«Es ist sehr ärgerlich, dass wir verloren haben»: St.Gallens starke Leistung bleibt unbelohnt – 1:3 gegen Basel

Obwohl der FC St.Gallen das Spiel gegen Basel über weite Strecken bestimmt und sich viele gute Torchancen erarbeitet hat, muss er sich mit 1:3 geschlagen geben. Für die Espen ist es die zweite Saisonniederlage in Folge.

Stephanie Martina
Drucken
Teilen
Keine Zuschauer, keine Punkte: Der FCSG verliert gegen Basel.

Keine Zuschauer, keine Punkte: Der FCSG verliert gegen Basel.

Bild: Keystone

Die Spielwertung

St.Gallen gegen Basel – das einzige Spiel dieser Super-League-Runde, das nicht wegen Quarantänemassnahmen abgesagt werden musste. Ein Glücksfall für Schweizer Fussballfans, auch wenn ihr Herz für gewöhnlich nicht für Grün-Weiss oder Rot-Blau schlägt: Denn die beiden Teams liefern sich ein temporeiches, spannendes und unterhaltsames Spiel mit vielen gefährlichen Torchancen auf beiden Seiten. Aus St.Galler Sicht stimmt einzig das Resultat nicht. Spielnote: 5,0

Die Tore

  • 0:1, 6. Minute, Arthur Cabral: Afimico Pululu schiesst vom Strafraumeck flach aufs Tor, Zigi lässt den Ball nach vorne abprallen, wo Cabral bereitsteht.
  • 1:1, 13. Minute, Kwadwo Duah: Ein weiter Pass von Lukas Görtler erreicht Duah. Dieser setzt sich gegen Ex-FCSG-Verteidiger Jesper Van der Werff durch und umläuft den herauseilenden Torhüter Djordje Nikolic. Beinahe von der Grundlinie aus zieht Duah ab und trifft aus spitzen Winkel zum Ausgleich.
  • 1:2, 39. Minute, Fabian Frei: Der Thurgauer im Basler Dress startet in der eigenen Platzhälfte, umspielt den aufrückenden Betim Fazliji und setzt zu einem 40-Meter-Spurt an. Frei erwischt Zigi zwischen den Beinen.
  • 1:3, 70. Minute, Pajtim Kasami: Julian von Moos legt auf Kasami zurück. Dieser zieht ab – und trifft. Schiedsrichter Fähndrich pfeifft ein Offside, doch der VAR entscheidet: das Tor zählt.

Die Spielanalyse

Ohne Guillemenot, dafür erstmals mit Babic – so startet der FC St.Gallen in die Partie gegen Basel. Abgesehen von dieser Änderung und der Tatsache, dass die Ränge wegen der neuen Coronamassnahmen beinahe leer sind, ähnelt die Startphase aber jener am 23. Juli, als Basel zum letzten Mal im Kybunpark zu Gast war. Damals lagen die Basler bereits nach fünf Minuten 2:0 in Führung. Dieses Mal überstehen die Espen die ersten fünf Minute ohne Gegentor, wenn auch nur ganz knapp. Denn in der 6. Minute kesselt es bereits das erste Mal. Arthur Cabral bringt die Gäste in Führung.

Bild: Freshfocus

Doch anders als im Sommer geht das Torfestival der Basler nicht in diesem Stil weiter. In der 13. Minute trifft Kwadwo Duah nach einem schönen Zuspiel von Görtler aus spitzem Winkel zum Ausgleich.

Bild: Keystone

In der Folge sind die St.Galler klar die aktivere Mannschaft und drängen immer wieder Richtung Basler Tor. Der wuchtige Weitschuss von Görtler in der 25. Minute zählt wohl zu den gefährlichsten St.Galler Aktionen. Kurz darauf geht Jordi Quintilla nach einem Foul zu Boden. Es dauert, bis Schiedsrichter Lukas Fähndrich die Partie unterbricht. So lange, dass sich sogar das kleine St.Galler Publikum in der Pflicht sieht, den Schiedsrichter durch Zurufe auf den verletzen Quintilla aufmerksam zu machen. Nach kurzer Pflege an der Seitenlinie kann St.Gallens Captain weiterspielen.

Bis zur 39. Minute sorgen die beiden Teams für einen kurzweiligen Fussballnachmittag. Für St.Galler Fans dürfte es aber ab diesem Zeitpunkt vorerst vorbei gewesen sein mit der guten Unterhaltung. Fabian Frei bringt die Basler erneut in Führung. Wie bereits beim ersten Basler Tor machen sowohl Verteidiger Betim Fazliji als auch Goalie Lawrence Ati Zigi keine gute Falle.

Bild: Keystone

Doch die St.Galler legen gleich wieder den Vorwärtsgang ein. Es ist Victor Ruiz, der unmittelbar nach dem Gegentor zu einer weiteren guten Chance kommt. Im gleichen Stil startet die zweite Halbzeit. St.Gallen sucht den Ausgleich, Duah hätte ihn mehrmals Mal auf dem Fuss gehabt. Im Basler Strafraum ist in der zweiten Halbzeit deutlich mehr los, als vor Zigis Kasten.

Dass in der 70. Minute eine weitere Anpassung auf der Anzeigetafel nötig wird, entspricht nicht dem Spielverlauf und schon gar nicht der St.Galler Leistung. Der FC Basel baut seine Führung aus, der Torschütze heisst Pajtim Kasami. Zuerst entscheidet Schiedsrichter Fähndrich, dass das Tor wegen eines Basler Offsides nicht zählt, doch der VAR sieht das anders.

Bild: Freshfocus

St.Gallen lässt sich aber auch davon nicht entmutigen und drückt weiter aufs Basler Tor. Auch in der Schlussphase erarbeiten sich die Ostschweizer deutlich mehr Torchancen als die Basler. Doch Basels Klasse zeigt sich in punkto Chancenauswertung.

Der Beste

Sehr vieles läuft über Victor Ruiz, der auf der linken Seite viel arbeitet und oft anspielbar ist. Auch Lukas Görtler ist wieder einer der aktivsten und gefährlichsten Spieler auf dem Platz. Grosse Klasse ist sein Assist beim 1:1. Zudem: Boris Babic verdient sich zumindest in den ersten 15 Minuten gute Noten.

Einer der besten St.Galler: Victor Ruiz.

Einer der besten St.Galler: Victor Ruiz.

Bild: Keystone

Der Schlechteste

Betim Fazliji zeigt eigentlich eine solide Leistung – jedoch mit dem einen Fehler zu viel. Darf beim 1:2 den ballführenden Fabian Frei nicht so ungestüm angreifen. Wird locker umspielt.

Lawrence Ati Zigi: Note Tor 4,5. Rettet mehrmals. Auch vor dem 0:1 mit starker Parade, lässt den Ball aber nach vorne abprallen.
13 Bilder
Leonidas Stergiou: Note 4,5. Er läuft die gegnerischen Stürmer Mal für Mal ab. Hin und wieder Abstimmungsschwierigkeiten mit Fazliji.
Basil Stillhart: Note 4,5. Sehr auffällig, aktiv und mit viel Übersicht. Was fehlt, ist die spielentscheidende Aktion.
Jordi Quintillà: Note 4. Ballsicher wie immer. Aber mit weniger Einfluss aufs Spiel als auch schon.
Jérémy Guillemenot: Note 3,5. Kann das Offensivspiel nach seiner Einwechslung kaum prägen.
Victor Ruiz: Note 4,5. Er ist Antreiber über links, über ihn läuft sehr viel. Bälle in die Spitzen nicht immer präzis.
Lukas Görtler: Note 4,5. Willens- und zweikampfstark, mit viel Offensivdrang. Starker Assist beim 1:1. Mit Abzügen bei der Abschlussstärke.
Miro Muheim: Note 4. Viele gute Momente, so richtig spielentscheidend kann er aber nicht in die Offensive eingreifen.
Betim Fazliji: Note 3,5. Eigentlich ja eine solide Leistung – jedoch mit einem entscheidenden Fehler. Darf vor dem 1:2 den ballführenden Fabian Frei nicht so ungestüm angreifen.
Kwadwo Duah: Note 4. Starke Einzelleistung beim 1:1. Danach geht nur noch selten Gefahr von ihm aus.
Alessandro Kräuchi: Note 4. Hinten ist er wieder aufmerksamer als noch gegen Lugano. Einige gute Vorstösse, die aber wenig einbringen.
Boris Babic: Note 4. Babic hat eine starke Startviertelstunde: Wendig, mit viel Druck auf dem Ball. Dann geht die Luft aus. Lässt auf mehr hoffen.
Tim Staubli: Note - . Kommt fünf Minuten vor Schluss. Keine Bewertung.

Lawrence Ati Zigi: Note Tor 4,5. Rettet mehrmals. Auch vor dem 0:1 mit starker Parade, lässt den Ball aber nach vorne abprallen.

Die Fans

Darauf, dass heute Matchtag ist, deutet an diesem Nachmittag in St.Gallen wenig hin. Weder ausserhalb des Stadions...

Bild: Benjamin Manser

Noch auf der Tribüne...

Bild: Benjamin Manser

Nach nur einem Heimspiel mit knapp 10'000 Fans auf den Gängen, herrscht im Kybunpark bereits wieder gähnende Leere. Der Bundesrat hat am vergangenen Mittwoch entschieden, dass für Veranstaltung per sofort eine Obergrenze von 50 Personen gilt. Deshalb kommen nur die engsten Businesspartner des FC St.Gallen in den Genuss eines Spielbesuchs. Folglich schallen an diesem Nachmittag kaum «Hopp Sanggalle»-Rufe durch den Kybunpark. Zu hören sind nur die Zurufe der Spieler auf dem Feld, Zeidlers Anweisungen von der Seitenlinie und ab und zu das Klatschen von der Haupttribüne.

Die Reaktionen

Peter Zeidler.

Peter Zeidler.

Bild: Freshfocus

FCSG-Trainer Peter Zeidler: «Diese Niederlage ist ein Rückschlag für uns. Es ist sehr ärgerlich, dass wir verloren haben. Wir wollten gegen den FC Basel, der zehn Tage in Quarantäne war und folglich weniger Spielpraxis hatte wie wir, einen Heimsieg einfahren. Daraus wurde leider nichts. Oft wird darüber geredet, dass unsere Offensive noch nicht funktioniert. Doch heute haben wir verloren, weil wir nicht richtig verteidigt haben – bei allen drei Toren nicht. Wenn wir weiter so verteidigen, haben wir in dieser Liga keine Chance.»

FCB-Trainer Ciriaco Sforza: «Beide Mannschaften haben ein sehr gutes Spiel gezeigt. Wir wussten, dass der FC St.Gallen laufstark und frech auftreten wird, über viele gute Einzelspieler verfügt und vor allem im Kollektiv sehr dominant ist. Uns war klar, dass wir schnell in die Tiefe spielen müssen, damit wir uns Chancen erarbeiten können. Und das haben wir getan.»