«Es gab nie Diskussionen um eine Vertragsverlängerung»: Das sagen die FCSG-Bosse zum Abgang von Captain Hefti

Der FC St.Gallen muss in der neuen Saison auf die Dienste von Captain und Rechtsverteidiger Silvan Hefti verzichten. Der 22-Jährige wechselt für vier Jahre zu Meister und Cupsieger YB. Die Verantwortlichen der Ostschweizer sind überrascht, dass Hefti nicht ins Ausland wechselt – sie halten fest, er sei im Lohngefüge schon an der obersten Grenze gewesen.

Daniel Walt
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Vergangenheit: Silvan Hefti im Trikot des FC St.Gallen.

Vergangenheit: Silvan Hefti im Trikot des FC St.Gallen.

Bild: Freshfocus/Daniela Frutiger

«Aus meiner Sicht war er heute nicht einsatzfähig»: Das sagte Peter Zeidler, Cheftrainer des FC St.Gallen, nach der Testpartie vom vergangenen Samstag gegen den SC Freiburg zur Personalie Silvan Hefti. Der Captain stand gegen den neuen Verein von Ex-Espe Ermedin Demirovic zwar im Aufgebot – als einziger Feldspieler kam er aber nicht zum Einsatz. Diese Tatsache verstärkte die Gerüchte rund um einen Abgang Heftis – heiss gehandelt wurde über das Wochenende insbesondere ein Transfer zu Meister und Cupsieger YB.

Nun steht fest: Silvan Hefti wird den FC St.Gallen fünf Jahre nach seinem Début im Fanionteam verlassen. Er wechselt für vier Jahre zu den Berner Young Boys.

Hüppi: «Er sah seinen Weg beim FCSG als beendet an»

Matthias Hüppi, FCSG-Präsident.

Matthias Hüppi, FCSG-Präsident.

Bild: Urs Bucher

«Wir hätten Silvan natürlich sehr gern behalten und weiter mit ihm geplant. Jedoch hat der Spieler den Wunsch geäussert, den Verein verlassen zu dürfen, weil er seinen Weg beim FC St.Gallen als beendet sah und mit diesem Wechsel zum Meister den nächsten Schritt in seiner Karriere machen will»: So lässt sich FCSG-Präsident Matthias Hüppi im Communiqué der Ostschweizer zitieren.

«Auch wenn es uns schwergefallen ist, haben wir uns schliesslich entschieden, Silvans Wunsch nachzukommen.»

Gegenüber dem Tagblatt führte Matthias Hüppi weiter aus, Silvan Hefti habe den Verantwortlichen signalisiert, der Zyklus beim FCSG sei für ihn vorbei. Hüppi sowie Sportchef Alain Sutter und Trainer Peter Zeidler waren sich laut dem Präsidenten bewusst, dass man finanziell das Nachsehen haben werde, sobald ein arrivierter Club mit anderen Möglichkeiten komme. «Wir sind nach wie vor ein Ausbildungsverein, aber kein Durchlauferhitzer», so Hüppi.

Sutter: «Es gab keine Luft nach oben»

Sportchef Alain Sutter seinerseits sagt, Diskussionen über eine Vertragsverlängerung hätten nie stattgefunden. «Hefti war in unserem Lohngefüge an der obersten Grenze. Es gab keine Luft nach oben, eine Vertragsverlängerung war somit kaum möglich.» Zudem habe Hefti immer wieder gesagt, dass er früher oder später weg wolle.

Alain Sutter, FCSG-Sportchef.

Alain Sutter, FCSG-Sportchef.

Bild: Keystone

Für die Verantwortlichen des FC St.Gallen überraschend war nach deren Bekunden, dass Silvan Hefti die Ostschweiz nun in Richtung Bern verlässt, anstatt ins Ausland zu gehen. Alain Sutter weiter:

«Wir brauchen Jungs, die überzeugt von dem sind, was wir hier leisten. Anscheinend sind wir in finanzieller und sportlicher Hinsicht noch nicht in der Lage, unsere besten Spieler zu halten, wie das YB oder der FC Basel tun.»

Berner sehen grosses Potenzial in Hefti

Über die Ablösesumme für den Verteidiger, der beim FCSG noch einen Kontrakt bis zum Sommer 2021 besass, vereinbarten die beiden Clubs Stillschweigen.

Die Berner ihrerseits verleihen in ihrem Communiqué der Freude Ausdruck, dass es gelungen sei, Silvan Hefti als Nachfolger von Saidy Janko für die nächsten vier Jahre unter Vertrag zu nehmen. YB-Sportchef Christoph Spycher hält fest:

«Wir sind sehr froh, dass sich Silvan Hefti für YB entschieden hat. Er passt mit seiner Mentalität und seinem Willen perfekt in unsere Mannschaft und wird mithelfen, dass wir weiterhin sehr hungrig bleiben.»
Christoph Spycher, YB-Sportchef.

Christoph Spycher, YB-Sportchef.

Bild: Keystone

Hefti verfüge über grosses Potenzial und habe in der Super League bereits deutliche Spuren hinterlassen.

Silvan Hefti seinerseits äussert sich in der Mitteilung der Berner wie folgt: «Ich freue mich sehr, dass ich bei den Young Boys die nächsten Schritte in meiner Entwicklung machen kann. Ich bin gespannt, mit YB national und international zu spielen und möchte mithelfen, dass der Klub weiterhin sehr erfolgreich ist. Gleichzeitig möchte ich dem FC St.Gallen für die tollen letzten Jahre danken.»

Mit 20 Jahren Captain geworden

Silvan Hefti kam 2009 als Junior in den Nachwuchs des FC St.Gallen. Er kam am 12. September 2015 bei der 1:2-Niederlage beim FC Basel zu seinem ersten Einsatz in der Super-League-Mannschaft der Ostschweizer. Daraus wurden mittlerweile 155 Partien in der obersten Schweizer Spielklasse, in denen Hefti vier Treffer erzielte. 2018 machte FCSG-Coach Peter Zeidler Hefti mit gerade mal 20 Jahren zum Captain.

Bild: Michel Canonica (St.Gallen, 24. November 2019)

Seit der U-15 durchlief der gebürtige Goldacher zudem sämtliche Altersstufen der Schweizer Nationalmannschaft.

Nach den beiden Angreifern Cedric Itten und Ermedin Demirovic ist Silvan Hefti der dritte Hochkaräter, der den FC St.Gallen diesen Sommer verlässt.

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Patricia Loher