es nur kleine Zeichen des Fortschritts sind, die Barnetta festmachte, ist Euphorie fehl am Platz. «Aber solche Erfolge wie gegen Lausanne und Vaduz helfen natürlich, dass unsere Sicherheit grösser wird. Es darf bis zum Ende der Saison ruhig so weitergehen.» Vorsichtiger Optimismus ist durchaus angebracht.

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