Ein Unentschieden in der Innerschweiz: Der FC St.Gallen lässt in einem hektischen Spiel gegen Luzern die ersten Punkte liegen

Die St.Galler können eine zweimalige Führung nicht über die Zeit retten und verlassen den Platz erstmals in dieser Saison nicht als Sieger, bleiben aber weiterhin Tabellenführer. Für Wirbel sorgt zudem eine angebliche Spuck-Attacke von Lukas Görtler.

Tim Naef
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Lukas Görtler wird über 90 Minuten mehrere Male hart angegangen.

Lukas Görtler wird über 90 Minuten mehrere Male hart angegangen.

Bild: Keystone

Die Spielwertung

Vor allem für neutrale Zuschauer ist das Spiel in Luzern schön anzusehen. Viel Hektik, vier Tore und einige strittige Szenen liefern die beiden Teams den Zuschauern. Was fehlt, ist aus St.Galler Sicht einzig der vierte Sieg im vierten Spiel. Spielnote: 5

Die Tore

  • 0:1, 5. Minute, Victor Ruiz: Teamarbeit. Kwadwo Duah zieht nach Innen, passt auf Alessandro Kräuchi, welcher mit einem Antritt die Luzerner Defensive aushebelt und den besser postierten Ruiz sieht. Der Spanier muss aus fünf Metern nur noch zum Führungstreffer einschieben. 
  • 1:1, 51. Minute, Dejan Sorgic. FCSG-Goalie Zigi klärt einen Eckball nur ungenügend. Sorgic steht goldrichtig und schiebt aus einem Meter zum Ausgleich ein.
  • 1:2, 59. Minute, Jordi Quintillà. Der Captain wird in der gegnerischen Hälfte angespielt. Kein Luzerner fühlt sich für Quintillà verantwortlich, so schlenzt er den Ball flach in Richtung Tor. Luzern Keeper Marius Müller fällt wie eine Bahnschranke und greift daneben. 
  • 2:2, 66. Minute, Filip Ugrinic. Silvan Sidler bedient Filip Ugrinic, der als Einwechselspieler den Ausgleich erzielt.

Die Spielanalyse

Es wird ab der ersten Minute nach vorne gespielt, keine Anzeichen von Abtasten nach der Länderspielpause. In der 2. Minute hat Luzerns Schürpf den Führungstreffer auf dem Fuss, verzieht aber knapp. Nur drei Minuten später bringt Victor Ruiz nach einer herrlichen Vorarbeit Alessandro Kräuchis die St.Galler in Front.

Je länger die erste Halbzeit dauert, desto besser bekommen die Espen das Spiel in den Griff. Ein ums andere Mal dringen sie mit schönen Kombinationen in den gegnerischen Strafraum ein. Duah und Guillemenot scheitern jeweils nur knapp. In der Folge stehen die St.Galler höher, das Pressing nimmt zu. Ein Luzerner Pass nach dem anderen findet nicht den gewünschten Abnehmer. Das führt zu weiteren Chancen, nicht aber zu Toren. In der St.Galler Hälfte bleibt es ruhig, Fazliji und Stergiou haben alles im Griff. Und dann doch, kurz vor dem Pausenpfiff hat Luzerns Dejan Sorgic die grosse Möglichkeit zum Ausgleich, scheitert aber an FCSG-Goalie Lawrence Zigi.

Jérémy Guillemenot ist einer der aktivsten St.Galler in der ersten Halbzeit

Jérémy Guillemenot ist einer der aktivsten St.Galler in der ersten Halbzeit

Bild: Keystone

Der Pausentee scheint den St.Gallern nicht gut getan zu haben. Luzern kommt in den ersten fünf Minuten zu mehreren Grosschancen. Es kommt wie es kommen muss: Nach einem Eckball klärt FCSG-Goalie Zigi nur ungenügend. Sorgic steht richtig und drückt den Ball aus einem Meter über die Linie.

Beide Teams spielen nach dem Ausgleich mit offenem Visier. Luzern ist in dieser Phase aber die bessere Mannschaft. Entgegen des Spielverlaufs gehen aber wieder die St.Galler in Führung. FCL-Goalie Müller greift bei einem Schuss Jordi Quintillàs daneben. Die Freude wehrt aber nur kurz. Filip Ugrinic trifft in der 66.Minute zum neuerlichen Ausgleich.

Das Spiel läuft nicht für den FC St.Gallen. Das merkt auch Trainer Peter Zeidler. In der 70. Minute wechselt er gleich doppelt. Er nimmt beide Stürmer raus und bringt Boris Babic und Andre Riberio. Viel bringen die Neuen aber nicht. Luzern bleibt die bessere Mannschaft. St.Gallen darf sich, einmal mehr, bei Goalie Lawarence Zigi bedanken. Der Ghanaer hält den Punkt und damit auch die Tabellenführung in der Schlussphase mit mehreren Paraden fest.

Mit dem 2:2-Unentschieden verpasst der FC St.Gallen eine historische Marke. Es ist in der obersten Schweizer Liga seit 1933 keinem Team gelungen in den ersten vier Spielen einer Saison ohne Gegentreffen zu bleiben.

Der Beste

Lawrence Zigi. Der Goalie rettet den St.Galler Punkt immer wieder. Kurz vor Schluss wehrt er gleich drei 100-Prozentige innerhalb weniger Sekunden ab.

Der Schlechteste

Jérémy Guillemenot. Hat der U21-Nationalspieler in den ersten 45 Minuten noch die eine oder andere gute Szene, taucht er in der zweiten Hälfte komplett ab. Coach Peter Zeidler hat in der 70. Minute ein Einsehen und wechselt Guillemenot aus.

Der Aufreger

19. Minute, die bestuhlte Luzerner Fankurve tobt! Was war passiert? Görtler wird von Tsiy Ndenge abgelaufen, beide kommen nach der Grundlinie ins Straucheln. Beim Aufstehen spuckt der Deutsche auf den Boden. Für den Luzerner Anhang sieht es aber aus, als würde er in Richtung Ndenge spucken.

Görtler entschuldigt sich sofort, Ndenge scheint es nicht einmal bemerkt zu haben. Dennoch: Schiedsrichter Fedayi San schaut sich die Szene nochmals an, sieht aber keine Absicht. Das Spiel geht weiter – im Nachgang äussert sich Lukas Görtler via Instagram zum Vorfall: «Nachdem ich gerade die TV-Bilder gesehen habe, war ich selbst erschrocken, dass man die Aktion so interpretieren kann.»

Zeidler vor der gegnerischen Fankurve

Nach dem Spiel gibt Görtler ein Interview in der Nähe des Luzerner Anhangs. Die Fans decken den Deutschen mit üblen Sprechchören ein. FCSG-Coach Peter Zeidler sieht sich die Szenerie erst von der Ferne an, ehe er beschliesst direkt mit den gegnerischen Fans zu sprechen. «Ich wollte nur mit ihnen reden. Ich habe die Szene mit Görtler aber nicht genau gesehen», sagt Zeidler kurz nach dem Abpfiff.

Bild: PD

Der Schiedsrichter

Fedayi San hat ein hektisches und teilweise grobes Spiel zu jederzeit unter Kontrolle. Gute Leistung.

Aufgefallen

Corona bleibt auch im Fussball omnipräsent. Das für Sonntag um 16 Uhr angesetzte Super-League-Spiel zwischen dem FC Zürich und Basel musste wegen eines weiteren Coronavirus-Falls beim FC Basel verschoben werden.

Die Fans

Wenige Minuten vor Anpfiff verkündete Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga weitere Massnahmen gegen das Coronavirus. Grossanlässe, wie beispielsweise das Super-League-Spiel in Luzern, bleiben aber gemäss den aktuellen Massnahmen unangetastet. Diese würden in der Verantwortung der Kantone liegen, hiess es an einer Medienkonferenz des Bundes. Steigen die Fallzahlen aber weiter exponentiell an, ist fraglich, ob in ein paar Wochen weiterhin Tausende Menschen in die Stadien dürfen.

Die Reaktionen

FCSG-Coach Peter Zeidler: «Nach dem Spiel können wir mit dem einen Punkt zufrieden sein, vor allem wenn man die drei Paraden von Zigi in der Schlussphase noch im Kopf hat.»

Auf die Szene mit Lukas Görtler angesprochen sagt Zeidler: «Ich habe die Szene noch nicht im TV gesehen.» Es sei aber sicher keine Absicht gewesen. «Dennoch hätte er die Aktion weglassen können».

Das Spiel im Liveticker nachlesen:

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Coronafälle bei Ghana – weshalb FCSG-Goalie Zigi trotzdem nicht in Quarantäne ist

St.Gallens Torhüter Lawrence Ati Zigi war zuletzt in der Türkei mit der ghanaischen Nationalmannschaft unterwegs. Der 23-Jährige kehrte am Dienstag in die Schweiz zurück. Laut «Blick» sind unterdessen drei Mitglieder des ghanaischen Nationalteams positiv auf das Coronavirus getestet worden, Zigi aber trainiere seit Donnerstag wieder in St.Gallen mit. «Wie ist das möglich?», fragt die Boulevardzeitung.