Europa League wie eine zweite Meisterschaft

FUSSBALL. Valencia, Swansea und Kuban. Es gibt weniger attraktive Gruppen in der Europa League. Doch egal wie die Gegner heissen - nur dass mal andere Klubnamen in der Arena auftauchen, macht den besonderen Reiz dieses Wettbewerbs aus.

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Nach dem Spiel gegen Moskau: St.Gallens Captain Philippe Montandon und seine Teamkollegen bedanken sich beim Publikum. (Bild: Urs Bucher)

Nach dem Spiel gegen Moskau: St.Gallens Captain Philippe Montandon und seine Teamkollegen bedanken sich beim Publikum. (Bild: Urs Bucher)

Am vergangenen Wochenende habe ich mich wieder mal anderswo umgesehen. Am Samstagabend weilte ich beim Eishockey in Davos, wo sich Bill B. Mistura an der Pressekonferenz als neuer Geschäftsführer des Rekordmeisters vorstellte. Das war allerdings nicht der Grund meiner Reise ins Landwassertal. Vielmehr hat Eishockey einige Ähnlichkeiten mit Fussball, ist zuweilen ebenso unberechenbar, manchmal in der Spieldramatik sogar aufregender, in seiner globalen Bedeutung dem Geschehen auf dem Rasen allerdings deutlich unterlegen. Ich hatte einfach wieder einmal Lust auf Eishockey.

Eishockey kontra Fussball
Sven Leuenberger, der Sportchef des SC Bern, lobte vergangene Woche die höchste Eishockey-Liga als gefälliges, konkurrenzloses Produkt, während er im Fussball jeden Abend am Fernsehen unter einem besseren Angebot auswählen könne, als es die Super League darstelle. Damit hat er nicht Unrecht, bestätigt aber auch, die etwas abgesonderte Rolle des Eishockeys. International konzentriert sich Eishockey fast ausschliesslich auf die National Hockey League. Dort spielen die Besten der Welt, während sie sich im Fussball auf wenigstens fünf Spitzenligen in Europa verteilen. Die russische KHL mit Teams bis nach Kroatien hat zwar auch gewisse Qualität, doch die Ausstrahlung ist gering. Sie lockte vergangene Saison weniger Zuschauer an als die Schweizer National League. Das Eishockey hierzulande hat natürlich mit dem WM-Silber in Nordeuropa diesem Sport hierzulande nochmals einen mächtigen Schub gegeben. Und am Samstag habe ich mich in Davos bestens unterhalten.

Was im Eishockey leider nur mässig funktioniert, ist der internationale Spielaustausch. Ein florierender europäischer Klubwettbewerb ist weit und breit nicht in Sicht. Da freut man sich jeweils auf den Spengler Cup. Und die Eishockey-WM am Ende der Saison ruft selbst bei den Heimspielen der Gastgeberländer keine ausverkauften Stadien hervor.

Super League: Erstaunlich viele Zuschauer
Champions League, Europa League, Schweizer Cup, WM, Euro, alles am Fernsehen satt präsentiert: Die Konkurrenz für die Super League ist enorm. Gerade deshalb erstaunt es, dass auch im Fussball in der nationalen Meisterschaft das Publikumsinteresse in den vergangenen Jahren eher zu- als abgenommen hat. Dennoch empfinde ich es als gewisse Monotonie, wenn in der Meisterschaft die Auswahl der Gegner aus bloss neun Teams besteht. Der Schweizer Cup bietet für die meisten Anhänger des FC St.Gallen nur wenig Abwechslung, da dessen Spiele aufgrund des Reglements meistens auswärts stattfinden. Die Europa League kommt deshalb gerade recht. Schon der Vergleich mit Spartak Moskau war reizvoll, die weiteren Partien dürften es ebenfalls sein. Insgesamt nur acht garantierte Spiele – das ist schon fast wie eine neue Meisterschaft auf hohem europäischem Niveau.

Brühl wie der FC St.Gallen
Den Ausblick auf den Schweizer Cup wollen wir auch nicht verschmähen. Mit ein bisschen Glück in der Auslosung würde der FC St.Gallen in der nächsten Runde am andern Ende der Stadt spielen. Denn der SC Brühl leistet, einfach zwei Stufen tiefer, momentan Vergleichbares. Aufschwung in der Meisterschaft nach schwachem Start – wie St.Gallen, und Erfolge im Cup wie St.Gallen in der Europa League. Nun haben Regtops Leute schon zwei Challenge League Teams aus dem Cup-Wettbewerb geworfen. Zur Erinnerung: Vor zwei Jahren in der zweithöchsten Spielklasse gelangen den Brühlern in 30 Spielen nur vier Siege. Auf dem Krontal tut sich etwas. Zu bewundern zum Beispiel auf YouTube das Traumtor von de Oliveira im Heimspiel gegen Young Fellows.

Beim FC St. Gallen bereitet bei allem Wohlgefallen die von Spiel zu Spiel wachsende Verletztenliste etwas Sorge. Der rigorose Einsatz in jedem Match und die harte Konkurrenz um Teamplätze scheinen Spuren zu hinterlassen.

Die Vorfreude auf nächsten Donnerstag soll das nicht trüben. Ab und zu kommt ja ein Spieler wieder retour. Und vielleicht gelingt auch auf Ebene Gesundheit eine Trendwende. Fredi Kurth