Ein Team wartet auf neue Ideen

FUSSBALL. Die 1:2-Niederlage in Basel ist für St.Gallen keine Katastrophe. Der Auftritt zeigt aber, dass das Team eine Veränderung braucht. Mit der Aufstellung stellte Interimscoach Daniel Tarone vieles in Frage: Zum Beispiel die Rolle Dejan Janjatovics.

Ralf Streule
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Daniel Tarone leidet im St.Jakob-Park. Weiter ist offen, wie lange er noch St.Gallens Interimstrainer bleibt. (Bild: Keystone)

Daniel Tarone leidet im St.Jakob-Park. Weiter ist offen, wie lange er noch St.Gallens Interimstrainer bleibt. (Bild: Keystone)

Das Resultat alleine könnte sich sehen lassen. Ein 1:2 beim ungeschlagenen Leader, dazu in den letzten Minuten des Spiels sogar die Möglichkeit zum Ausgleich: Das ist in dieser Saison kaum einem Team gegen den FC Basel gelungen. Täuschen lassen darf sich der FC St.Gallen aber nicht. Unter Interimstrainer Daniel Tarone lieferte man diejenige Leistung ab, die man in den vergangenen Wochen auch unter Jeff Saibene öfters zu sehen bekam. Es standen St.Galler auf dem Platz, denen der Wille nicht abging – aber schlicht und einfach die Qualität und die überraschenden Ideen. Basel dominierte die Startphase, nahm sich danach zurück. St.Gallen verhinderte Schlimmeres, war aber harmlos. Gefährlich wurde man dem Meister nur dank des schönen Anschlusstreffers aus dem Nichts von Marco Aratore, zwei Minuten vor Schluss.

Trainingsfauler Janjatovic

Überbewerten will die Niederlage in der derzeitigen Zwischenphase ohne Chefcoach niemand im Umfeld des Clubs. Schliesslich steht man weiter auf dem sechsten Rang – wenn auch nur einen Punkt vor dem Tabellenletzten Vaduz. Ausserdem fehlten in Basel mit Albert Bunjaku, Alain Wiss und Everton drei Akteure auf Schlüsselpositionen. Dennoch warf der Abend einige Fragen auf. Die nach der Form von Yannis Tafer zum Beispiel. Und die wohl zentralste: Wie soll es mit Dejan Janjatovic weitergehen? Der Mittelfeldspieler stand nicht im Aufgebot – aufgrund fehlenden Trainingseinsatzes, wie Tarone erklärte. Dass er auf den begabten Spieler verzichtete, dafür im defensiven Mittelfeld auf das nicht eingespielte Duo Mario Mutsch und Marco Mathys setzte, lässt erahnen, dass der Bruch mit Janjatovic gross ist. Der Deutsche scheint sich mental vom Team schon länger verabschiedet zu haben. Vielleicht spielt mit, dass mit Goran Karanovic ein Freund das Team verliess. Der künftige Trainer wird sich die Frage stellen müssen, ob er Janjatovic, dessen Vertrag 2016 ausläuft, eine neue Chance geben will. Sein baldiger Abgang ist nicht zu erwarten – Anfragen liegen keine vor, sagt Medienchef Daniel Last.

Hefti mit solidem Début

Tarone zeigte mit der ungewöhnlichen Aufstellung aber auch Möglichkeiten auf. Pascal Thrier und Roy Gelmi könnten ein mögliches Innenverteidiger-Duo bilden – auch wenn sie in Basel noch nicht in jeder Situation sattelfest aussahen. Wiss könnte so auf seiner Lieblingsposition im defensiven Mittelfeld neben Everton agieren. Weiter zeigte Mutsch, dass er sich im defensiven Mittelfeld besser entfalten kann als in der Verteidigung. Auf seiner angestammten Position könnte künftig ein 17-Jähriger einen wichtigen Part übernehmen. Silvan Hefti, dem Talent aus dem eigenen Nachwuchs, gelang am Samstag ein solides Début. Gegen Schluss der Partie deutete er mit mutigen Vorstössen auch sein offensives Potenzial an.

Trainersuche geht weiter

Sicher ist, dass auf den neuen Trainer viel Arbeit zukommt. Er wird an der mentalen Verfassung arbeiten müssen – vor allem aber an taktischen Fragen. Das Team wartet auf neue Ideen. Und auf eine klare Handschrift, die seit dem Saisonbeginn fehlte. Noch ist offen, wann der neue Trainer vorgestellt wird. «Idealerweise diese Woche», sagte Medienchef Last gestern. Es könne aber auch sein, dass der Name erst später falle. Nach dem Cupspiel in Breitenrain am Sonntag – oder aber nach dem Meisterschaftsspiel gegen Thun am Dienstag darauf. Dann sind die 20 Tage abgelaufen, welche die Liga dem Club gibt, den Richtigen zu finden.