Vermeidbare Niederlage
Nach 2:0-Führung: St.Gallen gibt Spiel aus der Hand und verliert unnötig in Luzern

Der FC St.Gallen unterliegt Luzern mit 2:4 und verliert das zweite Mal in Folge. Nach einem furiosen Start und zwei Toren verpassen es die Espen, die Partie vorzeitig zu entscheiden, und verspielen einen sicher geglaubten Sieg.

Tim Naef
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Zunächst der Jubel, dann der Frust: Duah trifft mit einem eleganten Schlenzer zur Führung, vergibt danach aber mehrere Chancen.

Zunächst der Jubel, dann der Frust: Duah trifft mit einem eleganten Schlenzer zur Führung, vergibt danach aber mehrere Chancen.

Bild: Freshfocus / Daniela Frutiger

Die Spielwertung

Für neutrale Zuschauerinnen und Zuschauer eine unterhaltsame Partie, für FCSG-Fans ein Spiel zum Vergessen. Spielnote: 4,5

Die Tore

  • 0:1, 4. Minute, Kwadwo Duah: Nach einer sehenswerten Vorarbeit von Victor Ruiz zieht der 24-Jährige in bester Robben-Manier (einfach spiegelverkehrt) in die Mitte und schlenzt den Ball unhaltbar in die lange Ecke.
  • 0:2, 10. Minute, Junior Adamu: Wie bereits beim ersten Treffer liefert Victor Ruiz die Vorarbeit. Adamu muss nach einem scharf getretenen Freistoss nur noch die Stirn hinhalten. 
  • 1:2, 40. Minute, Eigentor Miro Muheim: Varol Tasar kann sich gegen mehrere St.Galler durchsetzt. Seine Flanke lenkt Miro Muheim unglücklich ins eigene Tor ab.
  • 2:2, 66. Minute, Pascal Schürpf: Nach einem verlorenen Kopfballduell am St.Galler 16er landet der Ball bei Schürpf. Dieser kann unbedrängt im Strafraum abschliessen.
  • 3:2, 70. Minute, Silvan Sidler: Die St.Galler bringen nach einem Lattentreffer den Ball nicht weg. Über Umwege kommt Sidler an den Ball. Beim Schuss ins lange Eck ist Zigi chancenlos. 
  • 4:2, 81. Minute, Varol Tasar: Schürpf erkämpft sich den Ball im St.Galler Strafraum. Im Anschluss wehrt Yannis Letard einen Schuss mit der Hand ab. Den Penalty verwandelt Tasar mit etwas Glück. Zigi ist beinahe noch dran.

Die Spielanalyse

Eine erste Überraschung bereits vor dem Spiel: Peter Zeidler stellt mit Musah Nuhu und Yannis Letard eine neue Innenverteidigung zusammen. Betim Fazliji fehlt gelbgesperrt, Leonidas Stergiou ersetzt den verletzten Alessandro Kräuchi als rechter Verteidiger.

Weniger überraschend dann der Spielbeginn. Der FC St.Gallen legt los wie die Feuerwehr, wie so oft in dieser Saison. Bereits in der vierten Minute gehen die Espen in Führung. Nach der Vorarbeit von Victor Ruiz übernimmt Kwadwo Duah auf halb links, zieht nach Innen und schlenzt den Ball herrlich in die entfernte Torecke. FC-Luzern Goalie Marius Müller kann dem Ball nur noch nachschauen.

Und nur sechs Minuten später erhöht Junior Adamu auf 2:0. Assistgeber ist wiederum Ruiz, welcher einen Freistoss von halblinks in die Mitte schlägt. Adamu muss nur noch den Kopf hinhalten.

Ein Start nach Mass: Die FCSG-Spieler bejubeln das zweite Tor.

Ein Start nach Mass: Die FCSG-Spieler bejubeln das zweite Tor.

Feshfocus / Daniela Frutiger

Unnötiger Gegentreffer kurz vor der Pause

Und auch in der Folge sind es die Ostschweizer, welche das Spiel dominieren. Immer wieder spielen sich die St.Galler durch sehenswerte Kombinationen vor das Luzerner Tor, Duah verpasst mehrmals. Und so muss kurz vor der Pause in die Phrasenkiste gegriffen werden:

Wer sie vorne nicht macht, bekommt sie hinten.

Varol Tasar übernimmt in der eigenen Hälfte den Ball und lässt auf dem Weg zum Anschlusstreffer mehrere St.Galler ins Leere laufen. Zum Schluss lenkt Miro Muheim unglücklich ins eigene Tor ab, Goalie Ati Zigi bleibt chancenlos.

St.Gallen nach der Pause völlig von der Rolle

Die Pause scheint den Innerschweizern besser getan zu haben. Sie können die Partie in den ersten Minuten der zweiten Halbzeit ausgeglichener gestalten. Doch die neu zusammengestellte Innenverteidigung der St.Galler hinterlässt einen souveränen Eindruck. Spätestens am 16er ist für die Luzerner Schluss.

Dennoch, die Luzerner sind besser im Spiel. Das merkt auch FCSG-Coach Peter Zeidler. In der 61. Minute wechselt er gleich dreifach. Basil Stillhart kommt für Ruiz, Boubacar Traore für Elie Youan und Jérémy Guillemenot für Adamu.

Zum Haare raufen: Die St.Galler brechen in der zweiten Halbzeit ein und verlieren 4:2.

Zum Haare raufen: Die St.Galler brechen in der zweiten Halbzeit ein und verlieren 4:2.

Bild: Feshfocus / Daniela Frutiger

Die Auswechslungen verfehlen ihr Ziel aber bei Weitem. Innert vier Minuten drehen die Luzerner die Partie. Zuerst ist es Schürpf, welcher ausgleichen kann, ehe Silvan Sidler in der 70. Minute die Innerschweizer in Führung bringt.

Die St.Galler können nicht mehr reagieren und kassieren nach einem Hand-Penalty in der 80. Minute das 4:2.

Der Beste

Victor Ruiz: Der Spanier bereitet zwei St.Galler Treffer vor und stellt die Luzerner besonders in der ersten halben Stunde immer wieder vor Probleme.

Lawrence Ati Zigi: Note 4. Hat zuerst nichts, dann viel zu tun. Höchstens beim 2:2 durch Schürpf mit Abwehrchancen.
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Musah Nuhu: Note 3,5. Räumt in der Mitte lange Zeit gut auf. Beim 2:2 zu ungestüm – und dann vor dem 2:4 zu zögerlich.
Leonidas Stergiou: Note 3,5. Auf der Seite nicht mit dem gleichen Selbstverständnis wie in der Innenverteidigung.
Basil Stillhart: Note 3. Auch er: Ohne Einfluss nach seiner Einwechslung.
Jordi Quintillà: Note 4. Steht oft am Anfang von St.Galler Angriffen, viel Übersicht. Kann am Ende keine Impulse mehr geben.
Jérémy Guillemenot: Note 3. Er kommt nach einer Stunde – ohne Zugriff auf die Partie.
Victor Ruiz: Note 4,5. Zeigt hinter der Spitze zu Beginn eine starke Partie. Zwei Assists. Danach immer weniger präsent.
Lukas Görtler: Note 4,5. Wie so oft eine auffällige Figur. Umsichtig und zweikampfstark – wird nach 70 Minuten angeschlagen ausgewechselt.
Thody Élie Youan: Note 3,5. Mit starkem, mutigem Beginn, mit viel Zug nach vorne. Ist nach dem 1:2 kaum mehr zu sehen.
Miro Muheim: Note 3,5. Defensiv solid. Noch fehlt beim Rückkehrer der Schwung im Spiel nach vorne.
Kwadwo Duah: Note 4. Sehr starker Schlenzer zum 1:0. Verpasst danach aber mehrmals die Entscheidung.
Boubacar Traorè: Note 3. Pechvogel: Kommt in der 60. Minute, verletzt sich kurz vor Schluss – hat kaum Aktionen.
Tim Staubli: Note 3. Auch er ist nach der Einwechslung kaum zu sehen.
Boris Babic: Kommt zehn Minuten vor Schluss – ohne Bewertung.
Yannis Letard: Note 4. Bei seinem ersten Auftritt seit langem zunächst auffällig ballsicher – gegen Ende oft nicht mehr auf der Höhe.
Chukwubuike Junior Adamu, Note: 4. Auch er zeigt auffällige Startminuten und trifft stark per Kopf zum 2:0. Dann fehlen die Ideen.

Lawrence Ati Zigi: Note 4. Hat zuerst nichts, dann viel zu tun. Höchstens beim 2:2 durch Schürpf mit Abwehrchancen.

Der Schlechteste

Die zwei Gesichter der St.Galler: Knapp 40 Minuten spielen die Espen die Luzerner an die Wand, müssten vier gar fünf Treffer erzielen. Nach dem Anschlusstreffer ist alles anders. Die FCSG-Spieler sind völlig von der Rolle. Die Folge: drei Gegentreffer in der zweiten Halbzeit.

Aufgefallen

Schöne Geste: Die FCSG-Spieler grüssen den verletzten Alessandro Kräuchi, welcher sich in der Partie gegen Servette Genf das Kreuzband gerissen hat.

Schöne Geste: Die FCSG-Spieler grüssen den verletzten Alessandro Kräuchi, welcher sich in der Partie gegen Servette Genf das Kreuzband gerissen hat.

Bild: Martin Meienberger

Ein Gruss an den Teamkameraden: Nach dem 1:0 schnappt sich Torschütze Duah das Leibchen von Alessandro Kräuchi. Bereits an der Pressekonferenz vor dem Spiel trug FCSG-Coach Peter Zeidler das Shirt des verletzten Aussenverteidigers.

Die Reaktionen

FCSG-Trainer Peter Zeidler nach dem Spiel:

«Der Anschlusstreffer vor der Pause war der entscheidende Moment des Spiels.»
«Meine Spieler konnten in der Pause nicht verstehen, wie sie nur mit einem Treffer in Führung sein können.»

Das Spiel im Liveticker nachlesen:

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