Ein verdienter Punkt im Joggeli: Der FC St.Gallen spuckt Basel in die Jubiläumssuppe

Mit einer speziellen Aktion hat der FC Basel im Heimspiel gegen den FC St.Gallen sein 125-Jahr-Jubiläum gefeiert. Die Ostschweizer verzichteten auf Gastgeschenke und bleiben dank des 1:1 in der Rückrunde ungeschlagen.

Daniel Walt
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Nach dem verschossenen Penalty: Vor den Augen des St.Gallers Vincent Sierro wird Ricky van Wolfswinkel von Fabian Frei getröstet. (Bild: Keystone)

Nach dem verschossenen Penalty: Vor den Augen des St.Gallers Vincent Sierro wird Ricky van Wolfswinkel von Fabian Frei getröstet. (Bild: Keystone)

Das Tor

  • 0:1, 86. Minute, Torschütze: Axel Bakayoko. In der zweiten Halbzeit eingewechselt, wird Axel Bakayoko von Ashimeru auf halbrechts lanciert. Er entwischt der Basler Verteidigung und überwindet FCB-Goalie Jonas Omlin eiskalt.
  • 1:1, 90. Minute, Torschütze: Samuele Campo. Campo gelingt der Ausgleich per Freistoss von der Strafraumgrenze aus. St.Gallen-Keeper Stojanovic ist noch dran, kann den Ausgleich aber nicht verhindern.

Die Spiel-Analyse

Es ist ein unterhaltsames Offensivspiel, das die beiden Teams unter den Augen von Ex-FCSG-Trainer Jeff Saibene vom Anpfiff weg bieten. Die Basler sind insbesondere über ihre linke Angriffsseite gefährlich. St.Gallen-Goalie Dejan Stojanovic stellt in der ersten Viertelstunde aber gleich mit drei sicheren Interventionen unter Beweis, dass er auf der Höhe des Geschehens ist. Eine Glanztat vollbringt der Espen-Keeper dann nach 22 Minuten, als er Ricky van Wolfswinkels Foulelfmeter entschärft.

Auch St.Gallen kommt in Umgang eins vor über 27'500 Fans zu mehreren guten Chancen. Einmal kann Kutesa auf rechts davonziehen, sein Abschluss fällt aber harmlos aus. Dann verzieht Barnetta von der Strafraumgrenze aus knapp. Und nach 30 Minuten wuselt sich der eifrige Kutesa durch die Bebbi-Abwehr und bedient Simone Rapp – der scheitert aber an FCB-Goalie Omlin. Auch wenn die St.Galler ihre Chancen haben, müssen sie letztlich froh sein, mit dem 0:0 in die Pause zu kommen: Luca Zuffi trifft nach 37 Minuten mit einem Schuss nur den Innenpfosten.

Der Gästeblock im Basler Joggeli war gut gefüllt. Viele St.Gallen-Fans hatten die Reise nach Basel angetreten. (Bild: Keystone)

Der Gästeblock im Basler Joggeli war gut gefüllt. Viele St.Gallen-Fans hatten die Reise nach Basel angetreten. (Bild: Keystone)

In der zweiten Halbzeit sind die Torchancen weniger zahlreich: Die beiden Verteidigungen haben sich mittlerweile besser auf ihre Gegner eingestellt. Das Spiel bleibt aber hart umkämpft und jederzeit spannend. Eine Grosschance von van Wolfswinkel nach 75 Minuten macht wiederum Dejan Stojanovic zunichte. Den grossen Coup landet der FC St.Gallen dann nach 86 Minuten: Axel Bakayoko entwischt nach einem Traumpass von Majeed Ashimeru auf der rechten Seite und trifft zum vielumjubelten 1:0 für die Gäste. Kurz vor Ablauf der 90 Minuten müssen die Ostschweizer nach einem Freistoss von Campo dann aber noch den Ausgleich hinnehmen. Letztlich geht das 1:1 in einem attraktiven, spannenden Spiel in Ordnung.

Der Beste

Dejan Stojanovic. Der St.Galler Goalie wirkt in seinen Interventionen (mit einer Ausnahme in Halbzeit zwei) bestechend sicher. Und er pariert einen Elfmeter von Ricky van Wolfswinkel. An der Bestnote schrammt Stojanovic nur deshalb vorbei, weil er den Ausgleich per Freistoss nicht verhindern kann.

Der Schlechteste

Nicolas Lüchinger. Insbesondere in Halbzeit eins kommen die Basler über seine Seite immer wieder zu gefährlichen Aktionen. Und in der Vorwärtsbewegung sorgt der Rheintaler mit überhasteten Abspielen für Ballverluste.

Der Aufreger

Kurz vor Ende der ersten Halbzeit prallen FCSG-Keeper Stojanovic und Basel-Stürmer van Wolfswinkel ausserhalb des Strafraums unglücklich zusammen. Die Heimfans haben ab dann ihren Buhmann – auch weil Stojanovic ohne Verwarnung davonkommt. 

Misstöne beim Clubjubiläum

Aus Anlass des 125-Jahr-Jubiläums führt der FC Basel in dieser Spielzeit diverse Aktionen durch. Für das Spiel gegen den FCSG boten die Bebbi Einzeltickets für 12.50 Franken an. Neben dem Platz ist beim FCB derzeit aber gewaltig Dampf im Kessel: Zu reden gibt, dass sich der Club für rund eine Million Franken bei einem indischen Verein eingekauft hat. Die Bebbi haben sich damit das Recht erworben, auf Talente der Inder zuzugreifen, und sie werden auch an den Zuschauereinnahmen sowie Geldern aus Sponsoring und TV-Übertragungen partizipieren.

Die FCB-Fans sehen das Indien-Engagement ihres Lieblingsclubs äusserst kritisch. Und tun ihren Unmut am Samstagabend kund – mit einer deutlichen Botschaft und dem kollektiven Abgang aus der Muttenzerkurve auf den Anpfiff hin:

In ihren Block kehren die Basler Anhänger übrigens erst auf die zweite Halbzeit hin wieder zurück.

Erinnerung: Als es für den FCSG in Basel noch besser lief als an diesem Abend

Was ist dieser neue FC St.Gallen wert? Das fragten sich die Fans, als ihre Lieblinge am 21. Juli vergangenen Jahres beim FC Basel in die Meisterschaft starteten. Nach 94 Minuten lautete die Antwort: eine ganze Menge. Völlig überraschend fügte das Team des neuen Trainers Peter Zeidler dem grossen Favoriten nämlich eine Heimniederlage zu.

Der 2:1-Sieg der St.Galler, zustande gekommen durch Treffer von Cedric Itten und Vincent Sierro, war zwar glücklich – das Tor Sierros fiel erst in der 94. Minute. Er war aber keineswegs unverdient. Denn die Ostschweizer machten das Versprechen von Präsident Matthias Hüppi wahr, in der neuen Spielzeit frischen, mutigen Fussball zu zeigen. Das Eigentor von Jordi Quintillà zum zwischenzeitlichen 1:1 blieb somit der einzige Wermutstropfen an einem aus Ostschweizer Sicht grossen Abend.

Die Reaktionen

Dejan Stojanovic, Goalie FCSG: Mit einem Punkt in Basel kann man zufrieden sein. Beim Penalty habe ich spekuliert. Ich hatte analysiert, wie van Wolfswinkel seine Elfmeter schiesst. Letztes Jahr zielte er in die andere Ecke... Es gehört aber natürlich immer auch ein wenig Glück dazu.

Peter Zeidler, Trainer FCSG: Die Basler haben uns in der ersten Halbzeit grosse Probleme bereitet. Denken wir nur an den Pfostenschuss und den verschossenen Elfmeter. Trotzdem: Auch wir hatten unsere Chancen. In der zweiten Halbzeit haben wir dann besser verteidigt und hatten einige Konterchancen. Es wäre zu schön gewesen, wenn wir die grosse Überraschung geschafft hätten. In der Nachspielzeit könnte Simone Rapp gar das 2:0 machen. Das wäre aber wohl des Guten zu viel gewesen. 

Marcel Koller, Trainer FCB: Ob der Boykott unserer Anhänger in der ersten Halbzeit einen Einfluss auf das Spiel hatte? Ich glaube nicht, dass es von den Fans abhängt, ob wir unsere Chancen verwerten und einen Elfmeter versenken. Das hat damit nichts zu tun. Ich bin froh, dass meine Spieler nach dem Rückstand Moral gezeigt haben. Der Ausgleich zum 1:1 war absolut verdient. Wir haben ein intensives Spiel zweier Mannschaften gesehen, die sich nichts geschenkt haben.

Das Spiel im Liveticker nachlesen:

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