Spitzenspiel
Es wäre noch mehr dringelegen – der FC St.Gallen sichert sich in Basel ein verdientes 0:0

Der FC St.Gallen bleibt zum sechsten Mal in Folge unbesiegt. Die Ostschweizer sichern sich in Basel ein 0:0. Allerdings wäre aufgrund ihrer Chancen durchaus auch ein Sieg möglich gewesen. Einige bange Minuten haben die Teams vor der Pause zu überstehen, als Basels Verteidiger Raoul Petretta regungslos liegen bleibt. Das letzte Spiel vor der Winterpause bestreitet St.Gallen am Dienstag zu Hause gegen die Young Boys.

Patricia Loher
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St.Gallens Jordi Quintillà (links) gegen die Basler Silvan Widmer und Fabian Frei.

St.Gallens Jordi Quintillà (links) gegen die Basler Silvan Widmer und Fabian Frei.

Andy Müller/Freshfocus

Die Spielwertung

Es ist ein unterhaltsames Spiel. St.Gallen hat zu Beginn Vorteile und müsste in Führung gehen. Die Basler kämpfen sich aber zurück, es entwickelt sich eine Partie, die auf beide Seiten kippen kann. Beide Teams forcieren die Offensive, was Spass macht. Spielnote: 5

Die Spielanalyse

In der Startphase bereitet St.Gallen dem FC Basel grosse Probleme. Schon nach eineinhalb Minuten vergeben die Ostschweizer durch Boubacar Traorè, der über den halben Platz gesprintet ist, eine gute Möglichkeit.

Die Gäste sind in der ersten halben Stunde das klar bessere Team und müssten eigentlich in Führung gehen. In der siebten Minute verpasst Lukas Görtler eine Chance knapp, wenig später scheitert Basil Stillhart mit einem platzierten Flachschuss an Basels Torhüter Heinz Lindner.

Basel kann sich kaum einmal lösen aus der Umklammerung. Das 0:2 gegen die Young Boys scheint die Mannschaft von Trainer Ciriaco Sforza doch verunsichert zu haben.

St.Gallens Boris Babic (vorne) gegen Timm Klose und Luca Zuffi.

St.Gallens Boris Babic (vorne) gegen Timm Klose und Luca Zuffi.

Andy Müller/Freshfocus

St.Gallen presst stark und gewinnt viele Bälle zurück, was Basel offensichtlich nicht behagt. Die Ostschweizer dominieren, weil sie mutig auftreten und viel in ihr Spiel investieren. Basel hingegen lässt St.Gallen viel Platz. Es dauert bis in die 15. Minute, ehe der frühere Ligakrösus nach einem Fehler von Goalie Lawrence Ati Zigi zu einer ersten Möglichkeit kommt.

Basel findet danach besser ins Spiel, die beiden Teams begegnen sich auf Augenhöhe. Doch auch Arthur Cabral und Ricky van Wolfswinkel vergeben gute Chancen. St.Gallen verteidigt in Basels bester Phase stark, obwohl dem Team Leonidas Stergiou fehlt, der an Corona erkrankt ist und sich in Quarantäne befindet. Zudem muss Trainer Peter Zeidler auf Victor Ruiz verzichten, der ebenfalls Symptome zeigte und sich am Sonntag testen lässt. Traorè ersetzt den Spanier links im Mittelfeld.

Bange Minuten: Basels verletzter Raoul Petretta (verdeckt) wird medizinisch betreut.

Bange Minuten: Basels verletzter Raoul Petretta (verdeckt) wird medizinisch betreut.

Georgios Kefalas/Keystone

Ein Schock dann nach 35 Minuten. Basels Raoul Petretta geht Sekunden nach einem Kopfball zu Boden und bleibt regungslos liegen: Samariter und Notarzt eilen auf den Platz. Zehn Minuten muss Petretta behandelt werden. Der 23-jährige Verteidiger erhält eine Halskrause, wird behutsam auf eine Trage gelegt und ins Spital transportiert. Noch ist ungewiss, wie schwer sich der Basler verletzt hat. Offenbar leidet Petretta an Nackenproblemen.

Zweimal interveniert Zigi stark

Nach der Pause entwickelt sich ein offener Schlagabtausch. Die beiden Teams schenken sich nichts, was die Begegnung unterhaltsam macht. Zweimal kann sich St.Gallen auf Zigi verlassen, der einmal gegen Edon Zhegrova klärt und dann auch eine Chance von Cabral pariert.

In der 58. Minute spielt sich Görtler schön durch über rechts. Am Elfmeterpunkt kommt Boris Babic freistehend zum Abschluss, doch Goalie Lindner lenkt den Ball mit den Fingerspitzen über das Tor.

Hier wäre für den FC St.Gallen definitiv etwas zu holen.

Basel rennt an, doch St.Gallen kommt weiter zu den besseren Chancen. In der 74. Minute zwingt der eingewechselte Thody Élie Youan Torhüter Lindner zu einer Parade.

St.Gallen steckt nie auf und sucht weiter das Führungstor. Phasenweise treten die Gäste wieder sehr dominant und selbstbewusst auf. Kurz vor Schluss vergeben die Ostschweizer durch Görtler den Matchball. Sie haben aber auch Glück, als Basels Jasper van der Werff in der 91. Minute nur den Pfosten trifft.

Am Dienstag empfängt St.Gallen im letzten Spiel vor der Winterpause die Young Boys. Die Berner spielten am Samstag im eigenen Stadion gegen Lugano nur 2:2. St.Gallens Rückstand auf den Leader beträgt fünf Punkte.

Der Beste

Lukas Görtler. Es ist beeindruckend, wie der Deutsche um jeden Ball kämpft. Görtler holt selbst aus vermeintlich aussichtslosen Situationen noch einen Vorteil heraus und ist überall anzutreffen. Zudem ist er torgefährlich. Und sein genaues Zuspiel auf Babic hätte in der 58. Minute beinahe die Führung zur Folge gehabt.

Der Schlechteste

Eigentlich fällt keiner ab. St.Gallen stellt an diesem Abend ein gut funktionierendes Kollektiv. Zu Beginn der zweiten Halbzeit unterlaufen aber Yannis Letard zwei Fehler, die dem Team fast den Rückstand eingebrockt hätten. Der Franzose fängt sich aber.

Der Schiedsrichter

Fedayi San bleibt unauffällig, was ein gutes Zeichen ist.

Aufgefallen

Victor Ruiz gehört dem Aufgebot nicht an. Der Spanier hat offenbar leichte Symptome gezeigt und wird am Sonntag auf das Coronavirus getestet. Ebenfalls nicht mit dabei ist Florian Kamberi, der noch nicht wie gewünscht in Form gekommen ist. Dafür wieder im Kader ist Kwadwo Duah, der sich zuletzt wegen eines positiven Coronafalls in seinem Umfeld in Quarantäne befand.

Die Reaktionen

Peter Zeidler, Trainer FC St.Gallen: «Am wichtigsten ist, dass es Raoul Petretta bald wieder gut geht. Im Spiel haben wir heute viele Dinge so gemacht, wie wir uns das vorstellen. In der zweiten Halbzeit traten wir dominant auf und natürlich hätte ich mir gewünscht, dass eine unserer Chancen reingeht. Eine Mannschaft wie Basel kann man nicht 90 Minuten im Griff haben, was der Pfostenschuss in der 91. Minute aufgezeigt hat.»

Ciriaco Sforza, Trainer FC Basel: «Es war ein gutes Spiel, das auch 2:2 oder 3:3 hätte enden können. Ich habe eine Reaktion gesehen auf die Niederlage gegen die Young Boys. Wir kämpften bis zum Schluss.»