Ein Neustart und ein Ende: Der FC St.Gallen beginnt mit der Vorbereitung für die Rückrunde

Der FC St.Gallen hat nach den Weihnachtsferien wieder das Training aufgenommen. Und muss in Zukunft ohne Alain Wiss auskommen.

Christian Brägger
Hören
Drucken
Teilen
Die Spieler des FC St.Gallen, hier André Ribeiro, haben das Training wieder aufgenommen.

Die Spieler des FC St.Gallen, hier André Ribeiro, haben das Training wieder aufgenommen. 

Bilder: PD

Nach dem Rutsch ins neue Jahr ist gestern der FC St. Gallen in die Vorbereitung gestartet. Es gilt, sich fit zu machen für die Rückrunde, die für die Ostschweizer am 26.Januar zu Hause gegen den FC Lugano beginnt. Wie üblich an diesem ersten Einrückungstag mussten die Spieler am Morgen zuerst Zeugnis ihrer Verfassung nach den Festtagen und auferlegten Fitness-Hausaufgaben abliefern; laut Peter Zeidler kamen Laktatmessungen sowie «die ganze Testbatterie» für Sprungkraft- und Ausdauerwerte zum Einsatz.

Hierbei erhält der St. Galler Trainer von Akteuren wie Ermedin Demirovic oder André Ribeiro einen ersten Datensatz, die Offensivspieler waren ja erst während der Vorrunde zu den Ostschweizern gewechselt. Zudem liefern die Testreihen auch zu Jungen wie Tim Staubli, die in der Vorrunde beim Tabellendritten nicht regelmässig spielten, Erkenntnisse und dem Coach damit Hinweise, wo in den nächsten Tagen und Wochen im physischen Bereich die Hebel anzusetzen sind.

Am Nachmittag leitete Zeidler dann bei ziemlicher Kälte bereits die erste Übungseinheit auf dem Kunstrasen im Gründenmoos. Er war sehr angetan von der Spielfreude seiner Profis, «wir sind wieder drin», sagt er.

Ermedin Demirovic

Ermedin Demirovic

Fabiano soll heute aus der Heimat zurückkehren

Aus den zweieinhalbwöchigen Weihnachtsferien sind bis auf Fabiano Alves alle zurückgekehrt, der Mittelfeldspieler wird erst heute Freitag aus seiner Heimat Brasilien zurückerwartet. Sogar Slimen Kchouk war wieder dabei, nachdem er noch im Herbst einen Kurzurlaub eigenmächtig verlängert hatte und temporär aus dem Kader der ersten Mannschaft verbannt worden war; Zeidler dürfte auch weiterhin kaum auf den Tunesier setzen.

Nicht mehr beim FC St. Gallen dabei ist indes definitiv Alain Wiss, der nach viereinhalb Jahren eine neue Herausforderung sucht und diese womöglich in der Nähe finden wird. Dem Vernehmen nach hat der österreichische Bundesligaclub Altach die Fühler nach dem Zentralschweizer mehr als ausgestreckt und soll einen längerfristigen Vertrag bieten. Wiss bestritt für den FC St.Gallen 88 Pflichtspiele.

Vor etwas mehr als einem Jahr hiess es noch, der im vergangenen Sommer auslaufende Vertrag des zweifachen Schweizer Nationalspielers werde nicht mehr verlängert. Doch dann riss sich der Innenverteidiger, der auch als defensiver Mittelfeldspieler eingesetzt werden kann, im Trainingslager vor einem Jahr im spanischen La Manga das Kreuzband und St.Gallen verlängerte den Kontrakt trotz oder gerade wegen der Verletzung für ein halbes Jahr, um dem Spieler Zeit für die Rückkehr zu geben.

Dejan Stojanovic

Dejan Stojanovic

Wiss war dienstältester Akteur der Ostschweizer

Wiss schaffte den Anschluss wieder und gehörte in der Vorrunde spätestens seit September zu jenen Spielern, die jeweils aufs Matchblatt finden. Doch Wiss kam an Jordi Quintillà sowie den jungen, entwicklungsfähigen Spielern wie Leonidas Stergiou, Betim Fazliji oder Yannis Letard nicht vorbei und spürte wohl auch jetzt, dass die Perspektiven in Zukunft nicht auf einen Stammplatz hindeuteten. Auch deshalb und weil Wiss auf sich schauen muss, schlug er das angedachte Angebot aus, den Kontrakt erneut um ein halbes Jahr zu verlängern.

Damit verliert der FC St. Gallen einen Profi, dessen Wichtigkeit zuletzt eher verborgen blieb, weil er eben nicht Stammspieler war und auf dem Platz keine tragende Rolle spielte. Und doch war Wiss als dienstältester Akteur der Ostschweizer und mit seiner Routine ein Faktor im jungen Gefüge, der nur schwer zu kompensieren sein wird. Zeidler sagt:

«Es hat in der Tat gut geklappt mit Wiss. Das letzte Halbjahr war eine Win-win-Situation für alle.»

Am Sonntag um die Mittagszeit fliegen die St. Galler mit – Stand jetzt – 24 Feldspielern und 3 Goalies via Zürich für neun Tage wie im Vorjahr nach La Manga ins Trainingslager, vor Ort wird erstmals am Abend trainiert. Bis dahin sind in der Heimat noch mindestens drei Übungseinheiten angedacht. In Spanien wird auch Musah Nuhu seine Reha vorantreiben, nicht aber Nicolas Lüchinger, der in der Ostschweiz schuftet.

St.Gallen wird am 7., 10. und 13. Januar Testspiele bestreiten – und natürlich wird auch Zeidler dann an der Seitenlinie stehen, dem der jüngst kurzzeitig trainerlose VfB Stuttgart möglicherweise ein Angebot unterbreitet hat. «Zu solchen Dingen äussere ich mich grundsätzlich nicht», sagt Zeidler, sich und dem FC St.Gallen treu bleibend.