Die Fairness sollte auch im Spitzenfussball mehr belohnt werden als das Torverhältnis

Bei Punktgleichheit sollten am Ende der Fussballsaison die Strafpunkte entscheidend sein – auch bei den Profis. Es würde keine drei Monate dauern, bis der Spitzenfussball fairer würde.

René Bühler
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Unser Kolumnist René Bühler

Unser Kolumnist René Bühler

Benjamin Manser

Als Gegenspieler möchte man Geoffroy Serey Die nicht haben. Solche «Terrier» sind unter Fussballern verpönt, oder man hat sie lieber im eigenen Team, sofern sie sich wenigstens im Training zurückhalten.

Damit dieser Spielertypus immer mehr von den Fussballfeldern verschwindet, sollte bei Punktgleichheit am Ende der Saison nicht das Torverhältnis, sondern die Strafpunkte entscheidend sein.

Es würden sich neue Konstellationen ergeben

Grossartige Fussballer wie der ehemalige deutsche Nationalspieler Stefan Effenberg, der in seiner Karriere unglaubliche 111 gelbe und 7 rote Karten erhalten hat, müssten sich dann wandeln. Auch Stéphane Besle kassierte in drei Saisons beim FC St.Gallen insgesamt 37 gelbe Karten und wurde viermal vom Platz gestellt.

Die Fairness sollte in der Beurteilung wichtiger sein als das Torverhältnis, da würden sich in der Zusammensetzung des Kaders neue Konstellationen ergeben.

Am Ende einer Saison gelten aktuell bei Punktgleichheit der Reihe nach die bessere Tordifferenz, die grössere Zahl der erzielten Tore, die Tordifferenz aus den direkten Begegnungen, die grössere Zahl der auswärts erzielten Tore und zu guter Letzt noch das Los.

In allen Juniorenkategorien und bis zur 2. Liga ist der Fairnessgedanke längst eingeführt. Viele Teams im Regional- und Juniorenfussball sind bei Punktgleichheit schon trotz besserem Torverhältnis aber mit mehr Strafpunkten nicht aufgestiegen oder mussten absteigen. In der 2. Liga traf es schon den FC Montlingen und auch der FC Bazenheid verpasste deshalb in der Saison 2015/2016 den Aufstieg in die 2. Liga interregional.

Die regionalen Fussballverbände belohnen die fairsten Vereine jedes Jahr mit attraktiven Preisen, das ist ein richtiges Zeichen zur Förderung der Fairness. Aber die Aushängeschilder im Sport bleiben in jedem Land die obersten Ligen und dort sollte die Fairness erst recht stärker bewertet werden.

Wenn man in Europa auf Vereinsebene, im Gegensatz zum Nationalteam, immer weiter nach hinten gereicht wird, könnte man sich doch im wichtigen Kriterium der Fairness hervorheben. Der Videoschiedsrichter (VAR) wäre eine gute Unterstützung, um unfaire Aktionen während oder auch nach dem Spiel zu ahnden. Es würde keine drei Monate dauern, bis der Spitzenfussball fairer würde.

Ausraster von Trainern hätten Strafpunkte zur Folge

Ein solches Eingreifen zum Wohle der Gesundheit der Spieler wäre eine Chance für viele Sportarten. Es ist auch nicht zu befürchten, dass es deswegen mehr Spielunterbrüche geben wird, denn die Akteure werden sehr schnell lernen.

Auch gewisse Trainer erhielten für ihre Ausraster nicht nur Geldstrafen und Spielsperren aufgebrummt, ihre Strafpunkte würden dem Team belastet. Wenn am Schluss einer Saison in der Super League zwei Teams punktgleich an der Tabellenspitze oder am Tabellenende stehen, ist die Mannschaft mit weniger Strafpunkten der verdiente Schweizer Meister oder der Absteiger – ein starkes Credo an den fairen Sport.

Ältere Spieler haben es satt, getreten zu werden

Der Duden übersetzt Fairness mit «ein den Spielregeln entsprechendes, anständiges und kameradschaftliches Verhalten beim Spiel». Damit ist in wenigen Worten alles gesagt, und genau das möchten die fairen Sportler und zum Beispiel auch die Mehrheit der Fussballer im Seniorenalter.

In der Seniorenliga 40+ könnte man sogar problemlos die Futsalregeln einführen, also ein Spiel ohne Körperkontakt. Mit einer solchen Regeländerung würde man viele ältere Spieler, die es satthaben, getreten zu werden, in den Vereinen halten und nicht an den Tennis- oder Golfsport verlieren.

Unser Kolumnist

René Bühler wirft regelmässig einen Blick auf das Sportgeschehen. Er ist Ehrenpräsident des FC Fortuna St. Gallen und Herausgeber des Buches «Fussballjahre». (red)