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Vincent Sierro wird beim FCSG immer besser

Vincent Sierro steigert sich von Spiel zu Spiel. Dabei hat der 22-jährige Walliser 18 schwierige Monate in der Bundesliga bei Freiburg hinter sich. Und natürlich war die Zeit im FC Sion prägend. Heute will er seine Form gegen den Leader Young Boys bestätigen.
Christian Brägger
Vincent Sierro sagt: «Ich würde nicht mein ganzes Leben im Wallis verbringen wollen.» (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone)

Vincent Sierro sagt: «Ich würde nicht mein ganzes Leben im Wallis verbringen wollen.» (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone)

Sein Name mag spanisch klingen. Vielleicht italienisch. Dabei ist Vincent Sierro waschechter Walliser. Aber den eigensinnigen Kopf und nicht wirklich offenen Geist, den man den Bewohnern des Kantons zuschreibt, spürt man beim Fussballer des FC St.Gallen nicht. Und Sierro sagt: «Ich bin stolz auf meine Herkunft. Doch ich würde nicht mein ganzes Leben im Wallis verbringen wollen, wie das einige tun. Aber vielleicht ist jenes Bild, das man von uns hat, ja überholt.» Gut möglich, dass jenes Bild ein wenig unscharf ist; so viele Schweizer aus dem Südwesten der Schweiz laufen einem im Osten ja nicht über den Weg.

Peter Zeidler, einst Sierros Trainer beim FC Sion, sowie das Verhandlungsgeschick von Sportchef Alain Sutter haben den zentralen Mittelfeldspieler von Freiburg leihweise für ein Jahr in die Ostschweiz geführt. Eine Kaufoption gibt es nicht. Die Breisgauer, zu denen Sutter gute Kontakte pflegt, haben vielmehr die Möglichkeit, Sierro im Winter zurückzuholen, falls er sich in der Ostschweiz gut macht. Und er macht sich gut, was allein sein jüngster Auftritt mit zwei Toren gegen Lugano zeigte, worauf Zeidler sagte: «Er wird noch besser.» Dabei hätte es gerade Freiburg begrüsst, wenn sich ihr Spieler für diese Saison einem Verein der 2. Bundesliga angeschlossen hätte.

Sierros Vater ist ein ranghoher Politiker im Wallis

Mit Vincent Sierro sind ebenfalls die beiden älteren Brüder dem Fussball zugetan. Was kaum verwundert, zumal der Vater – ein im Wallis sehr bekannter Mann und ranghoher, dem Freisinn zugeneigter Politiker – wie die Mutter dem Ballspiel verbunden sind. Die Eltern liessen die Kinder in ihrem Hobby stets gewähren, nur die Schule durfte nie zu kurz kommen; heute absolviert der 22-jährige Vincent nach bestandener Matura ein Fernstudium in Wirtschaft.

Bereits mit acht Jahren wechselte Vincent Sierro zum FC Sion, spielte wie die Geschwister fortan für den Club seines Herzens. Und so pendelte er fast täglich dahin ins Training vom Wohnort Siders, wo die Eltern heute noch leben und der Bub den ortsansässigen Eishockeyclub viele Saisons anfeuerte.

Seinen Brüdern sollte es später im Fussball nicht zum ganz grossen Wurf reichen. Auch für Vincent sah es im Alter von 16 Jahren nicht gut aus, weil er einfach nicht weiter wachsen und grösser als 158 Zentimeter werden wollte. «Ich war der kleinste Spieler auf dem Platz», sagt Sierro. Also musste er zum Arzt, wo man ihm beschied, das werde dann schon. Doch es wurde nicht, und so hatte der kleine Vincent zu seinem Schutz mit einer Sondergenehmigung und auf Geheiss des FC  Sion ein halbes Jahr länger in der U16 zu bleiben. «Dabei war ich davor der beste des Teams», sagt Sierro. Er habe damals gelitten, nicht mit den Gleichaltrigen spielen zu dürfen. Doch bald folgten ein Schub und 20  neue Zentimeter innerhalb eines halben Jahres, und wer ihm nun gegenübertrat, schaute nicht mehr auf ihn runter.

Sierro schaffte schliesslich den Sprung in die erste Mannschaft und debütierte für Sion als 19-Jähriger in der Super League – gegen den FC St.Gallen. Danach erlebte er, was es heisst, im Cupfinal unter dem Präsidenten Christian Constantin und für die Walliser zu stehen. «Es gibt so viel Druck, du darfst das Endspiel nicht verlieren. Wir besiegten dort dann ja auch Basel, auch wenn ich selbst nicht zum Einsatz kam.»

Sierro sieht seine Stärken in Spielintelligenz und Technik, und er liebt das offensive Risiko, das Zeidler so sehr fordert. Im Kopfballspiel sei er nicht so gut, und manchmal heisse es, er müsse das Zweikampfverhalten verbessern. Constantin sagt: «Vincent ist ein Guter. Ruhig, gut erzogen, seriös – ein guter Charakter, arbeitsam, ein Schaffer.» Der Spieler habe alles, um ein guter Fussballer zu werden. Trotz dieses Lobs: Alles in allem verliefen die 18 Monate im Breisgau unbefriedigend. Ein Spiel über die volle Distanz hat Sierro für Freiburg nach seinem Weggang von Sion Ende Januar 2017 absolviert, es war Ende März dieses Jahres auf Schalke. Die restlichen Partien verbrachte er ohne Einsatz als Überzähliger, als Kurzarbeiter, in der zweiten Mannschaft (U23). Oder aber Sierro war verletzt, wie unmittelbar nach dem Wechsel, als die Achillessehne zwei Monate lang grosse Probleme bereitete und er in Trainingsrückstand geriet.

Kam der Wechsel zu früh? Sierro verneint, sagt, er habe nur profitiert, von Trainer Christian Streich, in Sachen Taktik, Technik und mentaler Stärke. Aber Constantin sagt: «Doch, der Wechsel kam ein Jahr zu früh. Körperlich war Vincent nicht so weit. Ich habe noch versucht, mit seinem Papa zu reden. Aber er wollte es nicht hören. Und ich wollte es mir mit Vincents Vater, einem wichtigen Mann im Wallis, nicht verscherzen. Darum habe ich nichts mehr gesagt.»

Der FC St.Gallen muss manchmal auch für den Moment schauen

Zwar muss Sierro von seinem Wohnort Herisau nun länger auf die Fahrgemeinschaft mit seinem Kumpel Cedric Itten verzichten. Dennoch ist es in St.Gallen sportlich gut angelaufen für ihn. Auf dem Platz sind sein perfektes Spanisch, Französisch und Deutsch Integrationstreiber schlechthin, neben dem Platz fördern sie jenen Tiefgang, den Sierro sucht. Manche Dinge kann sich der FC St.Gallen zwar nicht kaufen. Aber er muss manchmal nicht nur für die Zukunft schauen, sondern auch für den Moment.

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