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Einmal Chelsea retour: St.Gallens
Miro Muheim hat sich zurückgekämpft

Nach der Zeit in England war der Neuanfang für Miro Muheim in der Schweiz schwierig. Der Zürcher zog sich einen Kreuzbandriss zu und fiel zehn Monate aus. Nun steht er wieder im Kader des FC St. Gallen. Sein Trainer wünscht ihm Gelassenheit.
Patricia Loher
Miro Muheim hat seinen Vertrag in St. Gallen bis 2021 verlängert. (Bild: Benjamin Manser)

Miro Muheim hat seinen Vertrag in St. Gallen bis 2021 verlängert. (Bild: Benjamin Manser)

Es waren nur elf Minuten, doch für Miro Muheim bedeuteten sie alles. Fast ein Jahr nach dem Kreuzbandriss kam der 20-Jährige am vergangenen Samstag im Sittener Tourbillon wieder zu einem Einsatz in der Super League. Hinterher meldete er: «Das Knie hält.» Muheim war im vergangenen März erst wenige Wochen beim FC St. Gallen unter Vertrag, als in einem Spiel mit der zweiten Mannschaft das Kreuzband riss. Der junge Fussballer hatte sich seinen neuen Vorgesetzten noch gar nicht richtig zeigen können, als die Welt für ihn zusammenbrach.

Der Weg kostete Schweiss und Tränen

Es war für Muheim der erste Prüfstein der Karriere. Er kostete ihn Schweiss, manchmal auch Tränen. Aber der Zürcher hat sich durchgebissen.

«Natürlich gab es diese Löcher. Die Reha war eintönig. Nur wusste ich: Bleibe ich nicht positiv, tut das auch dem Körper nicht gut. Meine Familie, die Freundin und die Kollegen waren wichtige Stützen.»

Und da war auch Sportchef Alain Sutter, der ihm vor etwas mehr als einem Jahr die Möglichkeit gegeben hatte, in die Schweiz zurückzukommen. Auch Sutter stand Muheim zur Seite. Ende dieses Januars verlängerte St. Gallen den Vertrag des Schweizer Nachwuchs-Internationalen bis 2021. Muheim bezeichnet das als «unglaublichen Vertrauensbeweis».

«Sutter sagte, dass ich auf mein Herz hören soll»

Schon bevor Muheim mit 16 Jahren den Schritt in die Nachwuchsakademie des FC Chelsea wagte, hatten sich die Wege des jungen Spielers und des früheren Schweizer Internationalen gekreuzt. Muheim, damals im Nachwuchs des FC Zürich, nutzte das Mentalcoaching-Angebot von Sutter, zudem arbeiteten sie gemeinsam an der Koordination. Als es konkret wurde mit dem Interesse des Londoner Grossclubs, war Muheim der Rat von Sutter wichtig. «Er sagte, dass ich auf mein Herz hören soll.»

Muheim hatte die Scouts von Chelsea an einem Nachwuchsturnier in Ruggell in Liechtenstein auf sich aufmerksam gemacht, als er sein Team fast im Alleingang in den Final führte. Die Londoner entsandten später auch einen Beobachter an ein Meisterschaftsspiel: «Aber mir war das damals egal. Ich wollte nicht weg aus Zürich.»

Miro Muheim durchlief in der Akademie von Chelsea die U18 sowie die U23. In England lebte er in Cobham in einer Gastfamilie 40 Kilometer ausserhalb von London. (Bild: Benjamin Manser)

Miro Muheim durchlief in der Akademie von Chelsea die U18 sowie die U23. In England lebte er in Cobham in einer Gastfamilie 40 Kilometer ausserhalb von London. (Bild: Benjamin Manser)

Doch irgendwann wurde die Verlockung für den Hochbauzeichner-Lehrling doch grösser, Muheim setzte eine Pro- und Kontra-Liste, auf um danach mit seinen Eltern zu entscheiden:

«Ich mache es. Ich hätte es wohl mein Leben lang bereut, wenn ich diese Chance nicht genutzt hätte.»

Er durchlief in der Akademie die U18 sowie die U23 und staunte immer wieder über die perfekten Trainingsbedingungen, über Plätze, auf denen Golf hätte gespielt werden können. Muheim profitierte von den taktisch bestens geschulten Coaches. Und: «Bezüglich der Mentalität habe ich mir von den Engländern viel abgeschaut. Sie sind stark im Kopf, und jeder weiss, was es heisst, sich seinen Platz erkämpfen zu müssen.»

Das Stadtkind vermisst die Schweiz

Davon will er nun in St. Gallen profitieren, die Konkurrenz ist auch hier gross. Muheims Vorteil ist die Polyvalenz. Er kann links sowohl in der Verteidigung, auf dem Flügel als auch im Angriff eingesetzt werden. St.Gallens Trainer Peter Zeidler sagt: «Miro darf sich nach seiner schweren Verletzung nicht zu sehr unter Druck setzen. Er muss jetzt nicht gleich zum Stammspieler werden.» Zeidler wünscht dem 20-Jährigen Gelassenheit.

In England lebte der Spieler in Cobham in einer Gastfamilie 40 Kilometer ausserhalb von London, wo sich auch das Trainingsgelände befand. Andreas Christensen, der zwischenzeitlich für Mönchengladbach spielte, und Kevin Wright waren im selben Haushalt untergebracht. Die drei verstanden sich gut. Als sie Chelsea verliessen, verlor Muheim ein Stück Heimat. Zudem macht er kein Geheimnis daraus, ein Stadtkind zu sein.

Er, der im Zürcher Kreis 5 als Sohn einer Künstlerin und eines Anwalts aufgewachsen ist, kehrte dem 10'000-Einwohner-Ort den Rücken und zog näher in Richtung Londoner Stadtzentrum. «Doch ich begann je länger je mehr die Schweiz zu vermissen. Die Familie, die Freundin.» Er liess sich für ein halbes Jahr ausleihen an seinen Stammclub FC Zürich, doch der Traum von einem Profivertrag platzte. Der Anruf von Sutter war für Muheim ein Glücksfall.

Erstarkte Neuenburger gastieren im Kybunpark

Der FC St. Gallen zeigt in dieser Saison eine Vorliebe für das 3:2. Vier der acht Saisonsiege für die Ostschweizer endeten mit diesem Resultat. Gegen Zürich und Thun war dies so – und zweimal gegen Xamax. Gut möglich also, dass es auch morgen Sonntag ab 16 Uhr im Kybunpark wieder zu einem Schlagabtausch und einem engen Spiel kommen wird, wenn die Neuenburger zu Gast sind. Zuletzt brachten die St. Galler im Dezember den Heimsieg gegen die Romands nur mit Zittern über die Zeit, im September in Neuenburg stellten sie den Sieg erst in der Nachspielzeit sicher. Einfacher dürfte es morgen nicht werden, zumal die Romands gut aus der Winterpause gekommen sind. Nach Siegen gegen die Grasshoppers und Luzern konnten sie sich vorerst vom letzten Platz auf den Barrageplatz vorarbeiten. Zeidler: «Xamax hat Hoffnung geschöpft.» Bei den Romands wird Neuzugang Serey Dié gesperrt fehlen, nachdem er im Spiel gegen Basel die rote Karte wegen einer Unsportlichkeit gesehen hatte. St. Gallen fehlen die Langzeitverletzten Alain Wiss und Cedric ­Itten, zudem ist der Einsatz von drei weiteren Spielern fraglich. Stürmer Simone Rapp laboriert weiter an Problemen im Bereich der Hüften. Tranquillo Barnetta zieht’s im Knie, Nicolas Lüchinger kämpft mit muskulären Problemen im Bauch. Dennoch nehmen die Ostschweizer im eigenen Stadion gegen Xamax die Favoritenrolle ein – auch wenn Zeidler dies nicht so sehen will. Mit Xamax gastiere ein mental starkes Team in St. Gallen, das viel Hoffnung geschöpft habe, seit dem Stéphane Henchoz das Traineramt übernommen habe. Zeidler erwartet einen FC St. Gallen, der so dominant auftritt wie in den ersten Minuten gegen den gleichen Gegner im Dezember. Zwischen Platz vier und sieben ist alles möglich Für St. Gallen kommt es morgen zu einem Fernvergleich um den vierten Platz mit dem FC Zürich. Gewinnen die Ostschweizer und geben die Zürcher zu Hause gegen Lugano Punkte ab, stösst Zeidlers Team auf den vierten Platz vor. Bei einer Niederlage hingegen droht gar ein Fall auf Platz sieben, sollten Luzern und Sion heute Abend ihre Spiele gewinnen. (rst)

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